Blackrock-Dominanz wächst mit ETF-Sparte von CS

Donnerstag, 10. Januar 2013, 15:03 Uhr
 

Zürich/Frankfurt (Reuters) - Im Geschäft mit börsennotierten Indexfonds (ETFs) baut der US-Branchenriese Blackrock seine Marktmacht weiter aus.

Mit der Übernahme der ETF-Sparte von Credit Suisse vereint der weltgrößte Vermögensverwalter fast die Hälfte des in Europa verwalteten Vermögens auf sich. "Die Transaktion unterstützt Blackrocks Wachstumsstrategie in der Region und sorgt für die notwendige Größe und Präsenz im Markt, um unsere Produktpalette weiter auszubauen und unseren Kunden in der Schweiz und ganz Europa Lösungen anzubieten", erklärte Blackrock-Chef Laurence Fink am Donnerstag.

Das Geschäft soll bis Ende des zweiten Quartals 2013 abgeschlossen werden, wie Credit Suisse und Blackrock mitteilten. Ein Preis wurde nicht genannt. Eine mit der Sache vertraute Person nannte eine Größenordnung zwischen 200 und 300 Millionen Dollar. Reuters hatte bereits am Mittwochabend berichtet, dass Blackrock zum Zuge kommt.

Das ETF-Geschäft der Credit Suisse kam Ende November auf ein verwaltetes Vermögen von 16 Milliarden Franken (17,3 Milliarden Dollar). Mit 58 Fonds und einem Marktanteil von 5,5 Prozent sind die Schweizer nach Angaben des Londoner Analysehauses ETFGI die Nummer vier in Europa. Marktführer Blackrock hält auf dem Kontinent mit seiner Marke iShares einen Anteil von mehr als 41 Prozent. In seinen 195 iShares-ETFs verwaltet das Unternehmen in Europa 132 Milliarden Dollar. Weltweit kam Blackrock Ende Dezember auf rund 759 Milliarden Dollar.

ANALYSTEN BEZWEIFELN SINN DES GESCHÄFTS

Analysten bezeichneten den Zukauf auf den ersten Blick als schwer nachvollziehbar. "Ich bin überrascht, weil Blackrock mit iShares schon eine starke Präsenz in der Schweiz und anderen Ländern hat, in denen Credit Suisse aktiv gewesen ist", sagte Detlef Glow, ETF-Experte bei dem zum Thomson Reuters gehörenden Analysehaus Lipper. Auch Analyst Gordon Rose von Morningstar sieht die Übernahme skeptisch: "Blackrock hat zwar einen Rivalen weniger und wird dadurch noch größer und dominanter. Es stellt sich aber die Frage, ob sich die ETFs nicht zu sehr überlappen." Sowohl Blackrock als auch Credit Suisse haben sich dem physisch replizierenden Ansatz verschrieben. Das bedeutet, das die Wertpapiere aus den Indizes ge- und verkauft werden, die der jeweilige ETF nachvollzieht. Beim anderen, sogenannten swap-basierten Ansatz, wird die Indexentwicklung über Derivategeschäfte abgebildet. Ishares würde laut Daten von ETFGI mit den Credit-Suisse-Anteilen rund 75 Prozent des Marktes für physisch replizierende ETFs auf sich vereinen.

Ein weiteres Problem könnte für Blackrock nach Einschätzung von Rose zudem sein, die Kunden von Credit Suisse überhaupt zu halten. "Man muss abwarten, ob zum Beispiel viele Schweizer aktuell bereit sind, in der Schweiz gelistete Fonds eines US-Hauses zu investieren oder zum Beispiel lieber zur UBS gehen."

Wichtig dürfte für Blackrock gewesen sein, im margenarmen ETF-Geschäft mit noch mehr Masse zu punkten. "Größe ist im ETF-Geschäft ein entscheidender Faktor", sagte Glow. Der Zukauf ist der zweite im ETF-Markt, den Blackrock innerhalb von wenigen Monaten tätigt. Im März hatten die Amerikaner die kanadische Claymore Investments von Guggenheim Partners übernommen. Hinter Blackrock rangieren die Deutsche-Bank-Tochter db x-trackers und Lyxor von der Societe Generale auf Platz zwei und drei am europäischen ETF-Markt.

Für die Credit Suisse setzt der Verkauf Eigenkapital frei. Mit einer Reihe von Maßnahmen will die zweitgrößte Schweizer Bank ihre Kapitalbasis um rund 15 Milliarden Franken verbessern. Der Katalog umfasste unter anderem die Emission von Pflichtwandelanleihen, Beteiligungs- und Immobilienverkäufe sowie die Auszahlung von Boni in Form von Aktien. Im November hatten die Schweizer zudem angekündigt, die Sparte Asset Management, zu der auch das ETF-Geschäft gehört, in die größere Sparte Private Banking zu integrieren. "Der Verkauf des ETF-Geschäfts heißt nicht, dass Credit Suisse mit ihren ETFs nicht erfolgreich gewesen ist", sagte Lipper-Analyst Glow. "Es bedeutet nur, dass wegen der Konsolidierung in der Bankenbranche nun auch zukunftsträchtige Geschäfte verkauft werden müssen." Der Kurs von Credit Suisse stieg an der Börse in Zürich um 0,6 Prozent.

 
Trams drive past the offices of Swiss banks UBS (L) and Credit Suisse at Paradeplatz square in Zurich August 10, 2012. REUTERS/Arnd Wiegmann (SWITZERLAND - Tags: BUSINESS CITYSPACE)