Fed-Protokoll macht europäischen Börsen zu schaffen

Freitag, 4. Januar 2013, 11:34 Uhr
 

Frankfurt (Reuters) - Spekulationen über ein mögliches Ende der lockeren US-Geldpolitik haben den Anlegern in Europa am Freitag Kopfzerbrechen bereitet.

Allerdings hielten sich die Kursverluste an den Aktienmärkten in Grenzen, da Experten nicht davon ausgingen, dass ein solcher Schritt der US-Notenbank unmittelbar bevorsteht. Zudem wollten sich viele Anleger vor den am Nachmittag anstehenden wichtigen US-Arbeitsmarkdaten nicht zu weit aus dem Fenster lehnen. Der Dax sank am Vormittag um 0,3 Prozent auf 7733 Punkte, der EuroStoxx50 lag ebenfalls 0,3 Prozent niedriger bei 2693 Punkten. Am ersten Handelstag des Börsenjahres in Japan legte der Nikkei-Index hingegen um 2,8 Prozent zu und reagierte damit mit zwei Tagen Verspätung auf die Einigung im US-Haushaltsstreit. Der Index in Shanghai gewann 0,4 Prozent.

Ausgelöst worden waren die Spekulationen durch die Veröffentlichung des Protokolls zur letzten Sitzung des für Geldpolitik zuständigen Offenmarktausschusses der Fed. Der Abschrift zufolge sind einige Mitglieder der Meinung, dass es angemessen sein könnte, das Programm zum Ankauf von Staatsanleihen zur Stützung der Wirtschaft deutlich vor Ende 2013 zu verlangsamen oder zu stoppen. Die Zentralbanker um Fed-Chef Ben Bernanke hatten Mitte Dezember beschlossen, die Notenpresse noch schneller rotieren zu lassen und noch mehr Staatsanleihen zu kaufen. "Das Protokoll hat für ein wenig Unsicherheit am Markt gesorgt", sagte Analyst Andrew Wilkinson von Miller, Tabak & Co in New York. Nach Ansicht von Eric Stein von Easton Vance Investment Management sind die Äußerungen schwer zu interpretieren, ohne zu wissen, von wem sie stammten. Der Kern des Ausschusses um Bernanke werde aber wohl weiter eher zu geldpolitischen Lockerungen tendieren, solange er nicht völlig von einem deutlichen Konjunkturaufschwung überzeugt sei oder es keinen massiven Anstieg der Inflation gebe.

EURO, ÖL UND STAATSANLEIHEN UNTER DRUCK

Zu deutlichen Reaktionen auf das Protokoll kam es an den Devisen-, Anleihe- und Rohstoffmärkten. Der Ölpreis für die Sorte Brent fiel um gut ein Prozent auf 110,85 Dollar. Der Euro rutschte auf Kurse knapp über 1,30 Dollar, nachdem er am Donnerstag noch rund 1,31 Dollar gekostet hatte. Würde die Geldpolitik in den USA wieder gestrafft, würde der Zinsvorsprung, den der Euro zum Dollar hat, geschmälert. Auch zum Yen legte der Dollar zu und markierte mit 87,835 Yen zeitweise den höchsten Stand seit zweieinhalb Jahren.

An den Rentenmärkten ging es mit den Kursen nach unten. Der Bund-Future verlor 52 Ticks auf 143,05 Punkte, die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe stieg auf 1,520 (Vorabend 1,479) Prozent. Auch die Rendite ihres US-Pendants stieg weiter und markierte mit 1,9541 Prozent den höchsten Stand seit Frühjahr 2012.

Da die Fed ihre Geldpolitik abhängig von der Entwicklung des US-Stellenmarkt macht, wird die Veröffentlichung des monatlichen US-Arbeitsmarktberichtes am Nachmittag (14.30 Uhr MEZ) von den Börsianern besonders genau beäugt. Von Reuters befragte Analysten rechnen mit 150.000 neu geschaffenen Jobs außerhalb der Landwirtschaft nach 146.000 im Vormonat.

SOLARWERTE SETZEN HÖHENFLUG FORT

Im Dax litten die Aktien des Pharma- und Chemiekonzerns Merck unter einer Herabstufung durch die Analysten von Nomura und fielen um rund zwei Prozent. Größter Verlierer waren Lanxess mit einem Abschlag von knapp drei Prozent.

Solarworld stiegen im TecDax um gut zehn Prozent, nachdem sie bereits am Donnerstag 15 Prozent gewonnen hatten. SMA Solar bauten ihre Vortagesgewinne ebenfalls aus und verteuerten sich um rund fünf Prozent. Der Einstieg des US-Großinvestors Warren Buffett in US-Solarprojekte hatte die Rally bei den Werten der Branche ausgelöst.

Im MDax profitierten Sky Deutschland von einer Kooperation mit der Telekom. Ab Mitte 2013 können Kunden des Telekom-Fernsehens Entertain erstmals Live-Spiele der Fußball-Bundesliga und weitere Programme von Sky wie Film-Sender abonnieren. Sky-Aktien stiegen um gut zwei Prozent.

 
Traders are pictured at their desks in front of the DAX board at the Frankfurt stock exchange January 4, 2013. REUTERS/Remote/Joachim Herrmann (GERMANY - Tags: BUSINESS)