Thyssen-Aufsichtsratchef Cromme räumt Fehler ein

Freitag, 18. Januar 2013, 10:08 Uhr
 

Bochum (Reuters) - Der in der Kritik stehende ThyssenKrupp-Aufsichtsratschef Gerhard Cromme hat auf der Hauptversammlung des Konzerns Fehler eingeräumt, einen Willen zum Rücktritt jedoch nicht erkennen lassen.

"Wenn Sie mich fragen, ob wir als Aufsichtsrat in der Vergangenheit etwas hätten besser machen können, dann will ich ehrlich sagen: Ja, wir haben zu lange vertraut, wir hätten früher handeln können", sagte der 69-Jährige am Freitag auf dem Treffen in Bochum laut Redetext. Er fügte jedoch umgehend hinzu: "Aber: Wir haben gehandelt - immer dann, wenn entsprechende Fakten das ermöglicht haben - und wir haben konsequent gehandelt." Erste Erfolge seien erkennbar. "Gemeinsam werden wir - Aufsichtsrat und Vorstand - an einer erfolgreichen Zukunft für das Unternehmen arbeiten."

Cromme steht seit 2001 an der Spitze des Kontrollgremiums. Einige Aktionäre haben ihn aufgefordert, seinen Posten zu räumen. Sie machen ihn für das Desaster mit den neuen Stahlwerken in Übersee mitverantwortlich. Die Kosten für die Werke waren auf zwölf Milliarden Euro in die Höhe geschossen. Sie haben maßgeblich dazu beigetragen, dass ThyssenKrupp im vergangenen Geschäftsjahr einen Verlust von fünf Milliarden Euro eingefahren hat. Erstmals seit der Fusion von Thyssen und Krupp 1999 erhalten die Aktionäre keine Dividende.

Cromme verwies auf mehrere Gutachten, wonach der Aufsichtsrat keine Pflichtverletzungen begangen habe. Dennoch sei es nicht gelungen, "die Fehlentwicklung bei den Steel-Americas-Projekten" zu verhindern. "Ich kann ihnen versichern, dass nicht nur ich persönlich betroffen bin." Dies gelte für den gesamten Aufsichtsrat. "Wir haben deshalb in unserer heutigen Sitzung entschieden, für das Geschäftsjahr 2011/12 auf die Hälfte unserer Vergütung zu verzichten."