Neuer Hochtief-Chef will Baukonzern auf Profit trimmen

Freitag, 11. Januar 2013, 07:31 Uhr
 

Ratingen (Reuters) - Der neue Hochtief-Chef Marcelino Fernandez Verdes will den größten deutschen Baukonzern nachhaltig auf Profit trimmen.

"Wir werden die Profitabilität verbessern", kündigte Verdes am Mittwochabend in Ratingen an. Er wolle den Wert Hochtiefs steigern und den Konzern, der in der Vergangenheit in die Verlustzone abgerutscht war, besser machen. Alle Anteilseigner erwarteten, Dividenden zu erhalten, betonte Verdes.

Der ehemalige ACS-Manager Verdes war im vergangenen November auf den Chefposten bei Hochtief aufgerückt. Seine Berufung hatte aber auch Ängste in der Belegschaft hervorgerufen, der mit Milliarden-Schulden kämpfende spanische Mehrheitseigner könnte den Essener Traditionskonzern zerschlagen.

VERDES LÄSST SICH BEI STRATEGIE NICHT IN DIE KARTEN SCHAUEN

Derzeit arbeitet Verdes an einer neuen Strategie für den Konzern. Diese wolle er bei der Vorlage der Jahresbilanz am 28. Februar präsentieren, kündigte der spanische Manager an. Mit Blick auf diese Pläne hielt sich Verdes bedeckt. Derzeit durchleuchte er jede Einheit und jedes Segment des Konzerns unter den Fragestellungen, wo Hochtief wirklich stark sei, wie viel Kapital für ein Geschäft eingesetzt werden müsse und welche Margen erzielt werden könnten. Dabei zeigten sich viele Stärken des Konzerns. Er wolle indes dafür sorgen, dass der Konzern nicht nur auf seine Ingenieur-Leistungen stolz sein könne, sondern auch auf seine "finanziellen Leistungen". Vor Hochtief liege dabei ein "hartes Stück Weg" - doch sei er zuversichtlich, dass der Konzern die Strecke bewältigen könne.

Gute Perspektiven für Hochtief sieht der 57-jährige Spanier im nordamerikanischen Markt, wo Hochtief unter anderem mit den Töchtern Turner und Flatiron vertreten ist. In den USA müsse die Infrastruktur erneuert werden - dies gelte von Straßen über Hafenanlagen bis hin zu Schulen und Krankenhäusern. Für Hochtief seien dies gute Nachrichten, denn der Konzern sei dort ein Marktführer.

In Asien kann der Konzern seinem neuen Chef zufolge weiter vom anhaltenden Hunger der Industrie nach Rohstoffen profitieren. Die Tochter Leighton betreibt dort zahlreiche Minen. Bei Großprojekten Leightons müssten aber Risiken genau unter die Lupe genommen werden. Die australische Tochter hatte in der Vergangenheit mit Pannen und Verzögerungen bei zwei Großprojekten in Australien die Ergebnisse von Hochtief verhagelt. "Schnelles Volumen-Wachstum ist ganz sicher nicht unser Ziel", sagte Fernandez Verdes mit Blick auf Leighton. "Unser Ziel ist es, die Profitabilität voranzutreiben."

ACS hatte sich nach einem langen Übernahmekampf 2011 die Mehrheit an Hochtief mit seinem mehr als 81.000 Mitarbeitern gesichert. Lange hatte Hochtief wegen Problemen mit der Australien-Tochter Leighton ACS aber keine Freude bereitet. Im dritten Quartal 2012 hatten die Essener dann wieder schwarze Zahlen geschrieben und polierten die ACS-Bilanz auf. Trotzdem musste der damalige Konzernchef Frank Stieler im vergangenen November seinen Hut nehmen und wurde von Verdes ersetzt, der als Vertrauter von ACS-Chef Florentino Perez gilt. Aufsichtsrat und Vorstand hatten bei der Amtsübernahme des Spaniers betont, "eine Zerschlagung oder Filetierung von Hochtief" sei kein Element der neuen Strategie.

 
A security man closes the entrance to a building site of a new skyscraper of German construction group Hochtief in Frankfurt January 4, 2011. Spanish builder ACS has secured a crucial 30 percent holding in Hochtief following a hotly contested takeover bid, allowing it to build a controlling interest in the German construction group. REUTERS/Wolfgang Rattay (GERMANY - Tags: BUSINESS)