Tätersuche nach Tötung von Kurdinnen in Paris

Freitag, 11. Januar 2013, 19:42 Uhr
 

Istanbul (Reuters) - Zwei Tage nach der Tötung dreier Kurdinnen in Paris sind die Hintergründe der Tat noch völlig unklar.

Die Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) machte am Freitag türkische Nationalisten verantwortlich und drängte Frankreich, den Fall vollständig aufzuklären. Der türkische Ministerpräsident Tayyip Erdogan erklärte dagegen, die Frauen dürften eher Opfer interner Streitigkeiten geworden sein. Die französischer Ermittler machten keine Andeutungen über die Täter oder Hintermänner. Die Türkei versetzte ihre Botschaften in Alarmbereitschaft und bat die französischen Behörden, die Sicherheitsvorkehrungen zu erhöhen. In Berlin und Stockholm demonstrierten Hunderte Kurden.

Die PKK sprach von einem vorsätzlichen und organisierten Angriff. Sollte die Tat nicht aufgeklärt werden, werde die Regierung in Paris für das "Massaker an den Kampfgefährten" zur Verantwortung gezogen, erklärte der bewaffnete Flügel der PKK. Erdogan sagte der Nachrichtenagentur Anatolien zufolge, es gebe Hinweise auf eine interne Fehde. Das Kurdische Institut in Paris, in dem die Frauen gefunden worden waren, sei durch einen Code gesichert gewesen. Die Frauen hätten die Tür keinem Unbekannten geöffnet, sagte der Regierungschef. Für endgültige Schlussfolgerungen müssten aber die Ermittlungen abgeschlossen werden.

Die Frauen waren am frühen Donnerstag erschossen in den Räumen des Instituts aufgefunden worden, das eng mit der PKK verbunden ist. Eines der Opfer war PKK-Gründungsmitglied. Der französische Innenminister Manuel Valls sprach von einer regelrechten Hinrichtung.

In Berlin demonstrierten rund 700 Kurden, viele mit Bildern der Getöteten. Auf einem Plakat war zu lesen: "Frauen wurden ermordet, Europa schweigt". Auch in der schwedischen Hauptstadt Stockholm gingen rund 200 Menschen auf die Straße und riefen "Lang lebe die PKK".

Die Türkei verhandelt derzeit mit Abdullah Öcalan, dem inhaftierten Chef der von der Europäischen Union als Terror-Organisation eingestuften PKK. Ob die Tötung mit den Gesprächen in Zusammenhang steht ist ebenso offen wie die Frage, ob die Frauen Opfer interner Streitigkeiten wurden. Die PKK kämpft seit Jahrzehnten gewaltsam für mehr Autonomie der Kurden in der Türkei.