UPS bläst TNT-Kauf ab - Post als lachender Dritter?

Montag, 14. Januar 2013, 16:33 Uhr
 

Amsterdam/Düsseldorf (Reuters) - Eine der größten Übernahmen in der Geschichte der Logistik-Branche ist geplatzt:

Der US-Paketzusteller UPS will wegen des Widerstands der EU-Wettbewerbshüter seine 5,2 Milliarden Euro schwere Offerte für den niederländischen Konkurrenten TNT Express zurückziehen. Gewinner könnte Experten zufolge die Deutsche Post sein, der nun nicht mehr stärkere Konkurrenz durch UPS in Europa droht. Am Amsterdamer Aktienmarkt flohen TNT-Anleger am Montag panisch aus der Aktie. Das Unternehmen verlor zeitweise über zwei Milliarden Euro an Börsenwert.

TNT Express teilte mit, Experten der EU-Kommission hätten die Fusionspartner bei einem Treffen am Freitag wissen lassen, dass sie die Übernahmepläne ungeachtet von Zugeständnissen der Unternehmen untersagen wollten. Der weltgrößte Paketdienst UPS verfolgt die Pläne daher nun nicht mehr weiter. EU-Wettbewerbskommissar Joaquin Almunia hatte zuletzt deutlich gemacht, die mit einer Fusion verbundenen Probleme seien "nicht leicht" zu lösen. Vor allem Überschneidungen im Geschäft der beiden Paketriesen in einzelnen europäischen Ländern hatten den Wettbewerbshütern Bauchschmerzen bereitet.

EXPERTEN: POST-TOCHTER DHL KÖNNTE PROFITIEREN

UPS muss TNT Express nun für das Aus entschädigen. Der US-Konzern wird TNT nach eigener Auskunft für den Abbruch der Transaktion eine Gebühr von 200 Millionen Euro zahlen. Auch strategisch bedeutet die gescheiterte Übernahme für UPS einen empfindlichen Rückschlag. Es werde nun sehr hart für das amerikanische Unternehmen, seine Marktposition in Europa aus eigner Kraft auszubauen, betonten Analysten der Rabobank. Für die Deutsche Post und ihren Expressdienst DHL dagegen könnten sich Vorteile ergeben, erklärten Experten der DZ Bank. TNT Express sei im globalen Wettbewerb der schwächste Konkurrent. Ohne einen starken Partner würden die Niederländer möglicherweise sogar vom Markt gedrängt. Post-Finanzchef Larry Rosen machte auf einer Konferenz in New York deutlich, dass er auf weiteres Wachstum im Paket- und Expressgeschäft setzt.

UPS hatte die Übernahme von TNT Express vor einem knappen Jahr angekündigt - und sich damals zuversichtlich gezeigt, dass die Transaktion nicht am Widerstand der Wettbewerbshüter scheitert. Entstehen sollte ein weltweit agierender Gigant mit einem Umsatz von über 45 Milliarden Euro. Zum Vergleich: Die Deutsche Post hatte 2011 abseits des Briefgeschäfts einen Umsatz von rund 39 Milliarden Euro erwirtschaftet. Knapp 400.000 Beschäftigte zählt der US-Konzern weltweit, bei TNT sind es rund 77.000. "Wir schmieden einen Weltmarktführer", kündigte UPS-Finanzchef Kurt Kuehn damals an.

UPS "AUSSERORDENTLICH ENTTÄUSCHT" - WAS MACHT NUN FEDEX?

Doch die Pläne haben sich zerschlagen. "Wir sind angesichts der Position der EU-Kommission außerordentlich enttäuscht", erklärte nun UPS-Chef Scott Davis. Der US-Konzern wolle aber auch ohne TNT Express wachsen. UPS habe die Finanzkraft, auch andere Gelegenheiten zu ergreifen. TNT Express reagierte ebenfalls enttäuscht. Das Management kündigte neue Maßnahmen zur Steigerung der Profitabilität an. TNT-Express-Großaktionär PostNL sucht den Ausstieg. Die Beteiligung solle mittelfristig zu Geld gemacht werden. Zuvor wolle PostNL jedoch abwarten, bis sich die Lage bei TNT Express wieder stabilisiere.

Unklar blieb zunächst, wie der US-Konkurrent FedEx auf das Scheitern der UPS-Pläne reagiert. Ein FedEx-Sprecher wollte sich dazu nicht äußern. Die Nummer zwei am US-Markt galt in der Vergangenheit als möglicher Käufer von TNT Express.

 
A courier van of UPS is seen in front of the head office of TNT in Hoofddorp, the Netherlands March 19, 2012. REUTERS/Robin van Lonkhuijsen/United Photos (NETHERLANDS - Tags: BUSINESS SOCIETY TRANSPORT)