Zweifel an Apple-Innovationskraft trotz Rekordzahlen

Donnerstag, 24. Januar 2013, 17:45 Uhr
 

San Francisco (Reuters) - Zukunftssorgen überschatten bei Apple die Rekordverkäufe des iPhone und iPad.

Das wertvollste Technologieunternehmen der Welt enttäuschte im Weihnachtsquartal die hohen Erwartungen. Zum dritten Mal in Folge fiel der Umsatz der Kalifornier - trotz eines neuen Rekords von 54,5 Milliarden Dollar - geringer aus als von Analysten prognostiziert. Dies warf Fragen auf, ob es Tim Cook, Nachfolger des legendären Apple-Gründers Steve Jobs, gelingen wird, die anspruchsvollen Fans des Unternehmens mit einem neuen Kassenschlager bei Laune zu halten. Nach iPhone und iPad, die die Standards für alle anderen Smartphones und Tablets setzten, fehlt eine bahnbrechende Produktneuheit. Zugleich holen viele Konkurrenten auf, der südkoreanische Samsung-Konzern ist sogar schon vorbeigezogen. Apple-Aktien stürzten trotz 47,8 Millionen verkaufter iPhones ab. In Frankfurt ging es acht Prozent nach unten. Im Sog gaben auch Anteilsscheine von Lieferanten nach.

Nun drängt sich die Frage auf, ob Apple das selbst vorgegebene Tempo halten und weiterhin von Rekord zu Rekord eilen kann. Bislang lebte der Konzern von seiner berühmten Innovationskraft - so revolutionierte der iPod die Musikbranche, das iPhone veränderte den Telefon-Markt und das iPad ließ die klassischen PC-Hersteller alt aussehen. Doch die jüngsten Neuerungen wie beispielsweise das iPad Mini befriedigten die Erwartungen kaum. "Man kann nicht immerzu iPhones und iPads auf den Markt bringen und davon ausgehen, dass schon jeder ein neues braucht", sagte der Chef des Vermögensverwalters DoubleLine Capital, Jeffrey Gundlach. "Das Mini? Was soll da dran sein? Das ist ein etwas kleineres iPad. Definiert man so Innovation?"

Analysten wie auch Freunde der Tech-Ikone mit dem angebissenen Apfel als Symbol rätseln, ob und was Apple in der Pipeline hat. Noch immer hoffen viele auf die Neuerfindung des Fernsehers. "Apple muss innovativer werden", forderte Analyst Trip Chowdhry von Global Equities Research. Das iPhone komme in die Jahre. "Sie brauchen bald ein völlig neues Gerät - in Monaten, nicht Jahren".

EXTREM HOHE ERWARTUNGEN

Apple zahlt der scharfen Konkurrenz durch die Galaxy-Smartphones und -Tablets von Samsung Tribut, die mit der Google-Betriebssoftware Android arbeiten. Im ersten Quartal des laufenden Geschäftsjahres (bis Ende Dezember 2012) setzten die Amerikaner mit fast 48 Millionen Geräten 29 Prozent mehr iPhones ab. Auf dem wichtigen chinesischen Markt verdoppelten sich die Verkäufe sogar. Analysten hatten aber mit einem Absatz von rund 50 Millionen Stück gerechnet. Samsung kam im wichtigen Weihnachtsgeschäft auf 61,4 Millionen Smartphones. Einen genaueren Einblick ins Quartal wollen die Südkoreaner am Freitag geben.

Obwohl Experten vor allem in Indien und Brasilien weiterhin mit starkem Wachstum rechnen, gehen einige davon aus, dass die Industriestaaten bei den Smartphone-Verkäufen bereits kurz vor dem Zenit stehen. Zudem stiegen bei Apple zuletzt auch die Produktionskosten, dies drückte die Bruttomarge auf 38,6 von 44,7 Prozent und hielt den Gewinn auf Vorjahresniveau bei 13,07 Milliarden Dollar.

Mit dem Umsatzplus von 18 Prozent auf 54,5 Milliarden Dollar zeigten sich Marktbeobachter unzufrieden. Sie waren im Schnitt von 54,73 Milliarden Dollar ausgegangen. Das iPhone steuert rund die Hälfte zum Umsatz bei. Der Rest kommt von den iPads, deren Verkäufe auf 22,9 Millionen stiegen, und den iPods und Mac-Rechnern, von denen weniger über die Ladentische wanderten. Firmenchef Cook gab in einer Telefonkonferenz zu, dass die iPad-Verkäufe teilweise zu Lasten der margenstärkeren Mac-Rechner gehen. Zugleich bekannte er, dass Lieferengpässe den iPhone- und iPad-Absatz belastet hätten.

APPLE ZIEHT AKTIEN VON ZULIEFERERN MIT NACH UNTEN

An der Börse ging es für Apple abwärts. Seit dem Rekordhoch der Aktie im September fiel sie um 34 Prozent - damit verlor der im Silicon Valley ansässige Konzern 227 Milliarden Dollar an Wert. Dies entspricht in etwa der Wirtschaftsleistung von Hongkong. Am Mittwoch nach Börsenschluss kamen weitere 50 Milliarden Dollar hinzu, die Aktie stürzte an der Wall Street nachbörslich zehn Prozent auf 463 Dollar ab. Damit ist Apple immer noch etwa so viel wert wie Dell und Hewlett-Packard zusammen. Die jüngste Apple-Talfahrt ließ auch die Papiere von Chip-Lieferanten wie Skyworks, Cirrus Logic und Qualcomm büßen. In Deutschland gerieten die im TecDax gelisteten Aktien von Dialog Semiconductor unter Druck.

Bisher hatte es Seltenheitswert, wenn die Amerikaner die Erwartungen von Analysten verfehlten. Künftig könnte sich dies ändern. Apple kündigte an, von nun an Spannen für das anstehende Quartal vorzugeben, die es erreichen will und nicht mehr genaue Zahlen. Für das laufende zweite Geschäftsquartal rechnet der Konzern mit einem Umsatz zwischen 41 bis 43 Milliarden Dollar, weniger als von Analysten prognostiziert.

 
The Apple logo is pictured at the company's flagship retail store in San Francisco, California January 23, 2013. REUTERS/Robert Galbraith (UNITED STATES - Tags: BUSINESS LOGO)