Frankreich treibt Einsatz gegen Islamisten in Mali voran

Montag, 14. Januar 2013, 08:51 Uhr
 

Bamako/Paris/Berlin (Reuters) - Mit wachsendem Rückhalt aus dem Ausland hat Frankreich am Wochenende seinen Militäreinsatz gegen Al-Kaida nahe Islamisten im westafrikanischen Mali vorangetrieben.

Großbritannien bot Paris logistische Hilfe an, auch die US-Regierung erwägt eine solche Unterstützung. Am Sonntag flogen französische Kampfjets den dritten Tag in Folge Angriffe auf Stellungen von Rebellen, die am Vormarsch auf die Hauptstadt Bamako gehindert werden sollen. Dorthin entsandte Frankreich weitere Soldaten. Dem Militär Malis zufolge wurden seit Beginn des Einsatzes mehr als 100 Aufständische getötet. Zum Schutz vor Racheakten erhöhte Frankreich die Sicherheitsvorkehrungen im Inland.

Der britische Premierminister David Cameron bot Frankreichs Präsident Francois Hollande die Entsendung zweier großer Transportflugzeuge an. Beide Politiker seien sich einig gewesen, dass die afrikanischen Staaten und ihre internationalen Partner eng zusammenarbeiten müssten, um die Entstehung eines neuen Rückzugsgebiets für Terroristen zu verhindern, sagte ein Sprecher Camerons. Mit Blick auf Signale zur Unterstützung aus den USA hieß es in Paris, US-Aufklärungsdrohnen könnten bei der Überwachung von Malis Norden eine wichtige Hilfe sein. Das afrikanische Regionalbündnis Ecowas will in diesen Tagen 3300 Soldaten schicken.

WESTERWELLE: EINSATZ DEUTSCHER KAMPFTRUPPEN STEHT NICHT AN

Bundesaußenminister Guido Westerwelle erklärte, er begrüße die Fortschritte, die das malische Militär beim Kampf gegen die Rebellen mit Frankreichs Unterstützung erzielt habe. Es sei richtig gewesen, dass die Regierung in Paris dem Hilfsersuchen der malischen Regierung gefolgt sei. Ein Einsatz deutscher Kampftruppen stehe aber nicht zur Debatte. Verteidigungsminister Thomas de Maiziere bezeichnete das Eingreifen als "konsequent und richtig". "Frankreich hat unsere volle politische Unterstützung", sagte er laut Vorabmeldung der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" (Montagausgabe).

Am Sonntag nahmen französische Kampfflugzeuge Bewohnern zufolge die im Norden gelegene Stadt Gao ins Visier, die als Hochburg der Aufständischen gilt. Zahlreiche Kämpfer hätten den Rückzug dorthin angetreten, im örtlichen Krankenhaus gebe es viele Tote und Verletzte. Im Zuge der Schlacht um die strategisch wichtige Stadt Konna im Norden seien zuvor mehr als 100 Rebellen ums Leben gekommen, sagte ein Offizier. Human Rights Watch erklärte, bein den Kämpfen seien auch mindestens elf Zivilisten getötet worden, darunter drei Kinder. Die Regierungstruppen hatten mit Frankreichs Unterstützung Konna zurückerobert, das erst am Tag zuvor an die Rebellen gefallen war.

EINWOHNER BAMAKOS SCHMÜCKEN AUTOS MIT FRANZÖSISCHEN FLAGGEN

Der französische Verteidigungsminister Jean-Yves Le Drian kündigte weitere Angriffe an und erklärte, mit einem neuen Kontingent aus 80 Soldaten seien nun 550 französische Militärs in Mali. "Der Präsident ist fest entschlossen, dass wir diese Terroristen auslöschen müssen, die die Sicherheit in Mali, in unserem eigenen land und in Europa bedrohen", sagte er im französischen Fernsehen.

In Bamako feierten zahlreiche Einwohner das Vorgehen der ehemaligen Kolonialmacht, französische Fahnen wehten an mehreren Autos. Frankreich musste aber gleich am ersten Tag einen Verlust verkraften: Ein Pilot sei am Freitag beim Abschuss seines Hubschraubers ums Leben gekommen. sagt Le Drian. Ebenfalls am Freitag wurden mehrere Franzosen bei dem Versuch des Militärs getötet, in Somalia einen Geheimagenten aus der Gewalt von Islamisten zu befreien.

Das afrikanische Regionalbündnis Ecowas berief für Samstag eine Sondersitzung zu Mali ein. Die Allianz hatte sich seit Monaten um internationale Unterstützung für einen Einsatz unter UN-Mandat bemüht, um die seit April andauernde Herrschaft der Islamisten im Norden des Landes zu brechen. Diese haben in dem eher moderat islamistischen Land eine äußerst strenge Auslegung des religiösen Gesetzes des Islam, der Scharia, eingeführt. Frankreich hat seine rund 6000 in Mali lebenden Staatsbürger zur Ausreise aufgefordert und im Inland die Sicherheits-Checks öffentlicher Gebäude, von Flughäfen und Bahnhöfen verschärft.

 
A police officer and firemen walk at the scene of a fire at Ngolonina market in the Malian capital of Bamako, January 12, 2013. The fire was started after an accident at a gasoline depot. REUTERS/Joe Penney (MALI - Tags: DISASTER)