Seltener Protest gegen Pressezensur in China

Dienstag, 8. Januar 2013, 08:15 Uhr
 

Guangzhou (Reuters) - In China haben Hunderte Demonstranten ihren Unmut über Pressezensur auf die Straße getragen.

Zu der für die Volksrepublik seltenen Kundgebung kam es am Montag in der Provinzhauptstadt Guangzhou, wo mit der einflussreichen "Nanfang Zhoumo" eine der liberalsten Zeitungen des Landes erscheint. Mit der Demonstration vor den Türen der Redaktion erreichte die Kritik an staatlicher Zensur dort ihren vorläufigen Höhepunkt. Ihren Anfang nahm sie vergangene Woche, als Journalisten des Blattes den Provinzbehörden Eingriffe in ihre Arbeit vorwarfen. Die Beamten sollen einen Leitartikel mit der Forderung nach einer rechtsstaatlichen Regierung durch eine Huldigung der Kommunistischen Partei ersetzt haben.

Die Reporter drohten daraufhin mit Streik. Es blieb aber zunächst unklar, ob die Redaktion tatsächlich in den Ausstand getreten ist und ob die Wochenzeitung am Donnerstag wie gewohnt erscheinen wird. "Freie Meinungsäußerung ist kein Verbrechen" und "Das chinesische Volk will die Freiheit" war bei der Solidaritätskundgebung auf Transparenten der Demonstranten zu lesen. Die wohlhabende Provinz Guangdong gilt als eine der liberalsten des kommunistisch regierten Landes. Insgesamt hält die Pekinger Führung die Medien an einer engen Leine. Im Internet sind ausländische Seiten wie Facebook, Twitter und YouTube gesperrt.

 
Demonstrators gather along a street near the headquarters of Southern Weekly newspaper in Guangzhou, Guangdong province, January 7, 2013. Scores of supporters of one of China's most liberal newspapers demonstrated outside its headquarters on Monday in a rare protest against censorship, calling for the resignation of the provincial propaganda chief. REUTERS/James Pomfret (CHINA - Tags: POLITICS CIVIL UNREST MEDIA)