US-Verbraucher machen Europas Handelsriesen Hoffnung

Donnerstag, 17. Januar 2013, 12:39 Uhr
 

Paris/Brüssel (Reuters) - Hoffnung auf die Verbraucher im riesigen US-Markt, andauernde Sorgen um Südeuropa: International agierenden Handelsriesen wie Delhaize oder Ahold bietet sich ein gemischtes Bild.

Der niederländische Ahold-Konzern hat im vierten Quartal vom wichtigen Weihnachtsgeschäft in Übersee profitiert und den Umsatz deutlich um 5,1 Prozent auf 7,8 Milliarden Euro in die Höhe geschraubt, wie er am Donnerstag mitteilte. Der belgische Rivale Delhaize, der über die Hälfte seine Erlöse in den USA einfährt, konnte den Umsatzrückgang dort stoppen. Anders der größte europäische Handelskonzern Carrefour - dessen Erlöse im von der Schuldenkrise gebeutelten Südeuropa stehen weiter unter Druck. Einzig im französischen Heimatmarkt steht die weltweite Nummer Zwei nach dem US-Riesen Wal-Mart dank einer Preisoffensive besser da. Der deutsche Branchenprimus Metro hatte im Weihnachtsquartal den Umsatz minimal steigern können.

Ahold hatte jüngst den Sprung über die deutsche Grenze gewagt und erste Filialen seiner Kette Albert Heijn unter anderem in Aachen und Düsseldorf eröffnet. Rund 60 Prozent der Umsätze fährt der Konzern aber in Übersee ein. In den USA füllte auch die Angst der Verbraucher vor den Folgen des Wirbelsturms "Sandy" Ahold die Kassen. Denn Bewohner der betroffenen Ostküste deckten sich bei den Filialen des Konzerns mit Lebensmitteln ein, ließen die Kassen klingeln und sorgten bei Ahold insgesamt für ein Umsatzplus - trotz stagnierender Geschäfte im niederländischen Heimatmarkt. Die Erlöse von 7,8 Milliarden Euro lagen zudem im Rahmen der Markterwartungen, Ahold-Aktien notierten am Vormittag leicht im Plus.

Der belgische Rivale Delhaize konnte nach Investitionen in sein Ladennetz den Umsatzrückgang in den USA stoppen. Die dortige Kette Food Lion habe ihr bestes Quartal seit 2006 abgeliefert, betonte die Konzernmutter in Brüssel. 2013 will Delhaize nun auf Umsatzwachstum setzen. Die Anleger konnte der Konzern damit überzeugen: Delhaize-Aktien notierten am Vormittag mit mehr als acht Prozent im Plus. Deutliche Kursgewinne wies auch Carrefour aus - hier setzen die Anleger darauf, dass der Handelsriese seine Geschäfte im französischen Heimatmarkt wieder in den Griff bekommt. Carrefour ist ebenso wie der deutsche Wettbewerber Metro nicht in den USA vertreten. In Frankreich konnte die Kette den zuletzt teils rasanten Umsatzrückgang im vierten Quartal deutlich abbremsen. Der neue Konzernchef Georges Plassat hatte auf Preisnachlässe und neue Sortimente gesetzt - dies machte sich nun bezahlt. In China konnte Carrefour zudem wachsen, in Südeuropa bleibt der Konzern indes unter Druck. Insgesamt erreichte der Umsatz im vierten Quartal wie von Analysten erwartet 22,9 Milliarden Euro.

Deutliches Wachstum hatte auch Metro mit seinen Großmärkten in Asien verzeichnet. Der Düsseldorfer Konzern mit Töchtern wie Media-Saturn oder Kaufhof hatte am Mittwoch einen Umsatz von 19,4 Milliarden Euro für das Weihnachtsquartal vermeldet - ein leichtes Plus von 0,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Metro profitierte dabei von der Binnenkonjunktur in Deutschland - die von der Schuldenkrise unbeeindruckten Verbraucher strömten zu Media Markt und Saturn und bescherten der Tochter ein deutliches Plus. Aber auch Metro-Chef Koch beklagte eine "Verschärfung der Marktbedingungen insbesondere in Südeuropa".

 
REUTERS/Eric Gaillard (FRANCE - Tags: BUSINESS)