IG Metall will deutliches Lohnplus erzielen

Mittwoch, 16. Januar 2013, 17:44 Uhr
 

Hannover (Reuters) - Ungeachtet des Konjunkturabschwungs will die IG Metall in der anstehenden Tarifrunde einen kräftigen Lohnaufschlag für die Beschäftigten in der Metall- und Elektrobranche durchsetzen.

Gewinne und Löhne hätten sich in den vergangenen Jahren immer weiter auseinander entwickelt. "Wir haben da ein Stück Korrekturbedarf", sagte Niedersachsens IG-Metall-Chef Hartmut Meine am Mittwoch in Hannover. "Es wird diesmal ausschließlich ums Geld und um Prozente gehen." Meine ist der Verhandlungsführer seiner Gewerkschaft in Niedersachsen und Sachsen-Anhalt mit 75.000 Beschäftigen. Hinzu kommen rund 100.000 Mitarbeiter in den sechs westdeutschen VW-Werken, über deren Löhne in diesem Jahr ebenfalls verhandelt wird.

Den Unternehmen gehe es überwiegend gut, betonte Meine. Lediglich einige Betriebe hätten einen Auftragseinbruch erlitten und Kurzarbeit angemeldet. Es zeichne sich jedoch eine Besserung in der zweiten Jahreshälfte ab. "Es ist überhaupt nicht mit Rezession oder Krise zu rechnen." Volkswagen habe ein ausgesprochen erfolgreiches Jahr hinter sich. Auch 2013 werde der Wolfsburger Autobauer positiv abschneiden. Verhaltenere Töne des Vorstands ließen allerdings erwarten, dass das Wachstum nicht mehr so hoch ausfallen werde. Dennoch gehe die Gewerkschaft - auch aufgrund hoher Mitgliedergewinne - selbstbewusst in die Verhandlungen mit den Arbeitgebern.

Die Lohnforderung für die Branche wie für Volkswagen will die IG Metall Mitte März beschließen, bevor am 21. März in Sachsen-Anhalt und einen Tag später in Niedersachsen Tarifverhandlungen beginnen sollen. Die Tarifverträge in der Metall- und Elektroindustrie laufen Ende April aus. Warnstreiks sind in diesem Jahr bereits ab dem 2. Mai möglich, da die sonst übliche vierwöchige Friedenspflicht in diesem Jahr wegen des frühen Ferienbeginns wegfällt.

Bei VW endet der Haustarif zwei Monate später. Bereits im vergangenen Jahr hatte die IG Metall die Gespräche bei VW zeitweise parallel mit denen in der bundesweiten Branche geführt. "So können wir mehr in die Wagschale einbringen", sagte Meine.

EIN "SCHNAPS" MEHR BEI VW

Grundlage der Forderung ist der erwartete Preisanstieg und der gesamtwirtschaftliche Produktivitätsfortschritt. Hinzu kommt eine sogenannte Umverteilungskomponente, mit der die Gewerkschaft die Beschäftigten an den Gewinnen beteiligen will. Die Inflation sieht die IG Metall bei 2,1 Prozent und bezieht sich dabei auf das Herbstgutachten, die Produktivität wird bei einem bis 1,5 Prozent angesetzt. Damit zeichnet sich eine Forderung von bis zu 3,6 Prozent ab, auf die die politisch festgelegte Umverteilungskomponente aufgeschlagen wird. Im vergangenen Jahr hatte die Gewerkschaft bei VW wie in der Fläche 6,5 Prozent mehr gefordert, heraus kam bei beiden Tarifrunden ein Lohnaufschlag von 4,3 Prozent. Bei den Wolfsburgern galt die Erhöhung jedoch bereits von Anfang der 13-monatigen Laufzeit an, während die 3,6 Millionen Beschäftigten in der Metall- und Elektroindustrie das Lohnplus erst nach einem "Nullmonat" bekamen. Einen solchen "Schnaps" mehr will die Gewerkschaft auch diesmal bei Volkswagen erreichen.

Meine machte deutlich, dass die IG Metall für die rund 100.000 VW-Beschäftigten das gleiche prozentuale Lohnplus durchsetzen wolle wie in der übrigen Branche. Damit solle ein möglicher Wettbewerbsnachteil für VW zu den großen deutschen Wettbewerbern wie Daimler und BMW vermieden werden, die im Gegensatz zu dem Wolfsburger Autobauer unter den Flächentarif fallen. Bei Volkswagen verhandelt die Gewerkschaft traditionell einen Haustarif für die sechs westdeutschen Werke aus.

Vor Jahren hatten die VW-Arbeiter im Schnitt noch 20 Prozent mehr verdient als ihre Kollegen in der übrigen Branche - bis die goldenen Zeiten zwischen 2004 und 2006 zu Ende gingen, weil der Autobauer sparen musste.   Fortsetzung...

 
REUTERS/Michaela Rehle (GERMANYTRANSPORT CONFLICT - Tags: TRANSPORT BUSINESS POLITICS CIVIL UNREST) CONFLICT)