Allianz steckt "Sandy"-Sturmschäden locker weg

Dienstag, 15. Januar 2013, 13:24 Uhr
 

München (Reuters) - Die deutschen Versicherer und Rückversicherer kommen beim Hurrikan "Sandy" glimpflich davon.

Die Allianz, der größte europäische Versicherungskonzern, bezifferte seine Schadenbilanz am Dienstag auf 455 Millionen Euro. Das passt locker in das Budget, das der Münchener Versicherer 2012 für Großschäden veranschlagt hatte. Von den 1,2 Milliarden Euro waren nach dem dritten Quartal erst rund 300 Millionen Euro aufgebraucht. "Trotz der Auswirkungen von Sandy erwarten wir weiterhin ein operatives Ergebnis von mehr als neun Milliarden Euro", bekräftigte Vorstandsmitglied Dieter Wemmer.

"Sandy" war im Oktober über Nordamerika hinweggefegt und hatte vor allem im Nordosten der USA in der Region New York verheerende Schäden angerichtet. Experten aus der Branche schätzen die Schäden weltweit auf 50 Milliarden Dollar (38 Milliarden Euro), für die Hälfte davon müssen Versicherer geradestehen. Es war mit Abstand die teuerste Naturkatastrophe in einem ansonsten schadenarmen Jahr 2012 und der zweitteuerste Sturm überhaupt nach "Katrina" 2005.

Für die großen Versicherer und Rückversicherer aus Deutschland überschreiten die Schäden die Milliardenschwelle: Die Münchener Rück hatte ihre Kosten früh auf einen mittleren dreistelligen Millionen-Euro-Betrag beziffert, genaue Zahlen liegen noch nicht vor. Talanx und deren große Rückversicherungstochter Hannover Rück - die Nummer vier weltweit - haben zusammen 306 Millionen Euro zu schlucken.

Mit Ausnahme der Münchener Rück sind die deutschen Konzerne auf den europäischen Markt ausgerichtet. Erstversicherer wie die Allianz haben große Teile der drohenden Zahlungsverpflichtungen aus Naturkatastrophen über Rückversicherer abgesichert. Sie müssen nun höhere Prämien zahlen, um diesen Schutz nicht zu verlieren.

Große ausländische Versicherer im Ausland trifft "Sandy" weit härter: Der US-Versicherungsriese AIG hatte seine Schäden auf 1,3 Milliarden Dollar beziffert - so viel wie die drei größten deutschen Konzerne zusammen. Swiss Re hatte eine Zahl von 900 Millionen Dollar genannt. Der Londoner Versicherungsmarkt Lloyds, auf dem rund 80 Syndikate im Wettbewerb stehen, rechnet mit bis zu 2,5 Milliarden Dollar; das wäre der drittgrößte Schaden in seiner 324-jährigen Geschichte.

Die Münchener Rück hatte Anfang des Jahres Alarm geschlagen. Metropolen wie New York, wo der Wirbelsturm im Oktober das Leben tagelang lahmgelegt hatte, könnten und müssten künftig besser vor den Folgen von Wetterkatastrophen und Sturmfluten geschützt werden, forderte Vorstandsmitglied Torsten Jeworrek. "Dies wäre volkswirtschaftlich sinnvoll, und Versicherer könnten eine geringere Schadenanfälligkeit auch bei der Preisgestaltung berücksichtigen." Der Anstieg des Meeresspiegels im Klimawandel verschärfe die Gefahr von Sturmfluten. Dagegen müssten sich diese Regionen schützen.

 
The remains of houses destroyed during Hurricane Sandy are seen in the Rockaways area of New York's borough of Queens, January 14, 2013. REUTERS/Brendan McDermid (UNITED STATESENVIRONMENT DISASTER - Tags: ENVIRONMENT DISASTER POLITICS)