HSH-Aufsichtsratschef Kopper geht - SPD-Banker folgt

Freitag, 11. Januar 2013, 15:44 Uhr
 

Hamburg (Reuters) - Hilmar Kopper tritt als Aufsichtsratschef der Krisenbank HSH vorzeitig ab.

Der 77-Jährige lege sein Amt spätestens zum 28. Februar nieder, teilte die Hamburger Bank am Freitag mit. Als Nachfolger schlugen die Haupteigner Hamburg und Schleswig-Holstein Thomas Mirow vor, der bis Mitte vergangenen Jahres Chef der Osteuropabank in London war. "Mir ist bewusst, dass vor der HSH Nordbank eine weitere, sehr schwierige Wegstrecke liegt", sagte der SPD-Politiker, der auch einige Jahre Hamburger Wirtschaftsenator war, bei seiner Präsentation im Hamburger Rathaus. Für die Steuerzahler im Norden wie für die Unternehmen stehe viel auf dem Spiel. Die HSH war vor knapp vier Jahren mit staatlicher Milliardenhilfen vor dem Aus geretteten worden und steht angesichts der Schifffahrtskrise vor neuen Problemen.

"Mir steht sehr klar vor Augen, in welchen Schwierigkeiten die Schifffahrt gegenwärtig ist", fügte Mirow hinzu. Hoffnungen, dass die Krise schnell vorübergehen werde, erfüllten sich aller Voraussicht nach nicht. Die Durstrecke werde wohl noch einige Zeit dauern.

Bei der HSH Nordbank als führendem Schiffsfinanzierer schlägt die Krise der Reeder besonders stark zu buche. Die Schifffahrtsunternehmen leiden unter Überkapazitäten und sinkenden Raten. Viele Schiffe können deshalb ihre Kosten nicht einspielen. Angesichts der anhaltenden Probleme erwägen die beiden Landesregierungen von Hamburg und Schleswig Holstein, den staatlichen Garantierahmen wieder auf zehn Milliarden Euro aufzuspannen. Die HSH hatte nach ersten Sanierungserfolgen im vergangenen Jahr drei Milliarden an Garantien zurückgegeben, was sich später jedoch als Fehlentscheidung erwies.

NICHT IMMER EIN GLÜCKLICHES HÄNDCHEN

Kopper, der ehemalige Vorstandssprecher der Deutschen Bank, war Mitte 2009 bei der HSH angetreten, als die Bank nach Fehlspekulationen mit Kredit- und Finanzgeschäften von ihren Eignern gerade mit Milliardenhilfe gerettet worden war. Sein Vertrag lief - wie bei HSH-Aufsichtsratschefs üblich - fünf Jahre. Der altgediente Manager hatte allerdings bereits bei seinem Amtsantritt deutlich gemacht, dass er nicht bis Frühjahr 2014 an Bord bleiben möchte. Kopper habe die Bank in einer ihrer schwierigsten Phasen begleitet und sich mit aller Kraft dafür eingesetzt, die Zukunft des Instituts zu sichern, lobte HSH-Chef Contstantin von Oesterreich.

Als Kopper den Job bei der HSH antrat, ging er davon aus, dass toxische Papiere in der Bilanz das größte Problem der Bank seien, hieß es aus seinem Umfeld. Dann musste er jedoch feststellen, dass drohende Kreditausfälle in der kriselnden Schifffahrt eine deutlich größere Gefahr für die Bank darstellten. Das Institut, das 29 Milliarden Euro an Schiffskrediten ausgegeben hat, warnte deshalb im November, dass es ab 2019 wohl erneut Staatshilfen von bis zu 1,3 Milliarden Euro in Anspruch nehmen muss.

DREI VORSTANDSCHEFS IN VIER JAHREN

Bei seinen Personalentscheidungen hatte Kopper bei der HSH nicht immer ein glückliches Händchen. Den Mathematik-Professor Dirk Jens Nonnenmacher, an dem Kopper als Vorstandschef lange festhielt, musste er 2011 auf Druck der Eigentümer entlassen. Nonnenmachers Nachfolger, den Investmentbanker Paul Lerbinger, setzte Kopper im Oktober 2012 wieder vor die Tür. In der Politik und in der Finanzbranche zweifelten zuletzt viele daran, ob der 77-Jährige noch die Kraft aufbringt, die Bank wieder in ruhiges Fahrwasser zu führen.   Fortsetzung...

 
People leave the HSH Nordbank building in downtown Hamburg, December 7, 2012. REUTERS/Fabian Bimmer (GERMANY - Tags: BUSINESS MARITIME)