Aufseher befragen Deutsche-Bank-Chefs in Libor-Prüfung

Freitag, 11. Januar 2013, 15:59 Uhr
 

Frankfurt/London (Reuters) - Im Skandal um Zinsmanipulationen muss sich nun auch die Führung der Deutschen Bank Fragen der Finanzaufsicht BaFin stellen.

Im Rahmen der Sonderprüfung werde in den nächsten Wochen das Top-Management befragt, sagten mehrere mit der Angelegenheit vertraute Personen der Nachrichtenagentur Reuters am Freitag. Darunter seien die Co-Chefs Anshu Jain und Jürgen Fitschen sowie Aufsichtsratschef Paul Achleitner. "Die Befragung von Top-Managern gehört zum normalen Vorgehen bei einer Sonderprüfung", sagt einer der Insider. Eine interne Untersuchung des größten deutschen Geldhauses hatte nach Bankangaben ergeben, dass kein Mitglied des früheren und des heutigen Vorstands Kenntnisse von mutmaßlichen Manipulationen des Referenzzinssatzes Libor hatte. Jain war damals Chef der für den Libor zuständigen Investmentbankingsparte.

Die BaFin will ihre Prüfung bei der Bank Finanzkreisen zufolge bis Ende März abschließen. Sie untersucht vor allem, ob es neben dem Fehlverhalten einzelner Händler auch strukturelle Kontrollschwächen bei dem Geldhaus gegeben hat. Das "Handelsblatt" zitierte in seiner Freitagausgabe eine mit den Untersuchungen vertraute Person damit, dass die Bank das Manipulationsrisiko beim Libor zu lange unterschätzt habe. Das Institut hätte die Prozesse früher anpassen und früher eine interne Untersuchung starten müssen. Treffe das zu, könne auf die Bank eine Geldbuße zukommen, berichtete das Blatt. Die BaFin äußerte sich nicht dazu. Ein Banksprecher bekräftigte lediglich, dass das Geldhaus mit den Behörden kooperiere.

Weltweit stehen mehr als ein Dutzend Großbanken im Verdacht, in den vergangenen Jahren den Referenzsatz Libor zu ihren Gunsten manipuliert zu haben, um so Handelsgewinne einzustreichen. Die Ermittler gehen von mehreren Händler-Ringen aus, die den Zins beeinflusst haben sollen - darunter auch damalige Mitarbeiter der Deutschen Bank. Der Libor beruht auf den von außen bislang kaum nachvollziehbaren Angaben der Institute zu ihren Refinanzierungskosten. Er wird einmal täglich in London ermittelt und ist die Basis für Milliarden-Finanzgeschäfte weltweit.

Die Schweizer UBS musste wegen ihrer Verwicklung in den Skandal bereits mehr als eine Milliarde Euro zahlen. Die britische Bank Barclays legte 450 Millionen Dollar auf den Tisch. Als nächstes wird bei der teilverstaatlichten Royal Bank of Scotland mit einem Vergleich gerechnet. Die Summe dürfte Finanzkreisen zufolge über dem Betrag von Barclays liegen. Um sich darauf vorzubereiten, erwägt die Bank Bonus-Kürzungen und die Rückforderung von Prämien derjenigen Händler, die in den Skandal verwickelt sind, wie Insider sagten. So könnten mehr als 150 Millionen Dollar zusammenkommen. Das Institut äußerte sich dazu nicht.

Zwei führende Investmentbanker der RBS müssen im Zuge des Libor-Skandals um ihren Arbeitsplatz fürchten. Die Bank erwäge, ihren Investmentbank-Chef John Hourican und den Chef der Kapitalmarkt-Sparte, Peter Nielsen, bei einer Einigung mit den Behörden abzulösen, sagte ein Insider der Nachrichtenagentur Reuters. Zwar habe sich in den Untersuchungen kein Anzeichen ergeben, dass sie von den Manipulationen gewusst hätten, doch drängten die Aufseher offenbar darauf, dass prominente Köpfe rollen müssten. Bisher wurde nur eine Handvoll Investmentbanker von RBS geschasst, die eher unten in der Hierarchie stehen. Bei Barclays hatte die Libor-Affäre die drei höchstrangigen Banker den Job gekostet, darunter Vorstandschef Bob Diamond.