Hypothekensumpf kostet Bank of America erneut Milliarden

Montag, 7. Januar 2013, 16:16 Uhr
 

New York (Reuters) - Die Bank of America kann ein weiteres Kapitel im Streit um faule Hypothekenpapiere schließen, muss dafür aber tief in die Tasche greifen.

Die US-Großbank zahlt in einem Vergleich 3,6 Milliarden Dollar an den verstaatlichten Hypothekenkonzern Fannie Mae. Er hatte in der Finanzkrise vor dem Aus gestanden, weil Ramschhypotheken, die er unter anderem von der Bank of America gekauft hatte, reihenweise ausgefallen waren. Darlehen im Volumen von 6,75 Milliarden Dollar kauft die Bank nun sogar ganz von Fannie Mae zurück, wie sie am Montag weiter mitteilte.

Die Einigung dürfte den Gewinn der Bank of America im Schlussquartal 2012 erneut pulverisieren. Das Geldhaus rechnet mit Belastungen von etwa 2,5 Milliarden Dollar, die nur zum Teil wettgemacht werden können. Das Ergebnis je Aktie dürfte nur noch leicht positiv sein, erklärte die Bank. Dennoch atmeten die Anleger auf: Aktien der Bank legten im frühen Handel an der Wall Street leicht zu.

Seit Monaten hält sich die zweitgrößte US-Bank nur knapp in der Gewinnzone, weil das Aufräumen der Altlasten viel Geld verschlingt. Erst Ende September gab das Institut bekannt, in einem Vergleich 2,4 Milliarden Dollar an institutionelle Investoren zu zahlen, die sich unmittelbar vor der Übernahme des kriselnden Rivalen Merrill Lynch auf dem Höhepunkt der Finanzkrise 2008 mit falschen Informationen über die Finanzlage beider Häuser getäuscht fühlten. Es war eine der höchsten Vergleichssummen bei einer Sammelklage dieser Art.

Bank of America hatte mit am stärksten auf den heimischen Hypothekenmarkt gewettet. Viele Anleger werfen der Bank vor, Hypotheken niedriger Qualität - teilweise gebündelt in hochkomplexe Wertpapiere - verkauft zu haben. Während das Institut daran jahrelang prächtig verdiente, blieben die Käufer auf den Verlusten sitzen, die sich einstellten, als der US-Häusermarkt 2007 kollabierte. Neben Fannie Mae zählte auch das ebenfalls vom Staat aufgefangene Schwesterunternehmen Freddie Mac zu den Abnehmern der Hypotheken.

Bankchef Brian Moynihan bezeichnete den jüngsten Vergleich als wichtigen Schritt nach vorne. Er will das leidige Hypothekenthema endlich zu den Akten legen. Dazu zählt auch, dass sich Bank of America weitgehend aus dem Dienstleistungsgeschäft zurückzieht. So will das Institut die Verwaltung von Hypothekenkrediten anderer Anbieter (Servicing) im Volumen von gut 300 Milliarden Dollar abgeben, wie es am Montag ebenfalls mitteilte. Die Bank bestätigte damit entsprechende Reuters-Informationen aus Kreisen. Als sogenannte Servicer treiben Institute die Ratenzahlungen von Hypothekenkunden für andere Banken ein und bekommen dafür Gebühren. Dieser einst sehr lukrative Markt hat an Glanz verloren, weil er im Zuge umstrittener Zwangsräumungen nun stärker reglementiert wird.

 
The logo of the Bank of America is pictured atop the Bank of America building in downtown Los Angeles November 17, 2011. Protesters took to the streets in cities across the U.S. for a day of action seen as a test of the momentum of the two-month-old grass-roots movement against economic inequality. Occupy Los Angeles protestors have gathered and threatened to set up tents for the night outside the Bank of America building in Los Angeles. REUTERS/Fred Prouser (UNITED STATES - Tags: BUSINESS POLITICS CIVIL UNREST LOGO)