Aussichten für Japans Wirtschaft hellen sich auf

Mittwoch, 23. Januar 2013, 11:30 Uhr
 

Tokio (Reuters) - Die japanische Regierung schätzt die Konjunkturaussichten nach der jüngsten Geldspritze der Notenbank erstmals seit acht Monaten wieder optimistischer ein. Anstieg der Exporte und die jüngsten Konjunkturspritzen dürften die Wirtschaft auf einen Erholungspfad zurückführen, hieß es in dem am Mittwoch veröffentlichten Monatsbericht. Das wäre ein erstes Zeichen, dass die Politik des neuen Regierungschefs Shinzo Abe Früchte trägt, die Wirtschaft mit einem Milliarden-Konjunkturpaket und Unterstützung der Währungshüter wieder auf Touren zu bringen. Auch von Reuters befragte Analysten bewerten die Aussichten für die japanische Wirtschaft wieder günstiger. Vor allem der schwächere Yen dürfte das Wachstum ankurbeln.

Abe hat seit seiner Wahl Mitte Dezember den Druck auf die Notenbank ständig erhöht, die Geldschleusen weiter zu öffnen und das Inflationsziel auf zwei Prozent zu verdoppeln. Am Dienstag kündigten die Währungshüter nun an, ab 2014 unbefristet Staatsanleihen zu kaufen. Die Landeswährung Yen gab daraufhin weiter nach. Das hilft japanischen Exporteuren wie Toyota oder Nissan. Mit seiner Währungspolitik zog Japan jedoch international scharfe Kritik auf sich, einen Abwertungswettlauf in Gang zu setzen.

Doch die Aussichten für die Exporte hellen sich auch wegen abnehmender Risiken auf: So seien die USA nicht über die Haushaltsklippe gestürzt, zudem habe sich der Handelsstreit mit China über umstrittene Inseln im Ostchinesischen Meer entspannt, schrieb die Regierung. Die 25 von Reuters befragten Analysten rechnen im Schnitt mit einem Wachstum von 1,8 Prozent im kommenden Haushaltsjahr, das im März 2014 endet.

Auch der private Konsum gewinne an Stärke. "Die Wirtschaft ist schwach, aber in manchen Bereichen ist die Talsohle zu sehen." Noch im Dezember hatte sich die Regierung deutlich pessimistischer geäußert. Die Analysten verweisen auf die anstehende Mehrwertsteuererhöhung im April 2014, vor der die Verbraucher die Geschäfte stürmen dürften. Wie stark das 116,3 Milliarden Dollar schwere Konjunkturpaket die Wirtschaft ankurbelt, ist dagegen umstritten: Die Regierung geht von einem Wachstumsimpuls von zwei Prozentpunkten aus, die Analysten rechnen nur mit 0,7 Prozentpunkten.

Die japanische Notenbank hatte am Dienstag das Inflationsziel auf zwei Prozent verdoppelt und angekündigt, ab kommendem Jahr unbefristet Staatsanleihen zu kaufen. Das bislang bestehende Programm läuft Ende 2013 aus und war vom Umfang gedeckelt. Weitere Schritte werden spätestens ab April erwartet, wenn die Amtszeit von Masaaki Shirakawa endet und die Regierung einen neuen Notenbankchef ernennen kann. Doch die Geldspritzen reichen nach Einschätzung der Analysten nicht aus: "Japan benötigt eine Wachstumsstrategie", sagte Yuichi Kodama, Chefvolkswirt bei Meiji Yasuda Life Insurance. "Die Regierung muss nun die Deregulierung einleiten, um ein Umfeld zu schaffen, in dem die Wirtschaft investiert."