Rio-Tinto-Chef muss für Übernahmedebakel büßen

Donnerstag, 17. Januar 2013, 12:33 Uhr
 

London (Reuters) - Wegen milliardenschwerer Fehleinkäufe feuert der australische Bergbauriese Rio Tinto seinen Chef.

Tom Albanese wird vor die Tür gesetzt, nachdem der weltweit zweitgrößte Eisenerzproduzent überraschend weitere Abschreibungen in Höhe von 14 Milliarden Dollar vornehmen muss. Die Summe ist mehr als doppelt so hoch wie der Rio-Gewinn des Jahres 2011 und steht nach Konzernangaben vom Donnerstag in Zusammenhang mit Albaneses zwei wichtigsten Zukäufen. Die Übernahmen des Aluminiumherstellers Alcan sowie von Geschäften in Mosambik wurden zum Debakel. Albanese, der seit 2007 an der Spitze des Konzerns stand, wird vom bisherigen Eisenerz-Chef Sam Walsh abgelöst. Ebenso wie der mitgeschasste Spitzenmanager Doug Ritchie erhält Albanese keine Abfindung und muss auf Bonuszahlungen für die vergangenen Jahre verzichten.

Rio Tinto kaufte Alcan im Jahr 2007 für 38 Milliarden Dollar. Das Bergbauunternehmen stand damals unter Druck, sich durch Akquisitionen zu vergrößern oder selbst geschluckt zu werden. Doch schon bald nach der Megafusion brachen die Märkte ein, die Preise für Aluminium sackten ab. Alcan entpuppte sich damit als Problem für die Australier, die jahrelang Verluste in der Aluminiumsparte anhäuften und bereits im vergangenen Jahr 8,9 Milliarden Dollar abschreiben mussten. Der größte Teil der Geschäfte in Australien und Neuseeland steht zum Verkauf, trifft aber auf wenig Interesse bei möglichen Käufern. Nun stehen im Aluminium-Geschäft weitere Wertberichtigungen von zehn bis elf Milliarden Dollar an.

PROBLEME IN MOSAMBIK

Zusammen mit Ritchie war Albanese Triebfeder bei der Übernahme des Kohlebergbauunternehmens Riversdale 2011, das überwiegend in Mosambik aktiv ist. Doch das Unternehmen stieß auf unerwartet große Infrastruktur-Probleme in dem afrikanischen Land. Rio Tinto wollte die Kohle in Mosambik per Schiff auf dem Fluss Sambesi abtransportieren, erhielt dafür jedoch keine Genehmigung der Behörden. Zudem sind die Vorkommen an Koks-Kohle nach jüngsten Schätzungen geringer als bislang angenommen. In Verbindung mit dem Riversdale-Engagement werden drei Milliarden Dollar abgeschrieben, zudem muss Ritchie seinen Hut nehmen. "Das Direktorium von Rio Tinto ist sich voll dessen bewusst, dass eine Abschreibung in dieser Größenordnung in Verbindung mit dem relativ jungen Zukauf in Mosambik inakzeptabel ist", wetterte der Direktoriumsvorsitzende Jan du Plessis. Zusätzlich stehen dem Unternehmen weitere Abschreibungen von insgesamt 500 Millionen Dollar bevor. Details sollen mit den Geschäftszahlen für das Jahr 2012 am 14. Februar veröffentlicht werden.

An der Londoner Börse verloren die Rio-Tinto-Aktien 1,7 Prozent. "Für mich sind die Neuigkeiten eindeutig negativ, aber sie sind nicht das Ende der Welt", sagte ein Analyst. Albaneses Nachfolger Walsh ist seit mehr als 20 Jahren bei Rio Tinto beschäftigt und gilt als erfahrener Manager. Viele Analysten bezweifeln jedoch, dass Rio Tinto mit seiner Ernennung die Führungsprobleme langfristig gelöst hat, zumal erst im Juli der Finanzchef das Unternehmen verlassen hatte.

- von Clara Ferreira-Marques

 
Global miner Rio Tinto Chief Executive Tom Albanese is pictured during a news conference in Sydney November 29, 2012. REUTERS/Tim Wimborne (AUSTRALIA - Tags: BUSINESS COMMODITIES ENVIRONMENT)