EXKLUSIV: Bank von Japan könnte Geldhahn weiter aufdrehen

Mittwoch, 9. Januar 2013, 17:17 Uhr
 

Tokio (Reuters) - Die japanische Notenbank (BOJ) will angesichts der anhaltenden Konjunkturschwäche offenbar den Geldhahn noch stärker aufdrehen.

Mehrere mit der Angelegenheit vertraute Personen sagten der Nachrichtenagentur Reuters, die Zentralbanker erwägten, noch in diesem Monat weiteres Geld in die Wirtschaft zu pumpen. Es sei wahrscheinlich, dass das Inflationsziel auf der Sitzung am 21. und 22. Januar auf zwei Prozent verdoppelt werde. Zugleich werde die Notenbank wohl ihr bereits auf umgerechnet rund 900 Milliarden Euro (101 Billionen Yen) angewachsenes Programm zum Anleihe-Kauf und zur Kreditvergabe aufstocken. Mit dem Schritt wolle sie ihre Bereitschaft demonstrieren, das Land aus der seit mehr als einem Jahrzehnt fast ununterbrochen andauernden Deflation zu holen, und sich so gegen radikale Forderungen aus der Politik stemmen, welche die Unabhängigkeit der Zentralbank infrage stellen.

Die neue Regierung von Ministerpräsident Shinzo Abo erhöhte zuletzt den Druck auf die Währungshüter deutlich. Am Mittwoch berief der Regierungschef wieder ein Gremium ein, das Grundlagen für die Wirtschaftspolitik erarbeitet. Auch der Notenbank-Chef Masaaki Shirakawa nahm teil. Nach der Sitzung sagte Wirtschaftsminister Akira Amari, es sei wichtig, dass die Regierung und die Notenbank gemeinsame Ziele hätten.

Sollte die BOJ ihre Geldpolitik im Januar erneut lockern, wäre es das erste Mal seit 2003, dass die Notenbank zwei Mal in Folge einen solchen Schritt unternimmt. Dennoch könnte sie die Investoren enttäuschen, die auf gänzlich neue Konjunkturstützen hoffen. Zuletzt hatten manche Ratsmitglieder der Bank von Japan weitere Optionen ins Spiel gebracht, wie eine Zusage, zeitlich unbegrenzt Anleihen aufzukaufen oder den Zins von 0,1 Prozent zu kappen, den die Notenbank den Finanzinstituten zahlt, die Geld bei ihr parken.

Bei ihrer Sitzung in diesem Monat dürfte die Notenbank den Kreisen zufolge ihre Konjunkturprognose für das laufende Haushaltsjahr bis März senken. Im Oktober hatte sie noch plus 1,5 Prozent vorhergesagt. Die Wirtschaft könnte sich nach Einschätzung von Analysten in diesem Jahr etwas erholen, sollte es gelingen, mit Abes massivem Konjunkturprogramm, der lockeren Geldpolitik und einem schwächeren Yen die Rezession zu überwinden. Experten rechnen mit einer Wachstumsrate von einem Prozent, manche halten aber sogar ein Plus von zwei Prozent für möglich. "Entscheidend für Japans Wirtschaft 2013 ist, ob die neue Regierung eine Wachstumsstrategie umsetzt oder sich nur auf die geldpolitische Lockerung und ein Konjunkturprogramm verlässt", sagte Yasuo Yamamoto vom Mizuho Research Institute. Weitere Pakete zur Ankurbelung der Wirtschaft dürften die Staatsverschuldung in die Höhe treiben, ergänzte Yamamoto. Japans ist bereits mit 237 Prozent seiner Wirtschaftsleistung verschuldet.

 
A woman holding an umbrella stands near a Japan flag in front of an illuminated display at a shopping district in Tokyo December 28, 2012. Japan's core consumer prices fell 0.1 percent in November from a year earlier, government data showed on Friday, in a sign of the persistent deflation that Japan's new prime minister has pledged to conquer with aggressive fiscal and monetary policy. REUTERS/Kim Kyung-Hoon (JAPAN - Tags: BUSINESS POLITICS TPX IMAGES OF THE DAY)