Intels Investitionswut macht Anleger nervös

Freitag, 18. Januar 2013, 10:50 Uhr
 

San Francisco/München (Reuters) - Der US-Chipkonzern Intel wird zunehmend von der PC-Müdigkeit der Verbraucher erfasst und will mit einem gewaltigen Investitionsplan den Anschluss an die modernen IT-Trends halten.

Im laufenden Jahr planen die Amerikaner 13 Milliarden Dollar in Zukunftstechnologien und die Modernisierung der Produktion zu stecken - deutlich mehr als von Analysten erwartet. Nach dem Umsatz- und Gewinnminus im Schlussquartal machte diese Ankündigung die Anleger nervös. Intel sucht weiterhin nach einem Weg aus der Abhängigkeit vom weltweit schwächelnden PC-Geschäft. Die historische Allianz mit Microsoft, die eine fast komplette Abwesenheit auf dem rasant wachsenden Smartphone- und Tabletmarkt nach sich zog, entwickelt sich zur Bürde. Die Intel-Aktie gab nachbörslich in der Nacht zu Freitag mehr als fünf Prozent nach.

Intel verdiente und setzte im vierten Quartal weniger um als im gleichen Vorjahreszeitraum. Der Gewinn fiel um ein Viertel auf 2,5 Milliarden Dollar und die Erlöse gaben knapp drei Prozent auf 13,5 Milliarden Dollar nach. Für das laufende Vierteljahr stellt der Konzern Umsätze um die 12,7 Milliarden Dollar in Aussicht. Experten kalkulieren im Durchschnitt mit 12,9 Milliarden Dollar für diesen Zeitraum.

INTEL KANN RÜCKSTAND IM TABLET-MARKT NUR MÜHSAM AUFHOLEN

Intel hat zunehmend Mühe, seine Stellung als Chip-Marktführer auf dem PC-Markt in bare Münze umzuwandeln: Die Allianz mit Microsoft, von Experten auch gern als Wintel bezeichnet, zahlt sich kaum noch aus. Den Smartphone-Trend hat Intel verschlafen, der Anteil von Intel-Chips in den modernen Allzweck-Waffen liegt bei unter einem Prozent - Konkurrenten wie Samsung Electronics, Qualcomm und Nvidia bestimmen den Markt. Auch die Windows 8-Einführung im Oktober brachte nicht den erhofften Schwung.

Deutschland-Chef Christian Lamprechter räumte im Reuters-Gespräch ein, dass sein Haus den Trend zu Tablet-Rechnern anfangs verpasst habe. Mittlerweile würden Intel-Chips aber immerhin in zehn Tablet-Modellen und sieben Smartphones eingesetzt. Der Markt für Rechenkerne in Computerflundern wird vom britischen Chipentwickler ARM dominiert, dessen Modelle bislang vor allem stromsparender arbeiten als die von Intel verwendete x86-Technologie. Intel versucht seinen Rückstand aufzuholen, in dem es die Produktion von superdünnen Laptops - sogenannten Ultrabooks - bei den Herstellern fördert. Lamprechter betonte, dass sich zunehmend die Kategoriegrenzen verwischen. "Wir werden uns positionieren und behaupten", sagte er. Im Geschäft mit Großrechnern und Supercomputern sei Intel weiterhin gut dabei, allein drei Hochleistungsrechner habe das Unternehmen im vergangenen Quartal verkauft. Windows 8 habe in Deutschland den Absatz nicht angekurbelt. "Wir haben keinen zusätzlichen Abverkauf durch Windows 8 gesehen. Es ist eher eine natürliche Ablöse von Windows 7."

INVESTOREN IRRITIEREN INVESTITIONEN

Unter Experten standen Intels Einnahmen diesmal nicht im Mittelpunkt. "Die Leute flippen aus wegen ihrer Investitionen", sagte Analystin Stacy Rasgon von Sanford C. Bernstein. Die Sorge sei, dass zu viele Produktionsstätten errichtet würden und nachher die Nachfrage nicht ausreiche und dann Überkapazitäten entstünden. Der scheidende Intel-Chef Paul Otellini versicherte, bei den Investitionen in innovative Technologien gehe es um langfristige Kostensenkungen. Otellini will Intel im März verlassen und in Pension gehen. Deutschland-Chef Lamprechter verteidigte die Pläne. Allein zwei Milliarden Dollar würden in die Vorentwicklung einer Produktion von Chips aus Siliziumscheiben mit 450 Millimeter fließen. Die größeren Scheiben gelten in der Branche als zukunftsträchtig, da sie eine deutlich größere Ausbeute als die heute gängige 300-Millimeter-Variante bieten. Die Chipindustrie scheut allerdings bisher die enormen Kosten für die Umrüstung ihrer Fabriken. Intels kostspielige Vorreiterrolle könnte sich so in mehrere Jahren auszahlen. Da die Amerikaner anders als viele Konkurrenten von Entwicklung bis zur Fertigung fast lückenlos die gesamte Wertschöpfungskette in der eigenen Hand haben, bleiben die Renditen auch bei sinkenden Umsätzen hoch. Für das kommende Jahr peilt der Konzern eine Bruttomarge von 60 Prozent an.

Die Milliardenübernahme der Mobilfunkchipsparte von Infineon hat sich für Intel bisher wenig bezahlt gemacht. Mit einem Chip für den schnellen Breitbandstandard LTE ist Intel spät dran. Branchenkreisen hat sich zudem Apple im vergangenen Jahr als langjähriger Kunde verabschiedet. Lamprechter räumte ein, dass die Sparte 2012 einen "großen Kunden" verloren habe, "was sich im Umsatz abbildet". Der Kauf der Sparte sei allerdings als langfristige Investition zu verstehen.

 
An Intel logo is seen at the company's offices in Petah Tikva, near Tel Aviv October 24, 2011. REUTERS/Nir Elias (ISRAEL - Tags: BUSINESS SCIENCE TECHNOLOGY LOGO)