Frankreich treibt Einsatz gegen Rebellen in Mali voran

Sonntag, 13. Januar 2013, 16:05 Uhr
 

Bamako/Paris/Berlin (Reuters) - Mit wachsendem Rückhalt aus dem Ausland hat Frankreich am Wochenende seinen Militäreinsatz gegen Islamisten im westafrikanischen Mali vorangetrieben.

Großbritannien bot der Pariser Regierung logistische Hilfe an, und auch die US-Regierung erwägt eine derartige Unterstützung. Am Sonntag flogen Kampfflugzeuge der französischen Luftwaffe den dritten Tag in Folge Angriffe auf Stellungen Al-Kaida-naher Rebellen, die an ihrem Vormarsch auf die Hauptstadt Bamako gehindert werden sollen. Dorthin entsandte Frankreich weitere Soldaten. Dem Militär Malis zufolge wurden seit Beginn des Einsatzes mehr als 100 Aufständische getötet. Zum Schutz vor Racheakten erhöhte Frankreich die Sicherheitsvorkehrungen im Inland.

Der britische Premierminister David Cameron bot Frankreichs Präsident Francois Hollande einem Sprecher zufolge die Entsendung zweier großer Transportflugzeuge an. Beide Politiker seien sich darin einig gewesen, dass die afrikanischen Staaten und ihre internationalen Partner eng zusammenarbeiten müssten, um die Entstehung eines neuen Rückzugsgebiets für Terroristen zu verhindern. Mit Blick auf Signale der Unterstützung aus Washington hieß es in der Pariser Regierung, US-Aufklärungsdrohnen könnten bei der Überwachung des Nordens von Mali eine wichtige Hilfe sein. Bis Montag will auch das afrikanische Regionalbündnis Ecowas 3300 Soldaten schicken.

WESTERWELLE: EINSATZ DEUTSCHER KAMPFTRUPPEN STEHT NICHT AN

Bundesaußenminister Guido Westerwelle begrüßte die Fortschritte, die das Militär in Mali beim Kampf gegen die Rebellen mit Frankreichs Unterstützung erzielt habe. Es sei richtig gewesen, dass die Regierung in Paris dem Hilfsersuchen der malischen Regierung gefolgt sei. "Ein Einsatz deutscher Kampftruppen steht nicht zur Debatte", erklärte Westerwelle. Auch Verteidigungsminister Thomas de Maiziere bezeichnete das Eingreifen als "konsequent und richtig". "Frankreich hat unsere volle politische Unterstützung", sagte er laut Vorabmeldung der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" (Montagausgabe).

Am Sonntag nahmen französische Kampfflugzeuge Bewohnern zufolge die im Norden gelegene Stadt Gao ins Visier, die als Hochburg der Aufständischen gilt. Zahlreiche Kämpfer hätten den Rückzug dorthin angetreten, im örtlichen Krankenhaus gebe es viele Tote und Verletzte. Im Zuge der Schlacht um die strategisch wichtige Stadt Konna im Norden seien zuvor mehr als 100 Rebellen ums Leben gekommen, sagte ein Offizier. Mit Frankreichs Unterstützung eroberten Regierungstruppen Konna zurück, das erst am Vortag an die Aufständischen gefallen war.

EINWOHNER BAMAKOS SCHMÜCKEN AUTOS MIT FRANZÖSISCHEN FLAGGEN

Der französische Verteidigungsminister Jean-Yves Le Drian kündigte weitere Angriffe an und erklärte, mit einem neuen Kontingent aus 80 Soldaten seien nun 550 französische Soldaten in Mali. In Bamako feierten zahlreiche Einwohner das Vorgehen der ehemaligen Kolonialmacht, französische Fahnen wehten an mehreren Autos. Frankreich musste allerdings gleich am ersten Tag das erste Todesopfer verkraften: Ein Pilot sei am Freitag beim Abschuss seines Hubschraubers gestorben, sagt Le Drian. Ebenfalls am Freitag wurden mehrere Franzosen bei dem Versuch des Militärs getötet, in Somalia einen Geheimagenten aus der Gewalt von Islamisten zu befreien.

Das afrikanische Regionalbündnis Ecowas berief für Samstag eine Sondersitzung zu Mali ein. Die Allianz hatte sich seit Monaten um internationale Unterstützung für einen Einsatz unter UN-Mandat bemüht, um die seit April andauernde Herrschaft der Islamisten im Norden des Landes zu brechen. Diese haben in dem eher moderat islamistischen Land eine äußerst strenge Auslegung des religiösen Gesetzes des Islam, der Scharia, eingeführt. Frankreich hat seine rund 6000 in Mali lebenden Staatsbürger zur Ausreise aufgefordert und im Inland die Sicherheits-Checks öffentlicher Gebäude, von Flughäfen und Bahnhöfen verschärft.

 
A British Islamist protests outside the French Embassy in London January 12, 2013. French aircraft pounded Islamist fighters in Mali for a second day on Saturday and neighbouring states accelerated plans to send in troops in an international campaign to crush the rebels. REUTERS/Suzanne Plunkett (BRITAIN - Tags: POLITICS SOCIETY)