Islamisten drohen Frankreich mit langem Krieg in Mali

Montag, 14. Januar 2013, 17:57 Uhr
 

Bamako/Paris (Reuters) - In Mali haben die Islamisten eine Offensive gestartet und drohen Frankreich wegen dessen Militärintervention mit Vergeltung.

Die Regierung in Paris habe das "Tor zur Hölle" aufgestoßen, sagte ein Sprecher der Al-Kaida-nahen Extremisten am Montag und drohte Frankreich mit einem langen Krieg wie in Afghanistan. Nach schweren Gefechten eroberten die Rebellen französischen Angaben zufolge die Stadt Diabaly. Vor einer Sitzung des UN-Sicherheitsrates signalisierten westliche Staaten Unterstützung für Frankreich, das Hunderte Soldaten in seine frühere Kolonie entsandt hat. Deutschland will sich zwar nicht an den Kampfhandlungen beteiligen, prüft aber eine anderweitige Hilfe für den EU-Partner.

Bundesaußenminister Guido Westerwelle erklärte, bei der deutschen Hilfe könnte es sich um medizinische, logistische und humanitäre Unterstützung handeln. Dafür signalisierte auch die SPD ihre grundsätzliche Zustimmung. Die EU schloss eine Beteiligung an den Kampfhandlungen aus. Allerdings solle die Entsendung von Ausbildern für die malischen Streitkräfte beschleunigt werden, sagte ein EU-Sprecher. Der Nato lag nach Angaben einer Sprecherin am Montag kein Antrag auf Unterstützung von Frankreich vor. Die USA wollen Regierungskreisen zufolge Geheimdienstinformationen zuliefern und erwägen die Entsendung unbewaffneter Überwachungsdrohnen.

Im September soll eine mit westlicher Hilfe aufgestellte afrikanische Interventionstruppe die islamistischen Rebellen aus dem Norden Malis vertreiben - diese Pläne wirbelt Frankreich mit dem überraschenden Einsatz nun durcheinander. Unter dem Druck der Franzosen kündigten mehrere afrikanische Länder an, noch in dieser Woche Bodentruppen nach Mali zu entsenden. Militärexperten warnen, sollte auf das französische Handeln keine Entsendung von Soldaten des westafrikanischen Regionalbündnis Ecowas in deutlichem Umfang folgen, sei ein Erfolg ungewiss. Dabei müsste die Nato auch logistisch und finanziell helfen.

ISLAMISTEN: "FRANKREICH IST IN FALLE GETAPPT"

Die Extremisten wollen Frankreich offenbar in einem langwierigen Konflikt ziehen. Die Regierung sei in eine Falle getappt, die weit gefährlicher als der Irak, Afghanistan und Somalia sei, sagte ein Sprecher der Gruppe Mujwa dem Rundfunksender "Europe 1". Mit den Drohungen reagieren die Islamisten auf die Luftangriffe auf Ausbildungslager der Aufständischen im Norden. Dabei kamen Dutzende Rebellen ums Leben. Auch am Montag flogen französische Flugzeuge Angriffe. Nach Darstellung Frankreichs war der Militäreinsatz nötig, um den Vormarsch der Islamisten zu stoppen. Die Hauptstadt Bamako wäre ansonsten längst in den Händen der Rebellen, sagte der französische Verteidigungsminister Jean-Yves Le Drian dem TV-Sender BFM.

In der Landesmitte lieferten sich französische und malische Soldaten am Montag Gefechte mit den Rebellen. Die Lage in der Gegend nahe der Grenze zu Mauretanien bleibe schwierig, räumte Le Drian ein. Die Islamisten kontrollieren den dünn besiedelten Norden des afrikanischen Landes, der etwa so groß wie Frankreich ist. Mali hatte sich nach mehr als 20 Jahren friedlicher Wahlen einen Namen als Bollwerk der Demokratie im Westen Afrikas gemacht. Das Bild bekam jedoch tiefe Risse, als die islamistischen Rebellen das Machtvakuum nach einem Militärputsch nutzten. Befürchtet wird, dass sie ihre Stellungen im Norden als Ausgangsbasis für Angriffe auf den Westen sowie für die Zusammenarbeit mit Al-Kaida im Jemen, Somalia und Nordafrika nutzen könnten.

 
French Defence Minister Jean-Yves Le Drian leaves the Elysee Palace in Paris following a meeting on the situation in Mali, January 14, 2013. Al Qaeda-linked Islamist rebels in Mali launched a counter-offensive on Monday after three days of strikes by French fighter jets on their strongholds in the desert north, vowing to drag France into a long and brutal ground war. REUTERS/Philippe Wojazer (FRANCE - Tags: POLITICS)