GM will nichts von Opel-Ehe mit Peugeot wissen

Donnerstag, 10. Januar 2013, 16:13 Uhr
 

Eisenach (Reuters) - Angesichts härtnäckiger Gerüchte um einen Verkauf von Opel hat der amerikanische Mutterkonzern General Motors seiner deutschen Tochter demonstrativ den Rücken gestärkt.

"Wie mein Vorstandschef Dan Akerson gestern gesagt hat, steht Opel nicht zum Verkauf", sagte GM-Vize Stephen Girsky der Nachrichtenagentur Reuters beim Produktionsstart des kleinsten Opel-Modells Adam am Donnerstag in Eisenach. Zu Medienberichten, Frankreich wolle einen engeren Bund von Peugeot und Opel als Gegengewicht zu Volkswagen, fügte Girsky hinzu: "Wir werden an Opel festhalten und weiter investieren." Opel-Interimschef Thomas Sedran betonte, dass sein Unternehmen sonst nicht so hohe Summen in neue Modelle und deren Produktion stecken würde. "Wir treiben den ganzen Aufwand nicht, um Opel bald zu verkaufen".

Über eine Fusion von Peugeot und Opel wird immer wieder spekuliert, seit die Franzosen und der amerikanische Opel-Mutterkonzern im vergangenen Frühjahr eine strategische Allianz eingingen und GM mit sieben Prozent bei Peugeot einstieg. Konzernchef Akerson hatte schon bei einem Besuch im Rüsselsheimer Stammwerk Mitte November einen Verkauf von Opel ausgeschlossen.

Beide Unternehmen plagen die gleichen Probleme: Günstige Kleinwagen - einst eine Stütze des Geschäfts - verkaufen sich wegen der Schuldenkrise in Südeuropa nur noch schleppend. Weil die Werke kaum ausgelastet sind, türmen sich die Verluste bei Opel wie bei Peugeot.

ADAM IN SERIE

Opel stemmt sich mit einer Modelloffensive gegen den Abwärtstrend - und will außerdem sein Werk in Bochum schließen, um die Kosten zu senken. Neben dem Geländewagen Mokka und dem Cabrio Cascada, das im Frühjahr auf den Markt kommen soll, rollt nun der Kleinwagen Adam an den Start. Der 3,70 kurze Stadtflitzer in Zwei-Farben-Lackierung soll vor allem bei jungen Käufer punkten. Durchsetzen muss sich der Adam, der mit 11.500 Euro nicht zu den günstigsten seiner Klasse gehört, gegen etablierte Rivalen wie den Fiat 500 und den noch recht neuen Volkswagen Up. Der Start sei nach Maß verlaufen, betonte Sedran, der den neuen Hoffnungsträger in der Endmontage des Opel-Werks Eisenach in Empfang nahm. "Wir haben 16.000 Bestellungen, obwohl der Wagen erst Ende nächster Woche in die Autohäuser kommt."

Vollkommen überzeugt vom Erfolg des neuen Modells scheint er aber noch nicht: Wie viele Exemplare der Rüsselsheimer Konzern in diesem Jahr absetzen wolle, verriet der im Sommer übergangsweise an die Opel-Spitze berufene frühere Unternehmensberater nicht. Kapazitäten hat Opel in seinem Werk Eisenach, wo früher die DDR-Marke Wartburg gebaut wurde, noch für 60.000 Wagen. Die auf jährlich 180.000 Autos ausgelegte Fabrik ist mit der Produktion des Corsa nur zu zwei Drittel ausgelastet.

THÜRINGEN BANGT

Thüringen fordert von dem angeschlagenen Autobauer langfristige Zusagen für den Erhalt der Fertigung. "Wir erwarten, dass Opel das Werk Eisenach über 2016 hinaus auslastet", sagte der Thüringer Wirtschaftsminister Matthias Machnig (SPD). Das Land werde alles tun, um die Zukunft der Fabrik mit 1600 Beschäftigten zu sichern. Ihre Entschlossenheit hat die Regierung bereits in der Vergangenheit demonstriert und einen Teil der Kosten für die Umrüstung auf die Adam-Produktion übernommen. Insgesamt steckt Opel dafür 190 Millionen Euro in die Fabrik.

Opel-Chef Sedran beruhigte die Politik und schloss weitere Werksschließungen über die Fabrik in Bochum hinaus vorerst aus. Autos wie der Adam seien Garant dafür, dass Deutschland auch künftig wichtiger Produktionsstandort von Opel bleibe. "Wir bauen den Adam als einziges Auto in seinem Segment im Hochlohnland Deutschland."

Die deutsche GM-Tochter verliert seit Jahren Marktanteile und hatte voriges Jahr das Aus für das Bochumer Werk 2016 angekündigt. Sedran machte deutlich, dass er in diesem Jahr mit einem weiteren Rückgang der Pkw-Neuzulassungen in Europa um vier Prozent rechnet. Die GM-Tochter werde ihren Marktanteil von zuletzt knapp sieben Prozent nicht steigern. Praktisch alle Experten erwarten, dass der Automarkt in Europa wegen der Schuldenkrise im diesem Jahr weiter schrumpfen wird. Ein stabiler Marktanteil würde damit weiter sinkende Verkäufe von Opel bedeuten.

 
The logo of German General Motors daughter Opel and French car maker Peugeot are seen at a Opel and Peugeot dealership in Leverkusen near Cologne October 22, 2012. Picture taken October 22. REUTERS/Wolfgang Rattay (GERMANY - Tags: TRANSPORT BUSINESS LOGO)