Führungswechsel bei Air Berlin - Mehdorn geht

Montag, 7. Januar 2013, 17:55 Uhr
 

Frankfurt (Reuters) - Überraschender Wechsel im Cockpit von Air Berlin: Hartmut Mehdorn legt mit sofortiger Wirkung sein Amt als Vorstandschef bei der angeschlagenen Airline nieder.

Nachfolger des ehemaligen Bahn-Chefs wird Wolfgang Prock-Schauer, wie Air Berlin am Montag mitteilte. Der bislang für die Streckenplanung zuständige Manager dürfte nun die Sanierung der tiefrote Zahlen schreibenden zweitgrößten deutschen Airline forcieren.

"Jetzt ist die richtige Zeit für den Führungswechsel", begründete Mehdorn seinen zügigen Abschied. Der 70-jährige bleibe noch Mitglied des Verwaltungsrates und werde der Fluglinie beratend zu Seite stehen, sagte ein Konzernsprecher.

Der Ex-Bahnchef hatte das Ruder bei Air Berlin im Herbst 2011 übernommen und ein schweres Erbe angetreten. Um die Airline in der Luft zu halten, holte Mehdorn wenig später Etihad an Bord. Die Fluggesellschaft aus dem Golf-Emirat Abu Dhabi kaufte knapp 30 Prozent der Aktien und griff Air Berlin auch anderweitig mit Geld unter die Arme. Gleichzeitig trieb Mehdorn einen harten Spar- und Schrumpfkurs voran. Dazu wurde das Streckennetz ausgedünnt und Flugzeuge verkauft. Die Kosten sollten damit im Jahr 2012 um 230 Millionen Euro sinken.

Der Konzernumbau ging Etihad aber zu langsam, weshalb der kapitalkräftige Partner Druck im Kontrollgremium machte. Einem Magazinbericht zufolge soll Etihad bereits im August die Ablösung Mehdorns gefordert haben. Air Berlin und Etihad hatten das zurückgewiesen. Wenig später setzte Air Berlin auf den laufenden Sanierungsplan noch "Turbine 2013". Das neue Programm sei auf zwei Jahre angelegt und werde umfassender ausfallen als bislang geplant, sagte ein Sprecher. Ob damit auch Jobs wegfallen, wollte er nicht sagen. Früheren Medienberichten zufolge soll jede zehnte der gut 9000 Stellen bei dem Unternehmen auf der Kippe stehen. Der neue Konzernlenker Prock-Schauer unterstreicht den Ernst der Lage: "Air Berlin steht vor großen Herausforderungen." Der Veränderungsprozess müsse schnell vorangetrieben werden.

AKTIE FÄLLT

Der Applaus am Kapitalmarkt für seine Berufung war verhalten. Die Air-Berlin-Aktie fiel um 1,5 Prozent. "Prock-Schauer wird das Unternehmen kurzfristig nicht tiefgreifend verändern", sagte DZ-Bank-Luftfahrtanalyst Robert Czerwensky. Er sollte aber einen Geist des Wandels mitbringen, was positiv zu werten sei. Details zum neuen Sparprogramm seien in den nächsten Wochen zu erwarten.

Unter Gründer und Mehdorn-Vorgängen Joachim Hunold hatte Air Berlin Rivalen wie DBA, LTU und Niki geschluckt und kräftig expandiert. Ziel war es, der Lufthansa die Vorherrschaft am Himmel streitig zu machen. Die Strategie scheiterte und brachte das Unternehmen finanziell in Turbulenzen. Einen Jahresgewinn erzielte die Airline, die mit Flügen nach Mallorca groß geworden ist, zuletzt 2007. Auch die immer wieder hinausgeschobene Eröffnung des Berliner Großflughafens BER machte Air Berlin zu schaffen. Die Airline wollte BER zu seinem Heimatflughafen machen und die Strecken ausweiten.

AIRLINE-VETERAN

Der 56-jährige Prock-Schauer ist erst seit Herbst an Bord und hat mit der Planung der Strecken ein zentrales Ressort übernommen. Die Personalie ließ die Branche aufhorchen: Es wurde vermutet, das er bei Air Berlin zu Höherem berufen sein könnte. Genug Erfahrung hat der Österreicher. In einem Interview sagte Prock-Schauer vor zwei Jahren, dass er von seinen 30 Jahren in der Luftfahrtbranche allein 20 Jahre mit Krisen der einen oder anderen Art zutun gehabt habe. So managte er den Beitritt von Austrian Airlines zur Star Alliance, später war er sogar Chef des Luftfahrtbündnisses. Danach ging er nach Indien und lenkte den Expansionskurs von Jet Airways. Der jüngste Job war der schwerste: Für die Lufthansa sollte er die damalige Tochter BMI wieder flottmachen. Das Vorhaben scheiterte allerdings, die verlustträchtige britische Fluglinie wurde schließlich verkauft.

 
Hartmut Mehdorn, CEO of airberlin, listens to a contribution from a shareholder at the low cost airline's annual general meeting at a hotel near Stansted airport, near London, June 7, 2012. REUTERS/Paul Hackett (BRITAIN - Tags: BUSINESS TRANSPORT)