2012 war Rekordjahr für deutsche Solaranlagen

Samstag, 5. Januar 2013, 15:53 Uhr
 

Berlin (Reuters) - Im vergangenen Jahr sind in Deutschland so viele Solarmodule wie nie zuvor installiert worden.

Die gesamte Leistung der Anlagen betrug etwa 7600 Megawatt, wie aus Zahlen der Bundesnetzagentur und des Umweltministeriums hervorgeht. Wegen geänderter Regeln zur Einspeisung des Sonnenstromes gab es allerdings im Herbst einen deutlichen Rückgang. In den letzten drei Monaten des Jahres seien weniger als ein Fünftel der Gesamtleistung installiert worden, sagte ein Sprecher von Umweltminister Peter Altmaier am Samstag. "Das zeigt, dass die Novelle wirkt." Altmaier will den Neubau von Solaranlagen bremsen, weil die garantierten Abnahmepreise für die Investoren von den Stromverbrauchern finanziert werden.

Im Jahr 2011 wurden noch Anlagen mit einer Gesamtleistung von 7500 Megawatt und 2010 mit 7400 Megawatt gebaut. Ein neuerer Atomreaktor kommt in Deutschland im Vergleich auf eine Leistung zwischen 1000 und 1500 Megawatt. Zwar griffen 2012 die ersten Kürzungen bereits ab April für neue Anlagen, doch zahlreiche Ausnahmeregelungen und Fristverlängerungen führten beispielsweise zu einem Boom für Freiflächenanlagen im September. Für dieses Jahr rechnet Altmaier mit 3500 bis 4000 Megawatt neuer Solarleistung.

GESAMTLEISTUNG NEUER ANLAGEN SINKT

Nach den neuen Regeln wird Anlagenbauern nicht mehr die Abnahme des gesamten erzeugten Stroms zu Festpreisen garantiert. Ein Teil muss selbst vermarktet werden. Das kompliziert die Berechnung der erwarteten Gewinne für die finanzierenden Banken. Die Institute verlangen teilweise mehr Eigenkapital von den Investoren, was manche abschreckt.

Die Änderungen machten sich im Herbst 2012 besonders bemerkbar: Wurden im Oktober Anlagen mit einer Gesamtleistung von 611 Megawatt gebaut, waren es im November noch 435 und im Dezember 360 Megawatt.

Die Solarbranche hatte mit dem Rückgang gerechnet. Für dieses Jahr erwarten die Unternehmen eine ausgewogenere Nachfrage ohne die Boomzeiten vor dem Auslaufen bestimmter Regelungen. "Wir hoffen, dass wir weiter einen kräftigen Ausbau haben werden", sagte der Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes Solarwirtschaft (BSW), Carsten Körnig, der Nachrichtenagentur Reuters. Verbraucher müssen demnach keine Angst haben, dass ihre Stromrechnungen wegen des weiteren Ausbaus steigen.

Die Photovoltaik gilt wegen der Förderung als besonders teuer und erhält mit fast zehn Milliarden Euro jährlich rund die Hälfte der Mittel für die erneuerbaren Energien insgesamt, liefert aber nur rund fünf Prozent des Stroms. Die garantierten Abnahmepreise über 20 Jahre für Solarstrom hatten in Deutschland zusammen mit dem Verfall der Modulpreise eine starke Nachfrage ausgelöst. Während die Regierung mit einem Neubau bis zu 3500 Megawatt pro Jahr kalkulierte, lag er jahrelang wesentlich höher. Deutschland wurde damit der wichtigste Markt für Solaranlagen.

Die Branche bekommt die schwächere Nachfrage nach Angaben des BSW vor allem bei größeren Anlagen zu spüren, die zum Beispiel auf Feldern aufgestellt werden. Für Hauseigentümer seien die Module trotz der Kürzungen interessant, weil die Erzeugungskosten für Solarstrom deutlich unter den Bezugskosten lägen, sagte BSW-Hauptgeschäftsführer Körnig.

 
Sheep graze between the solar panels of a solar park in Waghaeusel, 20 km (12 miles) southeast of Karlsruhe, March 21, 2011. REUTERS/Kai Pfaffenbach (GERMANY - Tags: POLITICS ENERGY ENVIRONMENT ELECTIONS ANIMALS)