Europäischen Börsen geht die Puste wieder aus

Donnerstag, 3. Januar 2013, 14:47 Uhr
 

Frankfurt (Reuters) - Die Realität hat die europäischen Börsen am zweiten Handelstag des Jahres wieder eingeholt.

Nachdem die Einigung im US-Haushaltsstreit am Mittwoch noch weltweit für Euphorie an den Finanzmärkten gesorgt hatte, strichen die Anleger am Donnerstag ihre Gewinne ein. Der Dax lag am Nachmittag 0,3 Prozent im Minus bei 7758 Punkten, der EuroStoxx notierte 0,6 Prozent tiefer bei 2695 Zählern. An den US-Börsen zeichnete sich ebenfalls ein schwächerer Handelsstart ab.

Verhaltene Reaktion löste der Arbeitsmarktbericht des privaten Anbieters ADP aus, demzufolge im Dezember mit 215.000 Jobs deutlich mehr Stellen in den USA geschaffen wurden als prognostiziert. Der Bund-Future drehte daraufhin um 22 Ticks ins Minus und notierte bei 143,85 Zählern.

Wegen eines Feiertages am Mittwoch reagierte die Schweizer Börse mit einem Tag Verspätung auf die Haushaltseinigung in den USA. Der Leitindex SMI kletterte um 2,5 Prozent. Denn wäre es nicht zu einem Kompromiss zwischen Republikanern und Demokraten im Haushaltskonflikt gekommen, hätte ein Abrutschen der USA in die Rezession gedroht - mit massiven Folgen für die Weltwirtschaft. Die Börsen in Tokio und Shanghai blieben wegen Feiertagen geschlossen.

Auf den Devisen- und Ölmärkten kehrte Ernüchterung ein. Gewinnmitnahmen bestimmten das Handelsgeschehen. Es werde weitere Verhandlungen in den USA geben, kommentierte Ölexperte Victor Shum von IHS Purvin & Gertz. "Die Einigung ist ein Kompromiss." Der Euro fiel zurück auf 1,3093 Dollar, nachdem er am Mittwoch bis auf knapp 1,33 Dollar geklettert war. Der Preis für ein Barrel Öl der Nordseesorte Brent verbilligte sich um 0,2 Prozent auf 112,29 Dollar.

Analysten zeigten sich allerdings grundsätzlich zuversichtlich, dass die Aktienmärkte ihre Aufwärtsbewegung bald wieder aufnehmen könnten. "Auf kurze Sicht rechne ich nicht mit vielen schlechten Nachrichten. Die meisten Hürden, wie etwa der Haushaltsstreit, sind überwunden und in den nächsten Wochen dürfte die Stimmung an den Märkten recht positiv sein", sagte Philippe Gijsels, Chefanalyst bei BNP Paribas Fortis Global Markets.

SOLARWERTE ALS SPITZENREITER

Im Dax führten K+S die Verliererliste mit einem Abschlag von 3,5 Prozent an. Den Papieren des Düngemittelherstellers setzte eine Herunterstufung der Analysten der Citigroup zu. Gefragt waren dagegen Technologiewerte, was Händler mit Nachholbedarf bei diesen Titeln begründeten. Infineon-Aktien, die 2012 nur auf ein vergleichsweise mageres Plus von 5,4 Prozent kamen, führten die Dax-Gewinnerliste mit einem Aufschlag von 1,2 Prozent an. Zugleich verteuerten sich Dialog Semiconductor und Kontron um jeweils über vier Prozent.

Besonders gefragt waren Solarwerte, die auch den TecDax mitzogen. Der Technologieindex gewann 1,2 Prozent. SMA Solar und Solarworld kletterten um 16 und zwölf Prozent, im MDax gewannen Wacker Chemie 4,2 Prozent. US-Starinvestor Warren Buffett will bis zu 2,5 Milliarden Dollar über seine Beteiligungsgesellschaft Berkshire Hathaway in ein Projekt des US-Unternehmens SunPower stecken. "Wenn ein eher konservativ ausgerichteter Anleger wie Buffett in Solarprojekte einsteigt, ist das für die Branche ein gutes Zeichen", sagte ein Händler in Frankfurt.

In London führten die Papiere von Next die Gewinnerliste im FTSE100 mit einem Plus von 2,1 Prozent an. Der Textileinzelhändler hatte seine Gewinnprognose erhöht.

 
A trader is pictured in front of the DAX board at the Frankfurt stock exchange January 3, 2013. REUTERS/Remote/Pawel Kopczynski (GERMANY - Tags: BUSINESS)