Fed-Sorgen bremsen nach Neujahrsrally US-Börsen aus

Freitag, 4. Januar 2013, 07:48 Uhr
 

New York (Reuters) - Anzeichen für wachsende Sorgen in der Fed-Führung über Risiken ihrer massiven Konjunkturhilfen haben die Anler an der Wall Street am Donnerstag verunsichert.

Zwar dürfte die US-Notenbank ihr Programm zum Kauf von Staatsanleihen bis auf weiteres fortsetzen. Doch zeigte das Protokoll zur jüngsten geldpolitischen Sitzung eine zunehmende Zurückhaltung in der Spitze der Federal Reserve gegnüber einer weiteren Aufblähung der Bilanz. Während einige Fed-Vertreter demnach die Notwendigkeit weiterer Hilfen betonten, meinten andere, dass die Staatsanleihen-Käufe vor Ende 2013 verlangsamt oder gestoppt werden sollten. Überraschend positive Zahlen vom kriselnden US-Arbeitsmarkt konnten die Abschläge aber in Grenzen halten. Zuvor war schon an den europäischen Börsen nach der Jubelstimmung zum Jahresauftakt Ernüchterung eingekehrt.

Der Dow-Jones der 30 Standardwerte schloss 0,2 Prozent tiefer bei 13.391 Punkten. Im Verlauf pendelte er 13.430 und 13.358 Zählern. Der breiter gefasste S&P 500 verlor ebenfalls 0,2 Prozent auf 1459 Zähler. Der Index der Technologiebörse Nasdaq büßte 0,4 Prozent auf 3100 Punkte ein. In Frankfurt schloss der Dax 0,3 Prozent im Minus bei 7756 Punkten. Das sei nach den zuletzt satten Gewinnen des deutschen Leitindexes aber sicher keine ungesunde Entwicklung, sagte Marktstratege Johannes Bollongino von IG Markets. Der EuroStoxx gab 0,4 Prozent auf 2701 Zähler nach. Der Dax hatte das Jahr 2012 mit einem Plus von fast 30 Prozent beendet und war am Mittwoch um mehr als zwei Prozent gestiegen.

Hatte die Einigung im US-Haushaltsstreit am Mittwoch noch weltweit für Euphorie an den Börsen gesorgt, traten die Anleger nun auf die Bremse. Nach dem Fed-Protokoll richtete die Wall Street ihr Augenmerk nun auf den bevorstehenden Streit im Kongress über die Anhebung der Schuldengrenze. Analysten warnten nach der jüngsten Rally vor zu großem Optimismus. "Ich wäre vorsichtig, was große Aufwärtsbewegungen betrifft", sagte Jeff Meyerson von Sunrise Securities. "Im Haushaltsstreit sind immer noch einige Wolken am Horizont zu erkennen." Dennoch zeigten sich Experten grundsätzlich zuversichtlich, dass die Börsen - auch dank der niedrigen Zinsen - ihren Aufwärtskurs bald wieder aufnehmen könnten. "Auf kurze Sicht rechne ich nicht mit vielen schlechten Nachrichten. Die meisten Hürden, wie etwa der Haushaltsstreit, sind überwunden, und in den nächsten Wochen dürfte die Stimmung an den Märkten recht positiv sein", sagte Philippe Gijsels, Analyst bei BNP Paribas Fortis Global Markets.

Abgefangen wurde der Kursrückgang in New York von Daten zum US-Arbeitsmarkt. Demzufolge wurden in der Privatwirtschaft im Dezember mit 215.000 Jobs deutlich mehr Stellen geschaffen als erwartet.

Bei den Einzelwerten standen in New York die Einzelhändler nach Umsatzzahlen aus dem wichtigen Dezembergeschäft im Mittelpunkt. So gewannen die Papiere von Costco ein Prozent, nachdem der vergleichbare Umsatz überraschend kräftig um neun Prozent gestiegen war. Die Aktien von GAP kletterten um 2,3 Prozent. Die Bekleidungskette will laut "Wall Street Journal" die Damenmodekette Intermix übernehmen, um in den Luxusmodemarkt zu expandieren. Die Titel von Family Dollar Stores brachen dagegen um rund 13 Prozent ein, nachdem der Quartalsgewinn geringer als erwartet ausgefallen war.

US-STARINVESTOR BUFFETT TREIBT SOLARWERTE AN

Besonders gefragt waren Solarwerte. US-Starinvestor Warren Buffett will bis zu 2,5 Milliarden Dollar über seine Beteiligungsgesellschaft Berkshire Hathaway in ein Projekt des US-Unternehmens SunPower stecken. "Wenn ein eher konservativ ausgerichteter Anleger wie Buffett in Solarprojekte einsteigt, ist das für die Branche ein gutes Zeichen", sagte ein Händler. Die Aktien von SunPower schossen rund 48 Prozent nach oben und zogen auch den TecDax in Frankfurt mit. Der Technologieindex gewann 1,3 Prozent. SMA Solar und Solarworld kletterten um rund zwölf beziehungsweise 15 Prozent, im MDax gewannen Wacker Chemie 5,1 Prozent.

Auf den Devisen- und Ölmärkten bestimmten Gewinnmitnahmen das Handelsgeschehen. Es werde weitere Verhandlungen in den USA geben, kommentierte Ölexperte Victor Shum von IHS Purvin & Gertz. "Die Einigung ist ein Kompromiss." Der Euro wurde auch von den Fed-Sorgen belastet und fiel rund ein Prozent zurück auf 1,3050 Dollar, nachdem er am Mittwoch bis auf knapp 1,33 Dollar geklettert war. Der Preis für ein Barrel Öl der Nordseesorte Brent verbilligte sich um 0,6 Prozent auf 111,85 Dollar.

An der New York Stock Exchange wechselten rund 710 Millionen Aktien den Besitzer. 1692 Werte legten zu, 1321 gaben nach und 103 blieben unverändert. An der Nasdaq schlossen bei Umsätzen von 1,77 Milliarden Aktien 1187 im Plus, 1287 im Minus und 95 unverändert.