Aktienanleger treten vor US-Berichtssaison auf die Bremse

Dienstag, 8. Januar 2013, 19:14 Uhr
 

Frankfurt (Reuters) - Vor dem Start der US-Bilanzsaison haben sich die Anleger von den Aktienmärkten zurückgezogen.

Mit Spannung warteten die Investoren auf die Bilanz des Aluminiumriesen Alcoa, der am Dienstag nach Börsenschluss in New York den Reigen der Quartalszahlen eröffnen sollte. Der Dax schloss 0,5 Prozent im Minus bei 7695,83 Punkten. Der EuroStoxx50 gab 0,1 Prozent auf 2691 Zähler nach. Der Dow Jones mit den 30 Standardwerten fiel an der Wall Street um 0,5 Prozent auf 13.319 Punkte. Der breiter gefasste S&P 500 verlor 0,5 Prozent auf 1454 Zähler. Der Nasdaq sackte um 0,6 Prozent auf 3081 Punkte ab.

Auch an den anderen Märkten hielten sich die Anleger zurück. Der Euro fiel auf 1,3068 Dollar nach 1,3115 am Vorabend in New York. Der Bund-Future machte im Gegenzug Boden gut und notierte 35 Ticks fester bei 143,41 Zählern. Das als sicherer Anlagehafen geltende Gold verteuerte sich ebenfalls und wurde bei 1657 Dollar pro Feinunze gehandelt.

Goldman Sachs rechnet damit, dass sich die Gewinne an den europäischen Börsen in den ersten drei Monaten des Jahres ohnehin in Grenzen halten werden, da der US-Haushaltsstreit und die Euro-Schuldenkrise noch nicht beigelegt sind. Für den europäischen Stoxx 600-Index prognostizieren sie einen Anstieg von einem Prozent. Die Analysten von Cheuvreux gehen sogar von einem Rücksetzer an Europas Börsen aus. Für das Gesamtjahr sind die Experten der Deutschen Bank aber optimistischer: Sie rechnen für den Stoxx 600 mit einem Plus von 13 Prozent.

Gegen den Trend stieg die Schweizer Börse am Dienstag zeitweise auf den höchsten Stand seit vier Jahren. Vor allem weniger konjunkturabhängige Werte aus der Pharmabranche verhalfen dem Leitindex SMI zu einem Plus von 0,4 Prozent auf 7074 Zähler.

Gut lief es europaweit auch für Telekom-Werte, nachdem Spekulationen über einen Abschied von Vodafone aus einem Joint-Venture in den USA die Runde machten. Der Index für die Telekom-Branche legte 0,6 Prozent zu, im Dax erreichte die T-Aktie ein Plus von 0,7 Prozent. Der Chef des US-Telefonkonzerns Verizon Communications liebäugelt damit, den Partner Vodafone beim größten Mobilfunkunternehmen der USA, Verizon Wireless, herauszukaufen. Die Kaufsumme könnte riesig sein: Analysten bewerten das Vodafone-Paket mit 121 Milliarden Dollar. Experten bremsten die Euphorie jedoch und wiesen darauf hin, dass sich die Verhandlungen - falls es überhaupt dazu kommt - lang und komplex gestalten könnten. In New York verloren die Verizon-Papiere 1,7 Prozent, Vodafone-Titel schlossen in London 1,7 Prozent fester.

MONSANTO-AUSBLICK ERFREUT ANLEGER

Für Bewegung im Dax sorgten vor allem Analysteneinschätzungen: Die Aktie des Nivea-Herstellers Beiersdorf gehörte nach einer Reihe von Kurszielerhöhungen zur Dax-Spitze und schloss 2,4 Prozent fester. Gefragt waren zudem wie in Zürich Titel der Pharma- und Gesundheitsbranche: Merck beendeten den Tag als größter Dax-Gewinner mit einem Plus von 2,4 Prozent. Fresenius gewannen 0,7 Prozent, Bayer 0,4 Prozent.

Auf der Verliererseite standen dagegen Lanxess, die sich um 3,3 Prozent verbilligten. Händler führten das auf einen Kommentar des Brokerhauses MainFirst zurück. Die Experten rechnen für den Chemiekonzern mit einem schwierigen Start in das erste Quartal, da vor allem in der Auto- und Reifenindustrie die Nachfrage schwächele. Sie stuften die Aktien laut Börsianern auf "Underperform" zurück.

In New York sorgte der Optimismus von Monsanto für ein Kursplus von 2,6 Prozent bei den Aktien des weltgrößten Saatgutherstellers. Das Unternehmen hob nach einem Gewinnsprung im ersten Quartal seine Gewinnprognose für das laufende Geschäftsjahr auf 4,30 bis 4,40 Dollar pro Aktie an. Von den Aussagen profitierten auch die Anteilsscheine des Schweizer Rivalen Syngenta, die um 2,1 Prozent nach oben gingen. Die Papiere des auf Düngemittel spezialisierten Konzerns K+S gehörten im Dax mit einem Plus von 1,4 Prozent zu den größten Gewinnern, die im SDax gelisteten Aktien von KWS Saat schlossen 0,5 Prozent höher.

 
Traders are pictured at their desks in front of the DAX board at the Frankfurt stock exchange January 8, 2013. REUTERS/Remote/Lizza David