Beiersdorf ködert Kunden in Braslien und Russland

Donnerstag, 24. Januar 2013, 13:23 Uhr
 

Hamburg (Reuters) - In Schwellenländern wie Brasilien und Russland greifen immer mehr Menschen zu Hautcremes und Haarshampoo von Beiersdorf

So konnte der Kosmetikkonzern im abgelaufenen Jahr schwächere Geschäfte im von der Schuldenkrise geplagten Westeuropa mehr als wettmachen. Der Umsatz kletterte organisch um 4,7 Prozent auf erstmals mehr als sechs Milliarden Euro, wie Beiersdorf am Donnerstag mitteilte. Die Erlöse der Kernmarke Nivea in Deutschland, für die Beiersdorf mit Fußball-Bundestrainer Jogi Löw wirbt, blieben trotz Schlecker-Pleite stabil. Die Drogeriekette hatte zu den großen Abnehmern von Beiersdorf gehört.

An der Börse kam das Umsatzplus gut an. Die im Dax gelistete Beiersdorf-Aktie gewann zunächst an Wert und klettert auf ein Rekordhoch von 64,74 Euro. Später bröckelte der Kurs und das Papier drehte in einem schwachen Marktumfeld ins Minus.

Hohe Zuwächse verbuchte Beiersdorf im Kosmetikgeschäft vor allem in Lateinamerika und Osteuropa. Besonders in Brasilien, Russland und Polen seien die Geschäfte gut gelaufen, berichtete Vorstandschef Stefan Heidenreich. Der Umsatz in China verharrte wegen der laufenden Sanierung auf Vorjahresniveau.

Während die Kosmetiksparte mit Marken wie Nivea, Labello, Eucerin und La Prairie um 4,9 Prozent zulegte, stiegen die Erlöse der kleineren Klebstofftochter Tesa um 3,6 Prozent. Heidenreich hatte im Herbst aufgrund einer guten Geschäftsentwicklung für den Konzern ein Umsatzplus von deutlich über vier Prozent in Aussicht gestellt und die Prognose damit zum zweiten Mal binnen weniger Wochen angehoben. Im vierten Quartal erhöhte sich der Konzernumsatz organisch um 7,7 Prozent auf 1,474 Milliarden Euro und lag damit leicht über den Erwartungen von Analysten.

Zahlen zum Gewinn sollen am 05. März vorgelegt werden. Das Ziel einer operativen Umsatzrendite von zwölf Prozent bekräftigte Heidenreich. Der um Kosten der Neuausrichtung bereinigte Betriebsgewinn würde damit 2012 bei etwa 725 Millionen Euro liegen. Von Reuters befragte Experten gehen im Schnitt von 752 Millionen aus.

Heidenreich, der das Steuer im April übernommen hatte, zeigte sich zufrieden. "Besonders in den Wachstumsmärkten haben sich beide Geschäftsbereiche Consumer und Tesa gut entwickelt." Die Innovationsfähigkeit sei deutlich verbessert worden. Heidenreichs Vorgänger Thomas-Bernd Quaas war vorgeworfen worden, Neuentwicklungen nicht schnell genug auf den Markt gebracht zu haben.

BEIERSDORF HOLT SCHNELLER AUF

Heidenreich hat Beiersdorf in den vergangenen Monaten stärker auf Wachstumsmärkte in Osteuropa, Südamerika und Asien ausgerichtet, um die Umsatzrückgänge im krisengebeutelten Westeuropa wettzumachen. Vorgänger Quaas hatte die Neuausrichtung eingeleitet, indem er in Westeuropa das Sortiment bereinigte und etwa ein Fünftel der Produkte aus den Regalen nahm, die nicht so gut liefen. Als einen der ersten Schritte zur Ausweitung des Geschäfts in Wachstumsregionen kündigte Heidenreich nach seinem Amtsantritt den Bau einer neuen Fabrik in Mexiko an. Diese soll ab 2014 die steigende Nachfrage nach Kosmetikartikeln in Südamerika bedienen.

Damit beschleunigt Beiersdorf die Aufholjagd im Rennen um Marktanteile. Konkurrenten wie L'Oreal, Procter & Gamble und Henkel treiben den Ausbau der Geschäfte in den Wachstumsmärkten Asiens, Lateinamerikas und Osteuropas schon länger voran. Auch der Lebensmittel- und Kosmetikanbieter Unilever profitiert von seiner stärkeren Präsenz in Schwellenländern. Trotz der flauen Nachfrage in Europa erzielte der Hersteller von Knorr-Suppen und Dove-Körperpflegeprodukten im abgelaufenen Jahr ein unerwartetes Umsatzplus von 6,9 Prozent.