Nur wenige Lebensversicherer können die Verzinsung halten

Mittwoch, 9. Januar 2013, 10:09 Uhr
 

Frankfurt (Reuters) - Lebensversicherungen werfen im neuen Jahr im Schnitt nur noch 3,6 Prozent ab.

Die deutschen Lebensversicherer senkten die Gesamtverzinsung auf klassische Lebens- und Renten-Policen wegen der Niedrigzinsen auf festverzinsliche, sichere Wertpapiere branchenweit um 0,3 Prozentpunkte, wie aus einer Erhebung der Ratingagentur Assekurata unter 67 Anbietern und Berechnungen von Reuters hervorgeht. "Die Absenkung fällt doppelt so hoch aus wie vor einem Jahr", sagte Assekurata-Geschäftsführer Reiner Will am Dienstag. "Das wird aber zum Teil durch eine Anhebung der Schlussüberschüsse wettgemacht, mit denen die Unternehmen treue Kunden belohnen." Von den 67 befragten Gesellschaften senkten 87 Prozent die Gesamtverzinsung, nur 13 Prozent hielten sie stabil.

Dabei geht die Schere zwischen finanzstarken und -schwachen Lebensversicherern weiter auseinander. Spitzenreiter bleibt auch 2013 die zur Talanx-Gruppe gehörende Targo Leben mit 4,3 Prozent, die ihre Policen über die Targobank (ehemals Citibank Deutschland) vertreibt. Aber auch sie zahlt 0,3 Prozentpunkte weniger als 2012. Sie sei ein Beispiel für Versicherer mit besonders ertragreichen Ausgleichs-Geschäften, sagte Will. Die Targo Versicherung bietet vor allem lukrative Restschuldversicherungen für Targobank-Kunden an und kann damit die Lebensversicherung quersubventionieren.

Zahlreiche Versicherer haben in den fetten Jahren mehr als andere auch die Möglichkeiten genutzt, freie Reserven (RfB) zu bilden. Dazu gehört die Nürnberger Leben, die ihre Gesamtverzinsung seit drei Jahren stabil bei 4,0 Prozent hält, während der unangefochtene Marktführer Allianz seine Überschussbeteiligung auf 3,6 von 4,0 Prozent gedrückt hat. Den größten Rückschritt vollzog die Familienfürsorge, die 2013 nur 3,25 Prozent zahlt - im vergangenen Jahr lag ihre Verzinsung noch bei 4,0 Prozent. Ergo Leben (ehemals Hamburg-Mannheimer) strich die Überschussbeteiligung auf 3,2 von 3,8 Prozent zusammen.

Assekurata-Experte Will warnt aber vor voreiligen Schlüssen: "Das sind nur nominale Sätze, die sind nicht ganz vergleichbar." Wichtig sei auch, ob sich die Verzinsung auf das Deckungskapital zum Jahresende oder im Jahresdurchschnitt beziehe. Versicherer gingen damit unterschiedlich um. "Das kann schon 0,2 oder 0,3 Prozentpunkte ausmachen", sagt Will.

SPARKASSEN-VERSICHERER GEHÖREN ZU DEN SCHLUSSLICHTERN

Zurich Leben rangiert mit 3,00 Prozent auf dem letzten Platz. Am unteren Ende der Rangliste liegen auffallend viele große öffentliche Versicherer, von der Versicherungskammer Bayern (3,1 Prozent) bis zu den SV Sparkassen-Versicherungen in Baden-Württemberg, Hessen-Nassau und Thüringen (3,05) und Sachsen (3,05). "Wir agieren vorausschauend, weil wir glauben, dass die Niedrigzins-Phase noch anhält", sagte eine Sprecherin der Versicherungskammer Bayern.

Versicherer, die schon lange am Markt sind, haben noch viele Verträge aus den 1990er Jahren im Bestand, deren Inhabern sie 4,0 Prozent Verzinsung garantiert hatten - das Geld fehlt nun für die anderen Versicherten. Heute liegt die Garantieverzinsung bei 1,75 Prozent. Welchen Einfluss das durchschnittliche Alter der Verträge auf die Renditen hat, will die Assekurata in einer Studie untersuchen, die sie Ende Januar vorstellt.