Reisekonzern TUI spricht mit Tochter über Fusion

Mittwoch, 16. Januar 2013, 17:39 Uhr
 

Frankfurt (Reuters) - TUI treibt Pläne für eine Fusion mit der britischen Tochter TUI Travel voran.

Das Management von TUI Travel sei von der TUI AG wegen eines Zusammenschlusses kontaktiert worden, teilten die Briten am Mittwoch mit und bestätigten damit einen Bericht der Nachrichtenagentur Reuters. Die Verhandlungen seien noch in einem frühen Stadium. TUI, die 56,4 Prozent an TUI Travel hält, habe nun Zeit bis zum 13. Februar, um eine feste Angebots-Absicht zu erklären oder davon Abstand zu nehmen. Eine Fusion könnte Europas größtem Reisekonzern Einsparungen von 500 Millionen Euro bringen, sagten zwei Insider. Analysten veranschlagen das Sparpotenzial auf lediglich etwa 100 Millionen Euro.

Die TUI-Aktien schnellten um neun Prozent nach oben und waren damit größter MDax-Gewinner. Die Titel von TUI Travel legten um sieben Prozent zu.

Reuters hatte zuvor über die Pläne einiger Großaktionäre des Reise-Marktführers mit Sitz in Hannover für eine Fusion mit der Tochter berichtet. "Die Idee ist, zwei Unternehmen aus der gleichen Branche zusammenzubringen", erläuterte ein Insider aus dem Umfeld eines der größten Aktionäre. Favorisiert werde derzeit ein sogenannter Reverse Takeover, bei dem TUI Travel den Mutterkonzern TUI AG kaufe, sagten drei mit der Sache vertraute Personen. Nach Aussagen von TUI Travel soll ein Zusammenschluss bevorzugt als Aktien-Fusion ohne Aufschlag auf den Aktienpreis stattfinden. Bei solchen Deals erhalten die Alt-Aktionäre üblicherweise Anteilsscheine des neuen Unternehmens, aber kein Geld.

Mit der Transaktion könnte ein neues Kapitel im nahezu abgeschlossenen Umbau des Unternehmens aufgeschlagen werden. Der scheidende Vorstandschef Michael Frenzel hatte seit Mitte der 1990er-Jahre den von Bergbau und Stahl dominierten Mischkonzern Preussag zunächst zum Schifffahrts- und Touristikriesen TUI umgebaut. Seit einem Strategieschwenk 2008 steht das Reisegeschäft im Mittelpunkt - die Beteiligung an Deutschlands größter Reederei Hapag-Lloyd hat TUI zurückgefahren. Umsetzen wird Frenzel die Pläne höchstwahrscheinlich aber nicht mehr: Der 65-Jährige tritt im Februar ab. Sein Nachfolger ist der frühere Deutschland-Chef von Vodafone, Friedrich Joussen, der sich seit einigen Monaten einarbeitet.

TUI Travel entstand 2007 durch die Fusion von großen Teilen des TUI-Reisegeschäfts mit dem britischen Rivalen First Choice - seitdem ist die Tochter an der Londoner Börse notiert. Jedoch wurden nicht alle Reiseaktivitäten verschoben - unter anderem gehören die Kreuzfahrtsparte und einige Hotels noch zum Mutterkonzern, ebenso wie der Restanteil an Hapag-Lloyd. Seit Jahren prüfen die Eigner Konzepte, um die Kosten bei TUI und TUI Travel durch ein Zusammengehen zu drücken. Die Unternehmen verfügen beispielsweise über eigene Zentralen in Hannover und London.

ALTER PLAN ZU TEUER

Die Fusions-Idee taucht nicht zum ersten Mal auf - angedacht war schon einmal, dass die TUI AG die noch ausstehenden rund 44 Prozent an TUI Travel kauft. Allerdings habe die Konzernmutter dafür nicht genug Geld auf der hohen Kante und werde sich die Mittel auch nur schwerlich am Kapitalmarkt besorgen können, da das Unternehmen an der Börse mit einem deutlichen Abschlag zu den Konkurrenten gehandelt werde, sagte einer der Insider. "Die Zahlen sprechen gegen einen solchen Deal", sagte er.

Hingegen wäre ein Reverse Takeover, bei dem etwa zehn Euro je TUI-AG-Aktie gezahlt würden, machbar und wertsteigernd für die Aktionäre. Die beiden größten Aktionäre der TUI AG - der russische Milliardär Alexej Mordaschow mit 25 Prozent und der Schifffahrtsunternehmer John Fredriksen aus Norwegen mit 15 Prozent - trieben den Versuch eines Reverse Takeovers voran. Die Diskussionen mit anderen Anteilseignern über den Plan seien "konstruktiv", sagte der Kenner.

Mordaschow und Fredriksen waren 2008 und 2009 bei der TUI AG eingestiegen, zu Kursen weit über dem derzeitigen Niveau von unter acht Euro. Das Investment war für die beiden deshalb ein Millionengrab. Fredriksen hat auch bei TUI Travel einen Fuß in der Tür - mit einer Beteiligung von 5,4 Prozent ist er zweitgrößter Aktionär des englischen Unternehmens.

- von Arno Schuetze und Peter Maushagen

 
The logo of German tourism group TUI AG, owner of Europe's largest travel company TUI Travel, is pictured on a computer screen in this illustration picture taken in Lavigny May 20, 2012. REUTERS/Valentin Flauraud (SWITZERLAND - Tags: TRAVEL BUSINESS)