Frankreich greift militärisch in Mali ein

Freitag, 11. Januar 2013, 19:49 Uhr
 

Paris/Bamako (Reuters) - Frankreich hat in Mali eine Militärintervention zur Unterstützung der Regierung des afrikanischen Landes im Kampf gegen islamistische Aufständische gestartet.

Nach Angaben von Außenminister Laurent Fabius flog die Luftwaffe am Freitag bereits einen Angriff. "Dieser Einsatz wird so lange dauern wie nötig", sagte Präsident Francois Hollande in Paris. Malis Regierung versucht, einen Vormarsch der Rebellen zu stoppen, die den Norden des afrikanischen Landes seit April beherrschen. Regierungen des Westens befürchten, dass sich die Region zum Rückzugsgebiet für militante Extremisten entwickeln könnte. Malis Übergangspräsident Dioncounda Traore erstellte ein Dekret zur Ausrufung des nationalen Notstand, wie ein Mitarbeiter des Staatsoberhaupts der Nachrichtenagentur Reuters sagte.

Frankreich handele im Rahmen der Resolutionen des Sicherheitsrats der Vereinten Nationen und des Völkerrechts, sagte Hollande. Die Intervention gehe auf eine Bitte Malis zurück. Die Terroristen sollten wissen, dass Frankreich immer zur Stelle sein werde, wenn die Rechte des malischen Volkes, das frei und demokratisch leben wolle, bedroht seien, sagte Hollande. Ein Sprecher des malischen Verteidigungsministeriums sagte, neben Frankreich leisteten auch Nigeria und der Senegal bereits Hilfe gegen die Aufständischen. Fabius sagte allerdings, seines Wissens sei Frankreich bislang das einzige Land, das die Regierung Malis militärisch unterstütze.

Die Rebellen hatten zuvor die strategisch wichtige Stadt Konna im Norden eingenommen. Nach Angaben von Einwohnern gingen der Eroberung der rund 600 Kilometer nordöstlich der Hauptstadt Bamako gelegenen Stadt die schwersten Kämpfe seit Beginn des Aufstandes vor neun Monaten voraus. Die malische Armee startete eine Gegenoffensive, um die Stadt zurückzuerobern. "Hubschrauber haben Rebellen-Positionen bombardiert", hieß es in Militärkreisen in Bamako. Bewohner der etwa 60 Kilometer südlich von Konna gelegenen Garnisonsstadt Sevare berichteten über die Ankunft von Militär-Hubschraubern und Verstärkungstruppen, die sich an der Gegenoffensive beteiligten.

Ein Sprecher einer Rebellengruppe erklärte, in den kommenden Tagen wollten die Rebellen auf Sevare und die nahe gelegene Stadt Mopti vorstoßen. In Sevare brach nach dem Fall Konnas Panik aus, Hilfsorganisationen zogen ihre Mitarbeiter aus der Stadt ab. Anwohner berichteten über die Ankunft ausländischer Soldaten am Flughafen von Sevare. Die fremden Truppen hätten geholfen, die Menschen zu beruhigen. In deutschen Regierungskreisen hieß es, es seien keine deutschen Soldaten am Ort des Geschehens.

Der UN-Sicherheitsrat bezeichnete die Entwicklung nach einer Dringlichkeitssitzung als ernsthafte Verschlechterung der Sicherheitslage, die die Einheit des Landes bedrohe. Das Gremium war auf Antrag Frankreichs zusammengekommen, das noch aus der Kolonialzeit enge Verbindungen nach Afrika unterhält und dort wirtschaftliche Interessen verfolgt.

Der Norden Malis wird seit April von Islamisten beherrscht. Der Aufstand ging von Tuareg-Rebellen aus, die aber von besser ausgerüsteten Islamisten und Al-Kaida-Kämpfern verdrängt wurden. Der UN-Sicherheitsrat hatte Mitte Dezember grünes Licht für die Entsendung einer von Europa unterstützten afrikanischen Truppe gegeben. Die Bundesregierung zeigte sich offen für eine Beteiligung deutscher Soldaten an der Ausbildung der malischen Armee, schloss einen Kampfeinsatz jedoch aus.

Bundesaußenminister Guido Westerwelle forderte die radikalen Rebellengruppen auf, ihre "Angriffe auf die Integrität des malischen Staates" einzustellen. Frankreich handele auf der Grundlage des Völkerrechts, erklärte er in Berlin. Die europäischen Planungen über eine mögliche künftige Ausbildungsmission blieben unberührt.