Air-Berlin-Sparkurs erreicht Mitarbeiter -900 Jobs weg

Dienstag, 15. Januar 2013, 16:50 Uhr
 

Frankfurt (Reuters) - Jobkahlschlag bei Air Berlin: Eine Woche nach seinem Amtsantritt macht der neue Airline-Chef Wolfgang Prock-Schauer ernst und streicht jede zehnte Stelle.

Insgesamt sollten rund 900 Arbeitsplätze wegfallen, betriebsbedingte Kündigungen seien nicht ausgeschlossen, teilte Deutschlands zweitgrößte Fluglinie am Dienstag mit. Die Gespräche mit den Arbeitnehmervertretern seien eingeleitet und hätten in den nächsten Monaten höchste Priorität. Betroffen seien Mitarbeiter in allen Unternehmensbereichen - sowohl Piloten und Flugbegleiter als auch die Angestellten am Boden und in der Verwaltung, sagte ein Konzern-Sprecher. Bis Ende 2014 will die Airline mit 9300 Mitarbeitern, die seit Jahren rote Zahlen schreibt, insgesamt die Kosten um 400 Millionen Euro senken. Ziel sei es, Air Berlin "profitabel und somit nachhaltig zukunftsfähig zu machen."

Ex-Konzernlenker Hartmut Mehdorn hatte den verschärften Sparkurs bereits im November angekündigt, jedoch keine Details genannt. Nach einer übereilten Expansion und hohen Verlusten befindet sich Air Berlin schon seit einiger Zeit in einer harten Sanierung. Zuletzt hatte die Airline 2007 einen Jahresüberschuss eingeflogen. Mehdorn musste im Herbst eingestehen, dass Air Berlin ohne ein weiteres Schrumpfprogramm nicht flottzukriegen sei. Er hatte bereits das Streckennetz zusammengestrichen und der Verkauf überflüssiger Flugzeuge angestoßen. Die Maßnahmen sollten die Kosten 2012 um 230 Millionen Euro drücken.

Wichtigster Coup war aber die Rettung durch Etihad: Mehdorn hatte die kapitalkräftige Airline Ende 2011 an Bord geholt - das Unternehmen aus dem Golf-Emirat Abu Dhabi stieg mit knapp 30 Prozent bei Air Berlin ein und half seitdem mit mehr oder weniger direkten Finanzspritzen aus. Vorige Woche hatte der 70-jährige Mehdorn aber auf Druck des Großaktionärs die Flinte ins Korn geworfen und seinen Hut genommen. Richtig bekannt wurde Mehdorn als Chef der Bahn - er führte das Staatsunternehmen fast zehn Jahre lang.

SANIERER SETZT AUF "TURBINE"

Sein Nachfolger im Cockpit von Air Berlin ist Prock-Schauer, der bei der Fluglinie zuvor die Streckenplanung verantwortete. Der 56-jährige Österreicher, der erst im Herbst anheuerte, soll das harte neue Sparprogramm "Turbine" nun durchboxen. Air Berlin will sich auf seine Kernmärkte Deutschland, Österreich und die Schweiz und profitable Strecken konzentrieren. Die Drehkreuze Berlin und Düsseldorf sollten ausgebaut und die Zahl der Flüge nach Mallorca erhöht werden. An anderer Stelle stehen Kürzungen an. "Das auf zwei Jahre angelegte Programm geht über alle Unternehmensbereiche hinweg", hieß es in der Mitteilung. Weitere Einschnitte macht Air Berlin bei seiner Flotte: Die Zahl der Flugzeug solle im Vergleich zu Ende September um 16 auf 142 sinken. Auf dem Hochpunkt seiner Expansionsstrategie zählte der Lufthansa-Konkurrent knapp 180 Maschinen.

Airline-Analyst Jürgen Pieper von Metzler Equities gibt dem neuesten Sparbeschluss keine guten Noten. "Es ist das x-te Programm, das Air Berlin auflegt." Das Management drehe immer weiter an den gleichen Schrauben. Der Beweis, dass die Maßnahmen auch wirkten und eine nachhaltige Trendwende geschafft werde, stehe noch aus. Ein weiteres Problem sei die immer wieder verschobene Eröffnung des neuen Berliner Flughafens. "Berlin ist für die Airline zentral - solange der neue Flughafen nicht in Gang kommt, bleibt es sehr schwierig", sagte er.

An der Börse haben sich die Anleger offenbar an Nachrichten zu Sparmaßnahmen bei Air Berlin gewöhnt: Die im Kleinwertesegment SDax gelisteten Aktien lagen 0,6 Prozent im Plus bei 1,71 Euro.

 
A plane of the French carrier Air France passes a plane of the German carrier Air Berlin during take-off at Tegel Airport in Berlin October 8, 2012. REUTERS/Thomas Peter