Dax-Anleger vor Start der US-Berichtssaison mutlos

Dienstag, 8. Januar 2013, 11:27 Uhr
 

Frankfurt (Reuters) - Vor dem Start der US-Bilanzsaison sind die Dax-Anleger auf Nummer sicher gegangen und haben von Aktien lieber die Finger gelassen.

Der deutsche Leitindex verlor am Dienstag 0,2 Prozent auf 7718 Punkte, der EuroStoxx50 notierte nahezu unverändert. Auch der Euro kam kaum vom Fleck und notierte bei 1,3117 Dollar.

Nach Börsenschluss lässt sich der Aluminiumhersteller Alcoa als erster US-Konzern in die Bücher gucken. Viele Analysten erwarten von der Bilanzsaison aber keine großen Impulse. Der über Monate geführte Haushaltsstreit in den USA dürfte bei den Unternehmen Spuren hinterlassen haben, heißt es in viele Kommentaren.

LBBW-Experte Uwe Streich bleibt dennoch verhalten optimistisch: "Schließlich hatten Erwartungen, welche unter dem Gewinn des jeweiligen Vorquartals liegen, zuletzt eine gewisse Tradition in den USA", schrieb er in einer Kurzstudie. Eine leichte Dynamisierung der Weltwirtschaft im neuen Jahr sollte seiner Ansicht nach die fiskalpolitischen Bremseffekte in den USA kompensieren.

ANALYSTENKOMMENTARE SORGEN FÜR BEWEGUNG IM DAX

Für Bewegung im Dax sorgten vor allem Analysteneinschätzungen: Die Aktie des des Nivea-Herstellers Beiersdorf setzte sich nach einer Reihe von Kurszielerhöhungen an die Dax-Spitze und notierte 2,7 Prozent fester. Auf der Verliererseite standen dagegen Lanxess, die sich um 2,9 Prozent verbilligten. Händler führten das auf einen Kommentar des Brokerhauses MainFirst zurück. Die Experten rechnen für den Chemiekonzern mit einem schwierigen Start in das erste Quartal, da vor allem in der Auto- und Reifenindustrie die Nachfrage schwächele. Sie stuften die Aktien laut Börsianern auf "Underperform" zurück. "Offenbar fühlen sich einige Anleger an die Aussagen des Firmenchefs Axel Heitmann vom Jahresende erinnert und erwarten nichts allzu Gutes", sagte ein Börsianer. Er hatte kurz vor Weihnachten in einem Zeitungsinterview erklärt, dass die Gewinnsteigerung im zu Ende gehenden Geschäftsjahr "eher am unteren Ende" der prognostizierten Spanne von fünf bis zehn Prozent liegen und auch der Start ins Jahr 2013 unruhig werde.

Im MDax setzten Metro-Anleger auf einen Rückzug der Tochter Media-Markt aus China. Die Aktien des Handelskonzerns legten um 2,5 Prozent zu. "Es wäre ein positiver Punkt für die Aktie, wenn das Kapitel endlich geschlossen wird", sagte ein Händler. Vor allem der extrem harte Wettbewerb in der Volksrepublik hatte Media Markt zuletzt zu schaffen gemacht. Reuters hatte bereits am Vortag erfahren, dass Vorstandschef Olaf Koch einen Rückzug der Kette aus dem asiatischen Land plant.

SOLARWORLD AUF ACHTERBAHNFAHRT

Weiterhin für Aufsehen sorgten Solarworld: Nach ihrer starken Rally seit Jahresbeginn stiegen die Aktien zunächst um bis zu elf Prozent auf ein Acht-Monats-Hoch von 1,84 Euro, drehten dann aber kurzzeitig sechs Prozent ins Minus. Am Mittag notierten sie wieder knapp sechs Prozent fester. Der Handel mit Solarworld-Titeln werde von spekulativ orientierten Anlegern dominiert, sagte ein Händler. DZ Bank-Analyst Sven Kürten warnte, die die Kursgewinne der vergangenen Tage seien nicht nachhaltig. Auch die jüngsten Milliardeninvestitionen des Starinvestors Warren Buffett in die US-Solarbranche hätten keinen direkten Auswirkungen auf Solarworld. Außerdem seien weitere Subventionskürzungen wahrscheinlich. Kürten bekräftigte seine Verkaufsempfehlung für die Aktie.

Solarworld haben binnen sechs Handelstagen um knapp 80 Prozent zugelegt. Das ist die stärkste Rally seit der Börsenblase von 2000. Im vergangenen Jahr war der Kurs allerdings um 67,4 Prozent eingebrochen, so stark wie zuletzt 2002.