Deutsche Börse bastelt an neuem Sparpaket

Mittwoch, 23. Januar 2013, 20:34 Uhr
 

Frankfurt (Reuters) - Die Deutsche Börse plant wegen der Flaute an den Finanzmärkten Unternehmenskreisen zufolge ein neues Sparpaket.

Der Vorstand von Deutschlands größtem Börsenbetreiber wolle damit auf das rückläufige Handelsvolumen und die strukturellen Veränderungen an den Märkten reagieren, sagten vier mit dem Vorgang vertraute Personen am Mittwoch der Nachrichtenagentur Reuters. "Details und Ausmaß des Sparpakets stehen noch nicht fest", sagte einer der Insider. Mit dem Aufsichtsrat und dem Betriebsrat sei über das Thema noch nicht diskutiert worden. Ein Sprecher der Deutschen Börse wollte sich nicht dazu äußern.

Das Unternehmen hatte im Herbst seine Prognose für 2012 kassiert, weil sich Investoren wegen der Euro-Krise und der Unsicherheit über die Konjunkturentwicklung im Handel mit Derivaten und Aktien zurückhalten. Besserung ist aus Sicht von hochrangigen Börsen-Managern nicht in Sicht. Banken würden wegen der strengeren Eigenkapitalanforderungen wohl auch künftig weniger handeln, erklärte einer der Insider. "Der Druck, unter dem die Banken leiden, kommt auch bei uns an." Die Banken zählten schließlich zu den wichtigsten Kunden der Börse.

"Wir müssen etwas unternehmen, aber wir wissen noch nicht genau was", sagte ein Börsenmanager. Erst wenn der Umfang der Sparmaßnahmen festgelegt sei, könne über konkrete Maßnahmen entschieden werden - beispielsweise Stellenstreichungen oder die Verlagerung von Jobs in Niedriglohnländer. Es sei zu erwarten, dass das Sparpaket vor oder im Rahmen der Bilanzpressekonferenz am 20. Februar offiziell bekanntgegeben werde, erklärte eine mit den Überlegungen vertraute Person.

"BREMSEN UND GAS GEBEN ZUR GLEICHEN ZEIT"

Mit den Einsparungen wolle das Unternehmen auch Geld für Investitionen in Wachstumsmärkten wie Asien und Südamerika freisetzen, sagte ein Börsen-Insider. "Sie müssen bremsen und Gas geben zur gleichen Zeit." Konzernchef Reto Francioni hatte am Montag auf dem Neujahresempfang des Unternehmens betont, dass der Konzern in diesen Märkten weiter expandieren wolle. "Das entscheidende Wachstum in unseren Märkten wird zukünftig nicht in Europa oder Nordamerika stattfinden, sondern in Asien und Lateinamerika", hatte der Schweizer erklärt.

An der Börse kamen die Sparpläne gut an. Die Aktie der Deutschen Börse baute ihre Gewinne nach der ersten Reuters-Meldung über das Sparprogramm leicht aus. Am späten Nachmittag notierte das Papier 1,6 Prozent höher bei 47,82 Euro und zählte damit zu den größten Gewinnern im Leitindex Dax.

AUS EIGENER KRAFT WACHSEN UND SPAREN

Sparprogramme haben bei der Deutsche Börse eine lange Tradition. In den vergangenen Jahren hat der Konzern diverse Maßnahmen beschlossen, um Kosten zu drücken. Am meisten Aufsehen in der Öffentlichkeit erregte die Verlegung der Konzernzentrale von Frankfurt ins benachbarte Eschborn, durch die das Unternehmen Gewerbesteuern spart.

Auch andere Börsenbetreiber wie die New York Stock Exchange (Nyse) haben mit der Flaute an den Finanzmärkten zu kämpfen. Die Nyse hat jedoch einen anderen Ausweg gewählt: Sie hat einer Übernahme durch den US-Konkurrenten ICE zugestimmt und will sich so am Markt behaupten.

Deutsche-Börse-Chef Francioni strebt - nach diversen gescheiterten Versuchen - dagegen keine Fusionen oder große Übernahmen mehr an. Er will das Angebote für derzeit noch unregulierte Märkte ausweiten, das Geschäft mit Marktdaten ausbauen - und Kosten sparen.