Metro zieht bei Media Markt in China den Stecker

Mittwoch, 16. Januar 2013, 19:00 Uhr
 

Düsseldorf (Reuters) - Der Handelsriese Metro zieht einen Schlussstrich unter das verlustreiche Engagement seiner Tochter Media-Saturn in China. Metro-Chef Olaf Koch kündigte am Mittwoch den Rückzug der Elektronikhandelskette aus dem asiatischen Land an.

Im deutschen Heimatmarkt schlug sich die Kette deutlich besser und verbuchte dank Online- und Preis-Offensive im Weihnachtsgeschäft wieder ein deutliches Wachstum. Der Gesamtkonzern mit seinen Metro-Großmärkte und Töchtern wie Kaufhof und Real konnte im vierten Quartal dagegen nur wenig zulegen - das Plus blieb zudem etwas unter den Erwartungen von Analysten. An der Börse waren Metro-Aktien dennoch gefragt - denn Koch bestätige auch seine Gewinnprognose für 2012.

"Nach sorgfältiger Abwägung aller Alternativen haben wir uns entschieden, unser Engagement nicht fortzusetzen", sagte Koch mit Blick auf die sieben Media-Märkte im Großraum Shanghai. Dort hatte Metro zusammen mit dem asiatischen Partner Foxconn über zwei Jahre getestet, ob die Verbraucher in China in die Media-Märkte strömen - und ob diese dann auch profitabel arbeiten können. Mit Foxconn will Koch nun auch beraten, wie die Zukunft der Märkte aussieht, der Partner könnte die Läden nun allein betreiben. Davon wird auch abhängen, wie teuer das China-Abenteuer für Metro letztendlich wird. Koch kündigte bereits "bilanzielle Vorsorge" an. Experten rechnen mit Rückstellungen für das China-Abenteuer von mehr als 100 Millionen Euro.

Metro hatte mit Media Markt in China ursprünglich große Ziele verfolgt. Kochs Vorgänger Eckhard Cordes hatte dort ein Potential für mehr als Hundert Media-Märkte ausgemacht. Im November 2010 hatte Media Markt eine erste Filiale in China eröffnet, derzeit sind es sieben Märkte im Großraum Shanghai. Doch mit der erhofften Offensive von Europas größtem Elektronikhändler in China wird es nun nichts - nicht zuletzt auch deshalb, weil die Tochter dort auch noch rote Zahlen schrieb. Die Media-Märkte in China hatten in den ersten neun Monaten 2012 rund 100 Millionen Euro umgesetzt, für das Gesamtjahr zeichnete sich aber ein Verlust in einer Höhe von rund 40 Millionen Euro ab. Mit seinen Großmärkten bleibt Metro aber in China. Allein 2012 würden dort zwölf solcher Märkte eröffnet.

KASSEN KLINGELN BEI MEDIA-SATURN IN DEUTSCHLAND

Der Metro-Konzern steigerte seinen Umsatz von Oktober bis Dezember mit dem wichtigen Weihnachtsgeschäft trotz der Schuldenkrise in Europa leicht um 0,5 Prozent auf 19,4 Milliarden Euro. Analysten hatten im Mittel mit Erlösen von rund 19,62 Milliarden Euro gerechnet. Im Gesamtjahr stand ein Umsatz von 66,7 Milliarden Euro in den Büchern - 1,2 Prozent mehr als noch 2011. Koch hatte angekündigt, den Umsatz in seinem ersten Amtsjahr steigern zu wollen - und dieses Ziel anders als seine Gewinnprognose für 2012 nicht im Jahresverlauf revidieren müssen. Offen ist aber noch, wie stark der Konzern das Umsatzwachstum mit sinkenden Gewinnen erkaufen musste. Die Gewinnzahlen für 2012 legt Metro erst im März vor.

Im vergangenen Herbst hatte Koch das Ziel eines operativen Gewinns (Ebit) vor Sonderfaktoren von etwa 2,3 Milliarden Euro, die der Konzern noch 2011 eingefahren hatte, auf rund zwei Milliarden Euro gesenkt. Diese abgespeckte Ergebnisprognose bekräftigte der Konzern nun - und erklärte, sie umfasse auch den Verkauf von Immobilien in Frankreich. Ein Sprecher wollte sich nicht zu den Erlösen dieser Transaktion äußern. Metro-Finanzchef Mark Frese hatte aber angekündigt, 2012 insgesamt Immobilien-Erträge von über 150 Millionen Euro erzielen zu wollen.

Im Weihnachtsgeschäft konnte vor allem Media-Saturn zulegen. Der Umsatz stieg im vierten Quartal um 1,3 Prozent auf 6,6 Milliarden Euro. Erstmals seit 2009 sei Media-Saturn dabei wieder flächenbereinigt im deutschen Heimatmarkt gewachsen, teilte Metro mit. "Dies werten wir positiv", schrieben LBBW-Analysten. Die Preis-Offensive der Elektroniktochter und ihr Engagement im Online-Handel zahle sich offenbar aus. "Jetzt freut man sich über den Rückzug aus China und den bestätigten Gewinnausblick", sagte ein Händler. Die im vergangenen Jahr in den Nebenwerteindex MDax abgestiegenen Metro-Aktien verteuerten sich in einem schwachen Gesamtmarkt um mehr als ein Prozent auf 23,22 Euro.

 
Shopping carts of Germany's biggest retailer Metro AG are lined up at a Metro cash and carry market in the western German city of Sankt Augustin near Bonn May 23, 2012. (GERMANY - Tags: BUSINESS)