Siemens-Chef soll Konzern bis 2014 an Weltspitze führen

Mittwoch, 23. Januar 2013, 12:30 Uhr
 

München (Reuters) - Siemens-Chef Peter Löscher verteidigt seinen Posten und will sein Haus selbst wieder zurück an die Branchenspitze führen.

"Siemens ist erfolgreich unterwegs und ich bin ruhig und gelassen. Das Führungsteam ist geschlossen und das wird auch über die nächsten Jahre so bleiben", sagte der seit sechs Jahren amtierende Manager im Vorfeld der Hauptversammlung am Mittwoch. "Weltklasse: Für diesen Anspruch stehen ich und der gesamte Vorstand ein", beteuerte er. "Mit einer Platzierung im Mittelfeld würde sich Siemens niemals zufriedengeben."

Der Österreicher reagierte damit auf Kritik an seiner Führungskompetenz und Gerüchte über Aufstiegsgelüste seines Finanzchefs Joe Kaeser. Auch Aufsichtsratschef Gerhard Cromme will von einer Führungskrise nichts wissen und schob die Schuld wie bereits am vergangenen Freitag beim Aktionärstreffen von ThyssenKrupp den Medien zu. Einige Medien versuchten, "Uneinigkeiten in Vorstand und Aufsichtsrat zu konstruieren, wo keine sind". Cromme gab Löscher Rückendeckung: "2014 wird Siemens wieder da sein, wo es hingehört: an der Spitze des Wettbewerbs". Er unterstütze die Pläne des Vorstands. "Der Aufsichtsrat wird die Umsetzung eng begleiten", verkündete der Chefkontrolleur.

SIEMENS IST DAS GE IN ABGEHÄNGT

Um den Anschluss an Rivalen wie GE und ABB zu schaffen, dreht Löscher derzeit an der Kostenschraube. Bis 2014 sollen jährlich sechs Milliarden Euro gespart werden, die Rendite soll auf über zwölf Prozent von zuletzt gut neun Prozent steigen. Tausende Stellen werden gestrichen, das Unternehmen plant den Verkauf mehrerer Sparten. Das Management richte seine volle Aufmerksamkeit auf die Umsetzung des Programms, verkündete Löscher. Er räumte ein, dass GE zuletzt eine bessere Figur gemacht hat als die Münchner. "Dass wir in dieser Hinsicht an Boden verloren haben, ist unzweifelhaft", sagte er. Die Amerikaner und die Schweizer hatten Siemens zuletzt in punkto Wachstum und Profitabilität immer weiter abgehängt.

Einzelne Analysten hatten Löscher in den vergangenen Monaten bereits angezählt, nachdem sich Siemens mehrere Patzer geleistet hatte und die Renditen dahinschmolzen. Viele Schnitzer wurden dem Vorstandschef direkt angelastet: Die von ihm teuer eingekaufte Solarfirma Solel stellte sich als Vollausfall heraus. Den Anschluss von Windparks in der Nordsee bekommt Siemens nicht hin, die Lieferverzögerung der ICE-Züge an die Deutsche Bahn kostet Siemens 116 Millionen Euro. Löscher konterte am Mittwoch Vorwürfe, das Unternehmen beherrsche keine Großprojekte. Siemens setze derzeit 1500 Großaufträge mit einem Gesamtvolumen von 100 Milliarden Euro um.

KEIN RÜCKENWIND VON WELTWIRTSCHAFT

Für das abgelaufene Quartal präsentierte Siemens seinen Aktionären weitgehend stagnierende Quartalszahlen. In den Monaten Oktober bis Dezember des Geschäftsjahres 2012/13 ging der Gewinn aus dem fortgeführten Geschäft binnen Jahresfrist um ein Prozent auf rund 1,3 Milliarden Euro zurück. Der Umsatz legte dank hoher Nachfrage aus den Schwellenländern um zwei Prozent auf 18,1 Milliarden Euro zu. Das Volumen der Neubestellungen sank um drei Prozent auf 19,1 Milliarden Euro. Während das Geschäft mit Energie- und Medizintechnik floriert, kämpft das Industriesegment mit der Investitionsscheu seiner Kundschaft.

Das jüngste Geschäftsgebiet Infrastruktur und Städte litt unter hausgemachten Problemen, vor allem der verspäteten Auslieferung der ICE-Züge an die Deutsche Bahn. Die Leuchtmitteltochter Osram, die der Konzern mehrheitlich an seine Aktionäre weiterreichen will, musste einen Gewinnrückgang hinnehmen. Unter dem Strich verdiente das Traditionsunternehmen mit 79 Millionen Euro gut ein Viertel weniger als noch vor einem Jahr. Die Siemens-Eigner sollen im Verlauf des Mittwochs darüber abstimmen, ob sie die Osram-Aktien annehmen.

An der Prognose für das Geschäftsjahr 2012/13 - ein Gewinn aus dem fortgeführten Geschäft zwischen 4,5 bis fünf Milliarden Euro - hielt Löscher fest. Er räumte allerdings ein, dass sein Haus es schwer haben werde. "Für den weiteren Jahresverlauf erwarten wir von der Weltwirtschaft keinen Rückenwind, um unsere ehrgeizigen Ziele zu erreichen", sagte Löscher. Der eher düstere Ausblick kam an der Börse nicht gut an. Die Aktien des Konzerns verloren gut ein Prozent und gehörten damit zu den schwächsten Werten im Dax.

Die von Investoren gefürchteten Sonderlasten summierten sich im abgelaufenen Vierteljahr auf 212 Millionen Euro, rund die Hälfte davon entfällt auf die Lieferverzögerungen der ICE-Züge an die Deutsche Bahn. Die Kosten des laufenden Sparprogramms beliefen sich auf rund 50 Millionen Euro. Das dicke Ende kommt somit erst noch: Im Gesamtjahr rechnet der Konzern mit Belastungen von einer Milliarde Euro durch die Sparanstrengungen.