Islamisten drohen Frankreich mit langem Krieg in Mali

Montag, 14. Januar 2013, 18:58 Uhr
 

Bamako/Paris (Reuters) - In Mali haben die Islamisten eine Offensive gestartet und drohen Frankreich nach dessen Militärintervention mit Vergeltung.

Die Regierung in Paris habe das "Tor zur Hölle" aufgestoßen, sagte ein Sprecher der Al-Kaida-nahen Extremisten am Montag. Frankreich stehe vor einem langen Krieg wie in Afghanistan. Die Rebellen griffen zu Wochenbeginn deutlich südlich der bisherigen Front an und brachten die Stadt Diabaly unter ihre Kontrolle. Vor einer Sitzung des UN-Sicherheitsrates signalisierten westliche Staaten Unterstützung für Frankreich, das Hunderte Soldaten in seine frühere Kolonie entsandt hat. Deutschland will sich zwar nicht an den Kampfhandlungen beteiligen, prüft aber eine anderweitige Hilfe für den EU-Partner.

Bundesaußenminister Guido Westerwelle erklärte, bei der deutschen Hilfe könnte es sich um medizinische, logistische und humanitäre Unterstützung handeln. Dafür signalisierte auch die SPD ihre grundsätzliche Zustimmung. Die EU schloss eine Beteiligung an den Kampfhandlungen aus. Allerdings solle die Entsendung von Ausbildern für die malischen Streitkräfte beschleunigt werden, sagte ein EU-Sprecher. Die EU-Außenminister sollten noch in dieser Woche bei einem Sondertreffen über die Lage beraten.

Mit der "Operation Serval" (zu deutsch Buschkatze) will Frankreich nach den Worten von Präsident Francois Hollande das westafrikanische Regionalbündnis Ecowas unterstützen, das ein UN-Mandat für einen Militäreinsatz hat. Doch die Franzosen wirbeln diese Pläne mit ihrem überraschend schnellen Einsatz durcheinander. Unter dem Druck aus Paris kündigten mehrere afrikanische Länder an, noch in dieser Woche Bodentruppen nach Mali zu entsenden. Militärexperten warnen, sollte auf das französische Handeln keine Entsendung von Ecowas-Soldaten in deutlichem Umfang folgen, sei ein Erfolg ungewiss.

ISLAMISTEN: "FRANKREICH IST IN FALLE GETAPPT"

Die Extremisten wollen Frankreich offenbar in einem langwierigen Konflikt ziehen. Die Regierung sei in eine Falle getappt, die weit gefährlicher als der Irak, Afghanistan und Somalia sei, sagte ein Sprecher der Gruppe Mujwa dem Rundfunksender "Europe 1". Mit den Drohungen reagieren die Islamisten auf die Luftangriffe der Franzosen, die auch am Montag andauerten. Verteidigungsminister Jean-Yves Le Drian sagte dem TV-Sender BFM, die Gegenoffensive in dem Ort Diabaly sei nicht überraschend gekommen: "Im Westen (Malis) sind die entschlossensten, am besten organisiertesten und fanatischsten Elemente". Nach Darstellung Frankreichs war der Militäreinsatz nötig, um den Vormarsch der Islamisten zu stoppen. Die Hauptstadt Bamako wäre ansonsten längst in den Händen der Rebellen, sagte Le Drian.

Die Islamisten kontrollieren den dünn besiedelten Norden des afrikanischen Landes, der etwa so groß wie Frankreich ist. Mali hatte sich nach mehr als 20 Jahren friedlicher Wahlen einen Namen als Bollwerk der Demokratie im Westen Afrikas gemacht. Das Bild bekam jedoch tiefe Risse, als die islamistischen Rebellen das Machtvakuum nach einem Militärputsch nutzten. Befürchtet wird, dass sie ihre Stellungen im Norden als Ausgangsbasis für Angriffe auf den Westen sowie für die Zusammenarbeit mit Al-Kaida im Jemen, Somalia und Nordafrika nutzen könnten.

- von Alexandria Sage und Bate Felix

 
French Defence Minister Jean-Yves Le Drian leaves the Elysee Palace in Paris following a meeting on the situation in Mali, January 14, 2013. Al Qaeda-linked Islamist rebels in Mali launched a counter-offensive on Monday after three days of strikes by French fighter jets on their strongholds in the desert north, vowing to drag France into a long and brutal ground war. REUTERS/Philippe Wojazer (FRANCE - Tags: POLITICS)