Boeing stoppt Auslieferung der Dreamliner

Sonntag, 20. Januar 2013, 15:39 Uhr
 

Seattle/Takamatsu (Reuters) - Nach der Pannenserie beim Dreamliner hat Boeing die Reißleine gezogen und die Auslieferung der Maschinen gestoppt.

Die Produktion des Langstreckenflugzeugs werde aber fortgesetzt, sagte Unternehmenssprecher Marc Birtel am Wochenende. Weltweit hatten Behörden die 50 bereits ausgelieferten 787-Jets wegen Batterie-Problemen aus dem Verkehr gezogen. Boeing will erst wieder Dreamliner ausliefern, wenn die US-Luftfahrtbehörde FAA die Sicherheit der eingesetzten und in die Kritik geratenen Lithium-Ionen-Batterien bescheinigt.

Der Brand einer Batterie hatte am Mittwoch eine 787-Maschine der japanischen Fluggesellschaft All Nippon Airways (ANA) zu einer Notlandung gezwungen. Fachleute der FAA, der US-Behörde für Verkehrssicherheit (NTSB) und Boeing-Mitarbeiter unterstützten die japanischen Experten bei den Untersuchungen. Eine zu hohe Spannung könnte die Batterie überhitzt und zum Austritt von Flüssigkeit geführt haben, sagte ein japanischer Sicherheitsexperte am Flughafen in Takamatsu, wo die ANA-Maschine notgelandet war. Bilder der Batterie zeigten eine ausgebrannte blaue Metallbox.

VERKOHLTER AKKU

Die verkohlte Batterie soll nun für weitere Untersuchungen nach Tokio geschickt werden, teilte die japanische Behörde für Verkehrssicherheit mit. Innerhalb der nächsten Woche solle ein Bericht über die Ergebnisse veröffentlicht werden. Die Untersuchungen der US-Behörden könnte allerdings mehr Zeit in Anspruch nehmen. Die US-Behörde NTSB schloss am Sonntag jedoch eine zu hohe Spannung als Ursache für die Explosion einer Batterie in einer geparkten 787-Maschine am Bostoner Flughafen Anfang Januar aus. Darauf deute die Auswertung des Flugschreibers hin

787-Maschinen würden nicht fliegen, bevor die Aufseher nicht "zu Tausend Prozent" von der Sicherheit der hochmodernen Karbon-Flieger überzeugt seien, betonte US-Verkehrsminister Ray LaHood. LaHood wollte sich vor dem Wochenende aber nicht auf einen Zeitplan festlegen.

Bei seinem Prestige-Flugzeug hatte der Airbus-Rivale in den vergangenen Tagen neben dem Batteriebrand auch mit zwei Treibstofflecks, einem Kabelproblem, Bremsstörungen und einem zersprungenen Cockpit-Fenster für Negativ-Schlagzeilen gesorgt. Die gravierendsten Sicherheitsbedenken richten sich mittlerweile aber auf den Einsatz der modernen Lithium-Ionen-Batterien, die leichter und leistungsstärker als herkömmliche Modelle sind, sich aber auch schneller entzünden können.

Japan ist bisher der größte Markt für den Dreamliner - die beiden dort führenden Fluggesellschaften ANA und Japan Airlines haben etwa die Hälfte der Langstreckenflieger im Dienst. ANA sagte bis Montag mehr als 60 Flüge ab, JAL strich bis zum 25. Januar acht Flüge auf der Strecke Tokio-San Diego. Auf weiteren Routen sollen ältere Modelle den Dreamliner ersetzen.

KEINE SCHADENFREUDE BEIM RIVALEN

Beim Erz-Konkurrenten EADS ruft die Pannenserie von Boeing keine Schadenfreude hervor. "Anlaufprobleme kennen wir schließlich auch zur Genüge", sagte EADS-Chef Tom Enders dem "Spiegel". "Wir werden sicherlich bei unserem neuen Langstreckenflugzeug A350 auch noch die eine oder andere unangenehme Überraschung erleben", sagte der Chef der Airbus-Mutter weiter. "Ich wünsche unseren Kollegen, dass sie den Dreamliner rasch wieder in die Luft bekommen. Mit unserer A330 und auch mit der A350 werden wir ihm das Leben dort schwer genug machen."

 
All Nippon Airways' (ANA) Boeing Co's 787 Dreamliner aircraft which made an emergency landing on last Wednesday, is seen through a window of the ANA's Airbus A320 jet, at Takamatsu airport in Takamatsu, western Japan January 19, 2013. U.S. and Japanese aviation safety officials finished an initial investigation of a badly damaged battery from a Boeing Co 787 Dreamliner jet on Friday as Boeing said it was halting deliveries until the battery concerns were resolved. REUTERS/Issei Kato (JAPAN - Tags: TRANSPORT DISASTER BUSINESS POLITICS)