Frankreich weitet Mali-Einsatz aus

Mittwoch, 16. Januar 2013, 08:04 Uhr
 

Bamako (Reuters) - Frankreich hat seine Militärintervention in Mali ausgeweitet und damit die Nachbarstaaten des westafrikanischen Landes unter Zugzwang gesetzt.

Während die Luftwaffe am Dienstag erneut Stellungen der Rebellen im Norden bombardierte, trafen in der Hauptstadt Bamako gepanzerte Militärfahrzeuge der Franzosen ein. Sie sollen sich vermutlich demnächst auf den Weg Richtung Norden machen, der von Islamisten kontrolliert wird. Präsident Francois Hollande erklärte, die französischen Streitkräfte würden Mali wieder verlassen, wenn dort stabile Verhältnisse herrschten. In Deutschland wurde darüber diskutiert, wie eine konkrete Unterstützung aussehen könnte. Bundeskanzlerin Angela Merkel rechtfertigte die begrenzte Hilfe Deutschlands.

Frankreich will die anvisierte Truppenstärke von 2500 Soldaten schnellstmöglich erreichen und so den Boden für den Einsatz westafrikanischer Nachbarn bereiten. Derzeit sind rund 750 französische Soldaten in der früheren Kolonie. Hintergrund sind Befürchtungen, dass die durch die Luftangriffe der Franzosen geschwächten Islamisten untertauchen könnten, sollten die Bodentruppen nicht schnell genug eintreffen. Hollande deutete an, dass das Engagement länger dauern könnte als bislang angenommen. "Es gilt sicherzustellen, dass Mali am Ende unserer Intervention sicher ist, eine legitime Regierung hat, es einen Wahlprozess gibt und sein Territorium nicht mehr von Terroristen bedroht wird", sagte Hollande während eines Besuchs der Vereinigten Arabischen Emirate.

"EIN HEILLOSES DURCHEINANDER"

Eine Verstärkung der Hilfen für die malische Regierung durch das westafrikanische Regionalbündnis Ecowas ließ derweil auf sich warten. Staaten wie Senegal, Burkina Faso oder Niger haben die Bereitstellung von Soldaten zwar angeboten. Doch die Regionalmacht Nigeria warnte, selbst wenn zügig Bodentruppen nach Mali einrückten, müsse noch Zeit für die Ausbildung der Soldaten eingeplant werden. "Das ist ein heilloses Durcheinander", kritisierte ein hochrangiger nigerianischer Regierungsberater: "Unsere Soldaten haben keine Erfahrung mit solch extremen Bedingungen". Ein Einsatz von Soldaten westafrikanischer Staaten ist durch ein UN-Mandat gedeckt.

Wie die zugesagte deutsche Unterstützung aussehen wird, blieb unklar. Die Bundesregierung überlege, ob Deutschland logistische Unterstützung oder humanitäre Hilfe leisten werde, sagte Kanzlerin Merkel. Wie ihr Außenminister Guido Westerwelle betonte Merkel, Deutschland werde nicht in einen Krieg hineingezogen. Westerwelle hatte Frankreich angeboten, gemeinsam zu prüfen, "wie Deutschland den französischen Einsatz jenseits der Entsendung von Kampftruppen politisch, logistisch, medizinisch und humanitär" unterstützen könnte. Der Chef des Bundeswehrverbandes, Ulrich Kirsch, sagte im ARD-Morgenmagazin, in Mali sei Lufttransport und Sanitätsdienst zu leisten. Mit Blick auf die Bundeswehrreform warnte er aber vor einer Überforderung: "Wir können doch nur das leisten, was dann hinterher zuverlässig funktioniert".

Die EU kündigte an, ihre Pläne zur Unterstützung des malischen Militärs zu beschleunigen. Die aus Mali erwachsenden Sicherheitsbedrohungen reichten bis nach Europa, sagte die Außenbeauftragte Catherine Ashton in Straßburg. Die EU-Regierungen hätten ein Maßnahmenpaket geschnürt, das dem Volk Malis sofortige und dauerhafte Hilfe gewähre. Einzelheiten nannte sie nicht. Am Donnerstag sollten die Außenminister der Union über Hilfen für Mali beraten. Die USA prüfen derweil eine Ausweitung ihrer Unterstützung für Frankreich. Neben der Weitergabe von Informationen erwäge die Regierung in Washington logistische Hilfen, sagte ein Regierungssprecher.

Die Zunahme der Kämpfe trieb derweil immer mehr Menschen in die Nachbarländer. Nach UN-Schätzungen sind rund 30.000 Menschen vor den jüngsten Gefechten geflohen. Zuvor wurden bereits etwa 200.000 Menschen vertrieben, nachdem die Islamisten vor knapp einem Jahr die Kontrolle über den Norden übernahmen. Das ganze Ausmaß könne aber noch größer sein, warnte ein UN-Sprecher. Es lägen Berichte vor, wonach Islamisten Bewohner an einer Flucht gen Süden gehindert hätten.

 
French Elite Special Operations soldiers drive through the town of Markala, about 275 km (171 miles) from the capital Bamako, January 15, 2013, to meet Malian soldiers and organize a counter-attack in the jihadist-held town of Diabaly. REUTERS/Francois Rihouay (MALI - Tags: MILITARY CIVIL UNREST POLITICS CONFLICT)