TUI bläst Übernahme von Tochter TUI Travel vorerst ab

Mittwoch, 23. Januar 2013, 15:25 Uhr
 

Frankfurt (Reuters) - Europas größter Reisekonzern TUI schließt ein Übernahmeangebot für seine britische Tochter TUI Travel aus.

Ein Aktientausch entspreche beim gegenwärtigen Austauschverhältnis nicht den Interessen der TUI-Aktionäre, teilte TUI am Mittwoch mit. Angesichts des niedrigen Aktienkurses der deutschen TUI war dieser Deal offensichtlich nicht reizvoll für das Management um Noch-Chef Michael Frenzel. "Unabhängig davon wird die TUI AG ihre Rolle als Mehrheitsaktionär uneingeschränkt fortsetzen", hieß es weiter.

An der Börse kamen das vorläufige Aus der Pläne nicht gut an: Die im MDax gelisteten TUI-Aktien und die TUI-Travel-Papiere büßten jeweils vier Prozent ein. "Der Markt rechnet jetzt nicht mehr mit einer Fusion. Das war es nun", sagte ein Aktienhändler.

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TUI hält 56 Prozent an TUI Travel und musste - nachdem die Gespräche schon öffentlich waren - bis Mitte Februar seine definitiven Absichten erklären. Eine neuen Anlauf für eine Übernahme dürfen die Hannoveraner nach britischem Gesetz in den nächsten sechs Monaten nicht starten. Unklar blieb zunächst, ob damit auch ein Kaufgebot der Tochter für die Mutter ausgeschlossen ist. Ein TUI-Travel-Sprecher wollte dazu unmittelbar keine Stellungnahme abgeben.

Reuters hatte zuvor über die Pläne einiger Großaktionäre des Reise-Marktführers mit Sitz in Hannover berichtet, die Tochter solle die Mutter übernehmen, weil die Briten einen Deal finanziell leichter stemmen könnten. "Die Idee ist, zwei Unternehmen aus der gleichen Branche zusammenzubringen", erläuterte ein Insider aus dem Umfeld eines der größten Aktionäre. Favorisiert werde derzeit ein Reverse Takeover, bei dem TUI Travel die TUI AG kaufe, hatten drei mit der Sache vertraute Personen Reuters gesagt.

Die Annäherung der beiden Touristikunternehmen war vor einer Woche publik geworden, als herauskam, dass die TUI AG aus Hannover ihre Tochter TUI Travel wegen eines Zusammenschlusses kontaktiert hatte. Nach Aussagen von TUI Travel sollte ein Zusammenschluss bevorzugt als Aktien-Fusion ohne Aufschlag auf den Aktienpreis stattfinden. Bei solchen Deals erhalten die Alt-Aktionäre üblicherweise Anteilsscheine des neuen Unternehmens, aber kein Geld. Eine Fusion könnte Europas größtem Reisekonzern Einsparungen von 500 Millionen Euro bringen, hatte Reuters von zwei Insidern erfahren. Analysten veranschlagen das Sparpotenzial auf lediglich etwa 100 Millionen Euro.

 
The logo of German tourism group TUI AG, owner of Europe's largest travel company TUI Travel, is pictured on a computer screen through sunglasses in this illustration picture taken in Lavigny May 20, 2012. REUTERS/Valentin Flauraud