Mercedes fährt trotz Absatzrekord Konkurrenz hinterher

Freitag, 4. Januar 2013, 17:03 Uhr
 

Düsseldorf/München (Reuters) - Rückschlag trotz Rekordabsatz: Im Rennen um den Spitzenplatz im teuren Oberklasse-Segment ist Mercedes 2012 erneut hinter die Konkurrenten BMW und Audi zurückgefallen.

Wie der Daimler-Konzern am Freitag in Stuttgart berichtete, lieferte er von seiner Top-Marke Mercedes 1,32 Millionen Fahrzeuge aus - das sind 4,7 Prozent mehr als im Jahr zuvor. Gemeinsam mit den Marken Smart und Maybach wurden weltweit 1,42 Millionen Pkw verkauft (plus 4,5 Prozent). So viele Autos hat Daimler noch nie zuvor abgesetzt, auch wenn die Krise in Europa und hausgemachte Probleme in China für Bremsspuren sorgten. Im Dezember kühlte sich die Nachfrage ab, die Verkaufszahlen kamen kaum vom Fleck.

Übers Gesamtjahr blieb Mercedes damit in der Premium-Liga auf Platz drei. Die VW-Tochter Audi schaffte einen Absatz von mehr als 1,4 Millionen. Unangefochtener Platzhirsch in der Oberklasse dürfte auch 2012 der BMW-Konzern bleiben, der von seinen drei Marken BMW, Mini und Rolls-Royce insgesamt rund 1,8 Millionen Wagen verkaufte. Allein in den ersten elf Monaten wurden 1,39 Millionen Fahrzeuge der Marke BMW ausgeliefert - mehr als von Mercedes im gesamten Jahr. Genaue Zahlen für 2012 wollen die Ingolstädter und die Münchner demnächst vorlegen.

Daimler-Chef Dieter Zetsche, der sich vorgenommen hat, Mercedes bis 2020 wieder an die Spitze des Premiumsegments zurück zu bugsieren, äußerte sich optimistisch für 2013. Die Entwicklung werde fortgesetzt. Neue Modelle wie die S- oder E-Klasse sowie die Verfügbarkeit der kleinen A-Klasse in vielen weiteren Märkten sorgten für Rückenwind. Mit dem Jahr 2012 zeigte er sich zufrieden: "Trotz des schwierigen Marktumfeldes in den südeuropäischen Ländern und zahlreicher Modellwechsel haben wir den Rekordabsatz des Vorjahrs übertroffen." Allein in den USA legte der Verkauf im vergangenen Jahr um zwölf Prozent zu. Die Vereinigten Staaten hätten Deutschland damit als größten Markt für die Marke Mercedes-Benz abgelöst.

In China, wo die Konkurrenz regelmäßig hohe zweistellige Plusraten einfährt, schafften die Stuttgarter dagegen nur einen Zuwachs von 1,5 Prozent. Gründe dafür waren Produktionsunterbrechungen, Lieferschwierigkeiten und doppelte Vertriebsgesellschaften, die sich gegenseitig Konkurrenz machten. Die Rivalen profitierten indes viel stärker davon, dass teure deutsche Limousinen und Geländewagen in China, dem größten Automarkt der Welt, weiter reißenden Absatz finden. Auch in den USA machen die Oberklasse-Hersteller glänzende Geschäfte. So gleichen sie Rückgänge in Europa aus, wo die Pkw-Märkte seit mehr als einem Jahr auf rasanter Talfahrt sind. In manchen Ländern im schuldengeschüttelten Süden wurden 2012 so wenige Neuwagen verkauft wie seit Jahrzehnten nicht mehr. Die deutschen Luxuswagenhersteller spüren dies auch, denn auf dem Heimatkontinent machen sie fast die Hälfte ihres Absatzes.

Der lange krisenresistente Automarkt in Deutschland geriet zuletzt ebenfalls in den Sog der europäischen Absatzkrise. Bei Mercedes gingen die Verkaufszahlen 2012 leicht zurück. Die Stuttgarter sind aber nach eigenen Angaben weiter die zulassungsstärkste Premiummarke in Deutschland - wie schon seit 20 Jahren.

 
The logo of a Mercedes car is pictured during a press presentation prior to the Essen Motor Show in Essen November 30, 2012. REUTERS/Ina Fassbender