Insider: Erste Gebote für Thyssen-Stahlwerke

Donnerstag, 17. Januar 2013, 11:24 Uhr
 

Düsseldorf (Reuters) - Der angeschlagene ThyssenKrupp-Konzern hat Insidern zufolge erste konkrete Angebote für seine Verluste schreibenden Stahlwerke in Übersee vorliegen.

Ein mit der Angelegenheit vertrauter Banker bestätigte am Donnerstag der Nachrichtenagentur Reuters die in einem Bericht des "Wall Street Journal" genannte Höhe. Danach bietet ArcelorMittal 1,5 Milliarden Dollar (rund 1,1 Milliarden Euro) für die Anlage in den USA. Der brasilianische Konzern Companhia Siderurgica Nacional wolle 3,8 Milliarden Dollar (2,6 Milliarden Euro) für das Werk in den USA und für eine Mehrheit an dem Stahlwerk in Brasilien hinblättern. "Die Prüfung der Bücher soll bis Mitte Februar abgeschlossen werden, verbindliche Angebote werden Ende Februar erwartet", sagte der Insider. ThyssenKrupp wollte sich nicht zu dem Verkaufsprozess äußern.

Die Höhe der Offerten lasse noch Luft nach oben, hieß es in einem Marktkommentar der UBS. Sonst drohten erneute Abschreibungen. An dem Werk in den USA seien auch die amerikanischen Konkurrenten Nucor, U.S. Steel sowie die japanischen Stahlkocher JFE Steel und Nippon Steel interessiert, hatten Insider Reuters berichtet.

ThyssenKrupp-Finanzchef Guido Kerkhoff hatte vor wenigen Wochen gesagt, dass es "mehr als eine handvoll Interessenten" gebe. Nach erneuten Milliarden-Abschreibungen auf die verlustreichen Werke stehen diese noch mit insgesamt 3,9 Milliarden Euro in den Büchern. Darin enthalten ist Kerkhoff zufolge aber auch der Anteil von 27 Prozent, den der brasilianische Vale-Konzern an der Anlage in seinem Heimatmarkt hält.

HAUPTVERSAMMLUNG IM ZEICHEN DER MILLIARDEN-VERLUSTE

Einen Tag vor der mit Spannung erwarteten Hauptversammlung von ThyssenKrupp, bei der scharfe Kritik der Aktionäre am Management erwartet wird, gab der Bericht über die Angebote der Aktie Auftrieb. Das Papier legte in einem schwachen Gesamtmarkt zeitweise um 2,5 Prozent zu.

Nach Pleiten, Pech und Pannen hatte Vorstandschef Heinrich Hiesinger die Stahlwerke im vergangenen Jahr zum Verkauf gestellt. Die Kosten für die Werke, mit denen ThyssenKrupp den nordamerikanischen Stahlmarkt aufmischen wollte, waren auf zwölf Milliarden Euro in die Höhe geschossen. Hiesinger hatte bereits deutlich gemacht, dass die Anlagen wohl getrennt verkauft werden. ArcelorMittal hatte in der vergangenen Woche das Stahlwerke im US-Bundesstaat Alabama als "Weltklasse" bezeichnet. Sein Konzern könne damit Synergien heben. Finanzchef Aditya Mittal sagte, ArcelorMittal habe ThyssenKrupp ein Angebot vorgelegt, er ließ aber offen wofür.

Die Schwierigkeiten in Übersee hatten maßgeblich dazu beigetragen, dass ThyssenKrupp im vergangenen Geschäftsjahr 2011/12 (per Ende September) einen Verlust von fünf Milliarden Euro einfuhr. Erstmals seit der Fusion von Thyssen und Krupp 1999 gehen die Anleger bei der Dividende leer aus. Vor der Hauptversammlung am Freitag in Bochum steht vor allem Aufsichtsratschef Gerhard Cromme in der Kritik. Er steht seit 2001 dem Kontrollgremium vor und hatte die Pläne an oberster Stelle begleitet. Der 69-Jährige hat Rücktrittsforderungen zurückgewiesen. Er wird dabei von der mächtigen Krupp-Stiftung mit der Konzernlegende Berthold Beitz an der Spitze unterstützt.

 
General view of the headquarters of Germany's industrial conglomerate ThyssenKrupp AG are pictured in Essen January 16, 2013. Some ThyssenKrupp AG investors have seized on big losses and scandals to call for the German steelmaker's chairman to step down but he has the backing of the biggest shareholder. The company's annual general meeting January 18, 2013, is expected to be lively after news headlines involving a botched multi-billion euro project in the Americas, lavish junkets for journalists and a cartel fixing the price of rail tracks. REUTERS/Ina Fassbender (GERMANY - Tags: BUSINESS INDUSTRIAL)