Wirtschaft gerät am Jahresende voll in die Flaute

Dienstag, 8. Januar 2013, 15:07 Uhr
 

Berlin (Reuters) - Trotz eines Rekordjahres für die Exporteure ist der deutschen Wirtschaft gegen Ende 2012 die Kraft ausgegangen.

Im November sackten die Ausfuhren zum Vormonat um 3,4 Prozent ab und damit so stark wie seit mehr als einem Jahr nicht mehr, wie das Statistische Bundesamt am Dienstag mitteilte. Die Exporteure knackten dennoch bereits die Umsatzmarke von einer Billion Euro. Der Industrie brachen in der globalen Konjunkturflaute die Aufträge weg, so dass sie insgesamt 1,8 Prozent weniger Bestellungen in den Büchern hatte. Konjunktur-Beobachter schreiben das Schlussquartal bereits ab, setzen aber auf ein Ende der Talfahrt im neuen Jahr.

"Gegen Jahresende zeigt insbesondere die anhaltende Krise im Euroraum weiter Wirkung auf den an sich robusten deutschen Außenhandel", sagte Außenhandelsverbands-Präsident Anton Börner. Ein Vergleich der Exportzahlen im November mit dem Vorjahresmonat offenbart, dass die erfolgsverwöhnten Exporteure mittlerweile auf der Stelle treten. In erster Linie sei das auf den krisenbedingten Einbruch der Exporte in die EU zurückzuführen, der jedoch durch den Zuwachs an Ausfuhren in Drittländer kompensiert werden konnte, erläuterte Börner: "Wir erwarten, dass wir unter dem Strich mit unserer Wachstumsprognose für 2012 in Höhe von rund vier Prozent eine Punktlandung hinlegen werden." Von Januar bis November verkauften die Exporteure Waren im Wert von 1,018 Billionen Euro ins Ausland - 4,3 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. 2011 war die Eine-Billion-Schallmauer erstmals durchbrochen worden, allerdings erst im Dezember. Für 2012 rechnet Börner mit einem Plus von vier Prozent auf den Rekordwert von 1,103 Billionen Euro. 2013 sollen die Exporte sogar um fünf Prozent auf 1,16 Billionen Euro wachsen.

"INSGESAMT STABILISIERT SICH DIE NACHFRAGE"

Doch zuvor muss die Wirtschaft durch das Konjunkturtal hindurch. Wegen der schwachen Auslandsnachfrage sammelte die Industrie im November sogar weniger Aufträge ein als von Reuters befragte Ökonomen erwartet hatten. Im Oktober hatte es mit 3,8 Prozent noch den größten Zuwachs seit mehr als anderthalb Jahren gegeben. "Ein Rückgang der Bestellungen nach einem kräftigen Nachfrageschub im Vormonat ist nicht ungewöhnlich", heißt es hierzu im Wirtschaftsministerium. Trotzdem liege das Volumen noch auf dem Niveau des Sommer-Quartals: "Insgesamt scheint sich die Nachfrage damit zu stabilisieren." Für die Daten zur Industrieproduktion im November, die am Mittwoch anstehen, erwarten Experten ein Plus von einem Prozent.

Die Aufträge aus dem Ausland fielen um 4,1 Prozent, nachdem es im Oktober noch ein Plus von 6,6 Prozent gegeben hatte. Verantwortlich für den Rückgang war jedoch nicht die rezessionsgeplagte Euro-Zone, sondern die einbrechende Nachfrage in anderen Ländern: Während die Bestellungen aus der Währungsunion um 0,2 Prozent zulegten, fielen sie im Rest der Welt um 6,5 Prozent. Die Aufträge aus dem Inland nahmen um 1,3 Prozent zu.

WIRTSCHAFT WOHL BIS FRÜHJAHR ÜBER DEN BERG

Dem Abwärtstrend entziehen konnten sich lediglich die Hersteller von Vorleistungsgütern, zu denen beispielsweise Stahl gehört. Sie meldeten ein Auftragsplus von 0,2 Prozent. Dennoch ist auch der Auftragseingang in der Metall- und Elektro-Industrie schwächer ausgefallen als im Oktober. Das Ordervolumen lag um zwei Prozent unter dem Wert des Vormonats. Im Zweimonatsvergleich Oktober/November ergibt sich aber ein Plus von 1,8 Prozent gegenüber dem Durchschnitt der beiden Vormonate. "Bei den Aufträgen stabilisiert sich die Lage offensichtlich, aber die bisherige schwache Entwicklung wird sich bei der Produktion noch mindestens bis ins erste Quartal auswirken", so Chefvolkswirt Michael Stahl vom Arbeitgeberverband Gesamtmetall.

Ökonom Andreas Scheuerle von der DekaBank ist jedoch optimistisch, dass die Gesamtwirtschaft bis zum Frühjahr über den Berg ist: "Im vierten Quartal dürfte das Bruttoinlandsprodukt noch um 0,4 Prozent geschrumpft sein, doch schon im ersten Quartal ist wieder mit einem Anstieg der Wirtschaftsleistung zu rechnen."

 
Containers are seen at the container terminal "Burchardkai" of the Hamburger Hafen und Logistik AG (HHLA) in the harbour of Hamburg October 17, 2012. REUTERS/Fabian Bimmer (GERMANY - Tags: BUSINESS MARITIME)