SAP kann Rekordumsatz nicht in Rendite ummünzen

Dienstag, 15. Januar 2013, 15:19 Uhr
 

Stuttgart (Reuters) - Software von SAP bleibt auch in der Krise weltweit gefragt:

Der Weltmarktführer für Firmen-Software verbuchte im abgelaufenen Jahr mit einem Erlösplus von 16 Prozent einen Rekordumsatz von 16,2 Milliarden Euro und profitierte dabei auch von der jüngsten Expansion in das Datenbankgeschäft und in Cloud-Software. Doch sowohl der erbitterte Konkurrenzkampf mit Oracle um die Unternehmenskunden als auch Investitionen in die neuen Geschäftsfelder ließen bei Europas größtem Softwarehaus die Rendite bröckeln, wie SAP am Dienstag in Walldorf mitteilte. Nach dem kräftigem Ausbau der Belegschaft auf rund 65.000 Mitarbeiter verfehlte SAP sein selbstgestecktes Gewinnziel, die operative Marge sackte um 1,1 Prozentpunkte ab.

"2012 war ein herausragendes Jahr, in dem wir viele neue Rekorde erzielt haben", zogen die beiden Vorstandssprecher Bill McDermott und Jim Hagemann Snabe Bilanz. Das Wachstum mit prozentual zweistelligen Wachstumsraten haben angehalten - das zwölfte Quartal in Folge, wie Finanzchef Werner Brandt sagte. SAP sei "bestens aufgestellt", um die Dynamik auch im laufenden Jahr zu halten.

AKTIE RAUSCHT IN DEN KELLER

An der Börse verfing die Euphorie des Vorstands hingegen nicht. Bei den Investoren standen die SAP-Aktien nach der vorzeitigen Bekanntgabe der Geschäftszahlen für das vergangene Jahr auf der Verkaufsliste. "Sell on good news", sagte ein Händler. "Die Zahlen sind ja nicht schlecht, aber sie verfehlen den Konsens", sagte ein anderer Börsianer. Nach guten Geschäftszahlen vom schärfsten Konkurrenten Oracle hätten einige Investoren wohl auf ein besseres Zahlenwerk gehofft. SAP-Aktien brachen bei hohen Umsätzen um knapp fünf Prozent ein und markierten mit 58 Euro ein Zwei-Monats-Tief.

Denn trotz der weltweit brummenden Software-Verkäufe musste SAP Abstriche bei der operativen Marge machen: Das um Wechselkurseffekte und Sonderposten bereinigte Betriebsergebnis kletterte 2012 lediglich um sechs Prozent auf 5,02 Milliarden Euro - und damit langsamer als die Erlöse aus dem Verkauf von Software-Lizenzen und -Wartungsverträgen. Diese legten ohne Berücksichtigung der Wechselkurse um 13 Prozent auf 13,25 Milliarden Euro zu, etwas stärker als von SAP selbst noch Ende Oktober in Aussicht gestellt. Die Gewinnspanne von 5,05 bis 5,25 Milliarden Euro verfehlte das 1972 von mehreren IBM-Managern gegründete Unternehmen jedoch leicht.

NEUES PERSONAL KOSTET

"Wir haben stark in Schlüsselinnovationen investiert und gleichzeitig unsere Vertriebsaktivitäten weiter ausgebaut", rechtfertige Finanzvorstand Brandt den anhaltenden Druck auf die operative Marge, die auf 31,9 Prozent (Vorjahr: 33 Prozent) nachgab. Damit entfernten sich die Walldorfer von ihrem Mittelfristziel einer operativen Marge von 35 Prozent. Vor allem der Beschäftigungsaufbau dürfte 2012 viel Geld gekostet haben: Weltweit stockte SAP die Belegschaft im vergangenen Jahr um knapp 8700 Mitarbeiter auf, gut 4800 kamen durch die Übernahme des unprofitablen Cloud-Software-Entwicklers SuccessFactors sowie der Internet-Beschaffungsplattform Ariba hinzu. Die Ausgaben in neue Produkte und Beschäftigte seien nötig, schrieb die DZ Bank in einem Kommentar.

Das stärkste Wachstum beim Software-Verkauf verzeichnete SAP im vergangenen Jahr in der Region Asien-Pazifik mit einem Erlösplus um 17 Prozent. In der größten Verkaufsregion Europa, Nahost und Afrika verbuchte der Konzern trotz der Wirtschaftsflaute ein Plus von sieben Prozent, auf dem amerikanischen Kontinent von elf Prozent. Weitere Details zum Geschäftsverlauf und einen Ausblick für das laufende Jahr will SAP am 23. Januar bei der Jahrespressekonferenz bekanntgeben.