HeidelCement fürchtet Nahostkonflikt: Könnte Konjunktur abwürgen

Samstag, 19. Januar 2013, 15:00 Uhr
 

Frankfurt (Reuters) - HeidelbergCement-Chef Bernd Scheifele blickt sorgenvoll nach Nahost.

Für die Weltwirtschaft sei eine Ausweitung der Konflikte im Nahen Osten mit einer Verteuerung des Öls eines der größten Risiken neben der Eurokrise und der US-Fiskalklippe, sagte der Chef des Baustoffkonzerns dem Magazin "Euro am Sonntag". "Das könnte die Konjunktur weltweit abwürgen."

Scheifele hat ein Auge auf der Region, weil Afrika und Asien inzwischen mehr als 50 Prozent des Konzerngewinns liefern. In Afrika mache der Konzern mehr Gewinn als in Deutschland, sagte Scheifele. Eine Verschärfung des Bürgerkriegs in Syrien, des Konflikts zwischen Israel und den Palästinensern, der Spannungen um den Iran oder der Auseinandersetzungen in Nordafrika könnte den Konzern daher möglicherweise empfindlich treffen.

Noch gibt sich Scheifele in dem Interview für 2013 aber optimistisch. "Asien und Afrika wachsen weiter, die Erholung in Nordamerika hält an", prognostizierte der Manager. "In Europa und Osteuropa bleibt es hingegen schwierig, außer in Deutschland, wo die Bauwirtschaft auf hohem Niveau stagniert." Der Konzern, der bei der Produktion viel Energie verbraucht und überwiegend Steinkohle verbrennt, rechnet derzeit nur mit einem moderaten Anstieg der Energiepreise. "Operativ dürfte es 2013 besser laufen als 2012", sagte Scheifele. Er erwarte Volumensteigerungen in Afrika und Asien und eine Fortsetzung der Erholung in Nordamerika. In den USA sollen die Gewinne wie in den vergangenen Jahren auch 2013 steigen. Im Zementgeschäft will der Konzern 2013 die Margen steigern.

DIVIDENDE BLEIBT VORERST SCHWÄBISCH

Hoffnungen auf höhere Dividenden machte Scheifele seinen in den vergangenen Jahren leidgeprüften Aktionären nicht. "Große Sprünge" seien nicht drin, sagte er dem Blatt weiter. "Der Schuldenabbau hat Vorrang". Zuletzt hatte HeidelbergCement 0,35 Euro je Aktie gezahlt, was Aktionäre als "Mini-Dividende" kritisierten und Scheifele selbst "schwäbisch" nannte. Mit 19 Prozent Gewinnausschüttung liegt der Konzern hinter seinem mittelfristigen Ziel von gut 30 Prozent, was er aber von einem Investment-Grade-Rating abhängig macht. Analysten hatten im Lauf des vergangenen Jahres auf eine deutliche Erhöhung auf 0,60 Euro je Aktie für 2012 gesetzt. Reuters-Daten zufolge sind diese Hoffnungen im Schnitt inzwischen auf 0,53 Euro zusammengeschnurrt.

An eine höhere Ausschüttung werde er sich langsam herantasten, sagte der Manager. Ende 2011 lag die Verschuldung bei rund 7,8 Milliarden Euro. "Wir wollen auf 6,5 Milliarden Euro runter." 2007 hatte sich der Konzern mit der Übernahme der britischen Hanson für 15 Milliarden Euro fast überhoben, weil die kurz darauf ausgebrochene Finanzkrise die Konjunktur abwürgte, woraufhin bei dem Konzern mit 52.000 Mitarbeitern ein Sparprogramme das andere jagte.

Doch diese kritischen Zeiten hat der Konzern laut Scheifele hinter sich gelassen. "Wir sind sehr zuversichtlich, dass wir das Verhältnis von Nettoschulden zum Ebitda-Gewinn zum Jahresende 2012 unter drei senken konnten - und so wieder zum Kreis der solideren Schuldner gehören."