Pannenserie beim Dreamliner - Start in Japan abgeblasen

Mittwoch, 9. Januar 2013, 14:21 Uhr
 

Tokio (Reuters) - Die jüngste Pannenserie beim Dreamliner wirft einen weiteren Schatten auf das Prestigeobjekt von Boeing.

Am Mittwoch strich die japanische Fluggesellschaft All Nippon Airways einen geplanten Flug mit dem 787 Dreamliner von Yamaguchi im Westen Japans nach Tokio wegen Problemen mit den Bremsen. Dies war bereits der dritte Zwischenfall in drei Tagen. Am Montag wie auch am Dienstag gab es Schwierigkeiten mit Dreamlinern in Boston. In einem Fall kam es sogar zu einem Brand an Bord, der nach Einschätzung der US-Transportsicherheitsbehörde NTSB einen schwerwiegenden Schaden in der Maschine anrichtete. Anleger zogen bereits Konsequenzen. Der Marktwert des Airbus-Konkurrenten brach an der Wall Street zu Wochenbeginn um 2,8 Milliarden Dollar ein. Dies entspricht dem Listenpreis von etwa einem Dutzend Maschinen des Langstrecken-Flugzeugs.

Die jüngsten Störungen reihen sich an frühere Vorfälle an. Im Dezember mussten beispielsweise alle Boeing-Flugzeuge vom Typ 787 Dreamliner zwischenzeitlich am Boden bleiben. Die US-Luftfahrtbehörde FAA hatte eine Überprüfung aller Maschinen angeordnet, nachdem bei zwei der Flugzeuge Treibstoff ausgelaufen war. Ähnliches ereignete sich nun auch am Dienstag. Bei einer Maschine von Japan Airlines musste der Start in Boston wegen eines Lecks am Treibstofftank abgebrochen werden. Rund 150 Liter Kerosin traten aus. Am Vortag war es ebenfalls bei einer 787 von Japan Airlines zu einem Brand gekommen. Bei dem Vorfall explodierte eine Batterie, die Geräte an Bord mit Strom versorgte. Die 183 Passagiere, die mit der Maschine aus Tokio nach Boston geflogen waren, hatten zu diesem Zeitpunkt bereits das Flugzeug verlassen. Einem Medienbericht zufolge stellte auch United Airlines bei einer Überprüfung Probleme bei der Verkabelung eines Dreamliners fest.

Boeing betonte, die Ermittlungen zu unterstützen. Es sei noch zu früh, ins Detail zu gehen. Zugleich wies der US-Konzern Vermutungen zurück, es gebe Verbindungen zu früheren Zwischenfällen bei der Stromversorgung. Die Aktien von GS Yuasa, dem Hersteller der Boeing-Batterien, befanden sich am Mittwoch trotzdem den zweiten Tag in Folge auf Talfahrt.

EXPERTEN ZEIGEN SICH GELASSEN

In der Bewertung der jüngsten Pannenserie sind sich Experten nicht ganz einig. Michel Merluzeau vom Luftfahrt-Beratungsunternehmen G2 Solution sagte, es sei relativ normal, dass es bei neuen Flugzeugen zu Problemen komme. Das seien Kinderkrankheiten. "Verstehen sie mich nicht falsch, ein Batterie-Feuer ist sehr, sehr ernst. Aber die 787 ist weiterhin ein sehr sicheres Flugzeug", fügte Merluzeau hinzu.

Die Auslieferung der ersten Maschinen des Prestigeobjekts hatte sich wegen diverser Probleme um dreieinhalb Jahre auf Herbst 2011 verzögert. Seit einigen Monaten erhöhen die Amerikaner, im Rennen um die Spitzenposition mit Airbus, ihre Produktion, um Kunden schneller zu beliefern und einen Überhang von 848 Aufträgen im Wert von weit mehr als 170 Milliarden Dollar abzubauen. "Es wäre vielleicht besser gewesen, Boeing hätte sich auf das Erkennen von Fehlern konzentriert, als die Produktion so stark voranzutreiben", sagte Luftfahrt-Analyst Richard Aboulafia.

Zu den größten Boeing-787-Kunden zählen die japanischen Fluglinien All Nippon Airways und Japan Airlines sowie die indische Air India. Bisher gibt es keine Informationen darüber, dass Bestellungen zurückgezogen werden. Ein Air-India-Sprecher sagte: "Es ist ein neues Flugzeug und kleinere Pannen können passieren. Kein Grund zur Sorge."

 
An advertisement of Boeing Co's 787 Dreamliner jet is seen at New Tokyo international airport in Narita, east of Tokyo Janauary 9, 2013. REUTERS/Shohei Miyano (JAPAN - Tags: TRANSPORT DISASTER BUSINESS)