Insider - Daimler will bei China-Partner BAIC einsteigen

Freitag, 18. Januar 2013, 17:27 Uhr
 

Hamburg (Reuters) - Daimler strebt Finanzkreisen zufolge noch in diesem Jahr einen Einstieg bei seinem chinesischen Partner Beijing Automotive Group (BAIC) an.

Die Beteiligung solle in jedem Fall vor einem Börsengang eingegangen werden, sagten zwei mit der Transaktion vertraute Personen der Nachrichtenagentur Reuters. Damit spekuliert der Stuttgarter Autokonzern darauf, beim Gang seines Partners aufs Börsenparkett von einem möglichen Kursanstieg der Aktie zu profitieren. Reuters hatte bereits vergangene Woche aus Finanzkreisen berichtet, dass Daimler eine Beteiligung von zehn bis 20 Prozent an BAIC anstrebe.

"Daimler werde wohl der einzige Ankeraktionär aus der Autobranche", sagte eine Person. Der Konzern strebe zudem einen Sitz im Aufsichtsrat von BAIC an, darüber hätten aber noch keine Verhandlungen stattgefunden. Der Stuttgarter Konzern wollte sich nicht dazu äußern, BAIC war nicht für eine Stellungnahme zu erreichen. Daimler-Chef Dieter Zetsche hatte auf der US-Automesse in Detroit Verhandlungen mit BAIC über die Rolle des deutschen Konzerns bei dem geplanten Börsengang bestätigt. Ankerinvestoren kommen bei Börsengängen immer mehr in Mode, weil die Emittenten damit mehr Sicherheit für einen Erfolg des Schritts gewinnen.

BAIC will seine Pkw-Sparte in diesem Jahr an die Hongkonger Börse bringen, wie der vom chinesischen Staat kontrollierte Autobauer bereits vor einigen Monaten angekündigt hat. Das Emissionsvolumen soll sich nach Aussagen von Insidern auf mindestens eine Milliarde Dollar belaufen. Schon vor einigen Wochen hatten Kenner des Vorgangs aber darauf hingewiesen, dass sich die Börsenplatzierung auch bis 2014 hinziehen könnte. Wegen des Einflusses staatlicher Stellen ziehen sich Genehmigungen in China oft lange hin. Auf grünes Licht für seine Lkw-Partnerschaft mit Foton hatte Daimler mehrere Jahre gewartet.

Mit dem Geld aus dem Börsengang will BAIC sein Pkw-Geschäft ausbauen und bald eigene Oberklasse-Modelle auf den Markt bringen. Bisher produziert BAIC als Partner von Daimler und Hyundai deren Modelle in China. Zudem hat der fünftgrößte Autobauer der Volksrepublik mit dem E150 einen eigenen Kleinwagen im Programm. Durch eine Beteiligung von Daimler würde BAIC Experten zufolge in der vom chinesischen Staat geplanten Konsolidierung der Autobranche gestärkt. Chinas Regierung will landeseigenen Autobauern stärkeres Gewicht verleihen, die bisher auf Partnerschaften mit westlichen Autobauern angewiesen ist.

Die Volksrepublik ist seit drei Jahren vor den USA weltgrößter Automarkt, auf dem Daimler aber - wie weltweit - den deutschen Konkurrenten BMW und Audi hinterher fährt. Daimler hatte im Dezember angekündigt, seine beiden konkurrierenden Vertriebskanäle im Reich der Mitte zu bündeln, um künftig gewinnschmälernde Rabatte zu vermeiden. Um wieder Anschluss an die weit vorausfahrende Konkurrenz zu bekommen, hat Daimler mit Hubertus Troska eigens einen Vorstand für das Geschäft in der Volksrepublik berufen.

 
Daimler AG and Mercedes Benz chairman Dieter Zetsche speaks on stage at the North American International Auto Show in Detroit, Michigan January 14, 2013. REUTERS/James Fassinger