Für den IWF bleibt der Euro-Raum ein Mega-Risiko

Mittwoch, 23. Januar 2013, 16:49 Uhr
 

Washington/Berlin (Reuters) - Für den Internationalen Währungsfonds (IWF) bleibt die Euro-Zone in einer wieder erstarkenden Weltwirtschaft das große Sorgenkind.

IWF-Chefvolkswirt Olivier Blanchard bescheinigt den Ländern des Währungsraums zwar in seiner am Mittwoch vorgelegten Wachstumsprognose erhebliche Fortschritte im Kampf gegen die Schuldenkrise. Dennoch bleibe die Euro-Zone "ein großes Abwärtsrisiko für den Weltwirtschaftsausblick" und werde dieses Jahr eine Rezession durchlaufen. Die deutsche Wirtschaft wird diesem Schicksal entgehen, aber nur mäßig wachsen, wie der IWF und die von Reuters befragte Experten unisono vorhersagen.

Der IWF rechnet für 2013 mit einem Plus beim deutschen Bruttoinlandsprodukt von 0,6 Prozent. Damit liegt der Fonds sogar leicht über den Erwartungen der Bundesregierung. Für das kommende Jahr rechnet er dann mit einer Beschleunigung auf eine Rate von 1,4 Prozent. Auch die von Reuters befragten Volkswirte sehen keinen Grund zum Schwarzmalen: Nach dem Einbruch Ende 2012 wird das Bruttoinlandsprodukt von Januar bis März nach ihrer Ansicht wieder um 0,2 Prozent zulegen. Im letzten Vierteljahr 2012 hatte es mit minus 0,5 Prozent nicht nur den ersten Rückgang seit einem Jahr gegeben, sondern zugleich den stärksten seit dem Höhepunkt der Finanzkrise Anfang 2009. Zwei Minus-Quartale in Folge gelten als Rezession: "Sie bleibt uns erspart", sagte Ökonomin Ulrike Kastens von Sal. Oppenheim.

ABNEHMENDE BREMSEFFEKTE - VORSICHTIGER OPTIMISMUS

"Das weltweite Wachstum dürfte 2013 angesichts abnehmender Bremseffekte anziehen", schreibt der IWF in der Aktualisierung seiner Wachstumsprognose vom Oktober. "Optimismus liegt in der Luft, besonders an den Finanzmärkten, und vorsichtiger Optimismus mag in der Tat gerechtfertigt sein", sagte Blanchard: Im Vergleich zum Beginn des vorigen Jahres hätten die akuten Risiken abgenommen: "Aber im Euro-Raum verzögert sich die Erholung nach einer langwierigen Abschwächung." Wenn der eingeleitete Reformkurs nicht beibehalten werde, drohe einer längere Stagnation. Insgesamt erwartet der Fonds nunmehr für die Euro-Zone ein Schrumpfen der Wirtschaftsleistung im laufenden Jahr um 0,2 Prozent, nachdem er im Oktober 2012 noch ein Plus von 0,2 Prozent veranschlagt hatte. Im kommenden Jahr sollte dann ein Wachstum von einem Prozent erreicht werden. Das ist minimal weniger als in der vorigen Prognose.

Trotz der Rezession im Euro-Raum wird die EZB nach Ansicht der befragten Ökonomen dieses Jahr die Zinsen nicht senken. "Die Realwirtschaft wird sich vor dem Hintergrund der günstigeren Bedingungen an den Finanzmärkten erholen. Daher ist ein Stillhalten der EZB in diesem Jahr zu erwarten", erläutert Ökonom Greg Fuzesi von der US-Großbank JP Morgan.

Für die beiden Sorgenkinder Italien und Spanien sagt der Internationale Währungsfonds mit 1,0 beziehungsweise 1,5 Prozent nochmals ein Schrumpfen der Wirtschaftsleistung im laufenden Jahr voraus. 2014 soll es dann wieder ein kleines Plus geben.

Deutlichere Wachstumsraten haben dem Fonds zufolge die Vereinigten Staaten zu erwarten. Sie sollten 2013 um zwei Prozent und 2014 um drei Prozent zulegen. Allerdings setze das voraus, dass die USA ihre akuten Probleme mit der "Fiskalklippe" umschifften. Zudem mahnt der Fonds zum wiederholten Mal eine mittelfristige Strategie zum Abbau der hohen Staatschulden an. Für Japan sieht der Fonds zwar, mitbedingt durch eine expansive Finanz- und Geldpolitik, eine rasche Rückkehr zum Wachstum nach eine kurzen Rezession. Ohne eine Mittelfrist-Strategie zum Schuldenabbau berge dieser Kurs aber erhebliche Risiken, warnte der IWF.

Die wesentlichen Wachstumsimpulse werden nach den IWF-Analysen weiterhin von den Schwellen- und Entwicklungsländern kommen, die in Raten von 5,5 Prozent in diesem und 5,9 Prozent im nächsten Jahr zulegen sollten. Wachstumstreiber werde insbesondere China bleiben, dessen Wachstum der IWF unverändert bei Raten von 8,2 bis 8,5 Prozent sieht.

 
A man reads a newspaper in downtown Lisbon January 23, 2013. REUTERS/Rafael Marchante (PORTUGAL - Tags: BUSINESS POLITICS SOCIETY)