Metro zieht bei Media Markt in China die Reißleine

Mittwoch, 16. Januar 2013, 09:40 Uhr
 

Düsseldorf (Reuters) - Der Handelsriese Metro zieht einen Schlussstrich unter das verlustreiche Engagement seiner Tochter Media-Saturn in China.

Metro-Chef Olaf Koch kündigte am Mittwoch den Rückzug der Elektronikhandelskette aus dem asiatischen Land an. Darüber hatte Reuters bereits vergangene Woche berichtet. Rasantes Wachstum konnte Metro auch in anderen Regionen nicht verzeichnen. Der Konzern mit seinen Metro-Großmärkte und Töchtern wie Kaufhof und Real konnte im ersten Amtsjahr Kochs den Umsatz um 1,2 Prozent steigern. Das Plus blieb etwas unter den Erwartungen von Analysten. Im frühen Handel legten die im MDax notierten Metro-Aktien zwei Prozent zu.

"Nach sorgfältiger Abwägung aller Alternativen haben wir uns entschieden, unser Engagement nicht fortzusetzen", sagte Koch mit Blick auf die sieben Media-Märkte im Großraum Shanghai. Dort hatte Metro zusammen mit dem asiatischen Partner Foxconn über zwei Jahre untersucht, ob auch die Verbraucher in China in die Media-Märkte strömen - und ob diese profitabel arbeiten können. Mit Foxconn will Koch nun auch beraten, wie die Zukunft der Märkte aussieht, der Partner könnte sie etwa allein betreiben. Davon wird auch abhängen, wie teuer das China-Abenteuer für Metro letztendlich wird. Koch kündigte bereits "bilanzielle Vorsorge" an. Experten rechnen mit Rückstellungen von mehr als 100 Millionen Euro.

KASSEN KLINGELN BEI MEDIA-SATURN IN DEUTSCHLAND

Der Metro-Konzern steigerte den Umsatz von Oktober bis Dezember mit dem wichtigen Weihnachtsgeschäft leicht um 0,5 Prozent auf 19,4 Milliarden Euro, wie das Unternehmen weiter mitteilte. Analysten hatten im Mittel mit Erlösen von rund 19,62 Milliarden Euro gerechnet. Im Gesamtjahr stand ein Umsatz von 66,7 Milliarden Euro in den Büchern - trotz der Euro-Schuldenkrise 1,2 Prozent mehr als noch 2011. Koch hatte angekündigt, den Umsatz in seinem ersten Amtsjahr steigern zu wollen - und dieses Ziel anders als seine Gewinnprognose für 2012 nicht im Jahresverlauf revidiert. Offen ist, wie stark der Konzern das Umsatzwachstum mit sinkenden Gewinnen erkaufen musste. Im Oktober hatte Koch das Ziel eines operativen Gewinns (Ebit) vor Sonderfaktoren von etwa 2,3 Milliarden Euro, die der Konzern noch 2011 eingefahren hatte, auf rund zwei Milliarden Euro gesenkt. Diese abgespeckte Ergebnisprognose bekräftigte der Konzern nun - und erklärte, sie umfasse auch den Verkauf von Immobilien in Frankreich. Ein Sprecher wollte sich nicht zu den Erlösen dieser Transaktion äußern. Metro-Finanzchef Mark Frese hatte aber angekündigt, 2012 insgesamt Immobilien-Erträge von über 150 Millionen Euro erzielen zu wollen.

Im Weihnachtsgeschäft konnte vor allem Media-Saturn zulegen. Der Umsatz stieg im vierten Quartal um 1,3 Prozent auf 6,6 Milliarden Euro. Erstmals seit 2009 sei Media-Saturn dabei wieder flächenbereinigt im deutschen Heimatmarkt gewachsen, teilte Metro mit.

 
Shopping carts of Germany's biggest retailer Metro AG are pictured before the annual balance news conference in Duesseldorf March 20, 2012. REUTERS/Ina Fassbender (GERMANY - Tags: BUSINESS)