Krise lastet wie Blei auf Kreditmärkten

Donnerstag, 3. Januar 2013, 17:29 Uhr
 

Frankfurt (Reuters) - Finanzkrise und Rezession sorgen in vielen Euro-Ländern für eine immer stärker nachlassende Kreditdynamik.

Wie aus am Donnerstag veröffentlichten Daten der Europäischen Zentralbank (EZB) hervorgeht, sank die Summe der an Firmen und Haushalte in der Euro-Zone ausgereichten Bankkredite auch im November: um 0,8 Prozent nach 0,7 Prozent im Oktober. Analysten hatten mit einem Rückgang um 0,5 Prozent gerechnet. Die Summe der an Haushalte vergebenen Darlehen sank um 3,1 (Oktober: 2,9) Prozent. Firmen mussten mit einem Rückgang der Kreditsumme um 1,8 (1,8) Prozent klar kommen.

Howard Archer, Ökonom beim Finanzanalysedienst Global Insight geht allerdings davon aus, dass es zu einem Teil auch die geringe Nachfrage nach neuen Krediten ist, die sich in den Zahlen widerspiegelt. "Dennoch besteht die Besorgnis, dass es auch für eine ganze Reihe von Unternehmen wegen der von vielen Banken verschärften Kreditanforderungen schwieriger geworden ist überhaupt an Mittel zu kommen. Insofern ist die Kreditsituation schon auch ein Handicap für bessere Wirtschaftsaussichten in der Währungsunion." Die EZB rechnet 2013 mit einem Rückgang des Wirtschaftswachstums in den 17 Euro-Ländern um 0,3 Prozent.

Einige EZB-Daten machten jedoch auch Hoffnung auf eine mögliche Erholung der Wirtschaft auf Sicht von sechs bis neun Monaten. Während die Kredite zurückgingen, stieg zugleich die Summe der von Firmen und Haushalten bei den Kreditinstituten gehaltenen Einlagen. Unternehmen hielten im November im Jahresvergleich 3,8 Prozent mehr Mittel bei den Banken, Haushalte sogar 4,2 Prozent mehr. "Dies könnte den Trend bei den Krediten umkehren, wenn das durch das Sicherheitsnetz der EZB entstandene neue Vertrauen von den Finanzmärkten auf die Realwirtschaft überspringt", sagte Berenberg-Ökonom Christian Schultz.

Welche Schlüsse die Euro-Notenbanker in Frankfurt aus den Kreditdaten zieht, bleibt abzuwarten. Der EZB-Rat entscheidet bereits kommenden Donnerstag das erste Mal im neuen Jahr über seinen geldpolitischen Kurs. EZB-Präsident Mario Draghi hatte im Dezember die Tür für eine weitere Zinssenkung offengehalten, zuletzt hatten sich jedoch einige Ratsmitglieder öffentlich gegen einen solchen Schritt gestellt. Druck vonseiten der Inflation hat die EZB derzeit kaum: Das Wachstum der Geldmenge M3 lag im November bei 3,8 Prozent und damit exakt auf dem von Analysten erwarteten Wert. M3 umfasst Bargeld, Giroeinlagen, kurzfristige Geldmarktpapiere sowie Schuldverschreibungen mit bis zu zwei Jahren Laufzeit. Eine stark wachsende Geldmenge würde auf mittlere Sicht Inflationsgefahr signalisieren.

 
The Euro currency sign is seen in front of the European Central Bank (ECB) headquarters in Frankfurt December 6, 2012. REUTERS/Lisi Niesner